Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 5 - Mai
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, Mai 1931. \Nemmer 5. (Eingetragener Berein. * _ 4L te" « A$t0$t0QSC fixe «igmn flerlag Hex ®ioglop. furtan: 1)062, |Ut|t|traBel2. ©rltp&ini: £nrt $ & Jar&arolla 461) Baxfjtmuft rämf(id|eK Ärfihcl au« M*f*n Rtffrtlungro tozth J|o|tfiÖfMünto: geritn 1633(3 trttn. Inhalt: DU» Lage der Jaden In Pulen. —; Nachdenkliche Gratulation. — Aua Amerika. — ArbeUegemi Frieden. —/ Hilhierelo der deutschen Juden. — Die 7. Kunatschau der Frankfurter Logen. — anderer Distrikte. — Aus anderen Distrikten. — Logenbericht — BOcherachau. — Aus dem Bi < Inscbaft der Konfessionen fttr den Curxe Uebersieht. ■ — Zeitschriften nfo der Großloge, — "Mitteilungen. I ' Die Lage der Juden in Polen Von Br. Expr. Dr. OttoAronade. Mit Rücksicht auf die großen Aufgaben, die unserem benachbarten Polnischen Distrikt (Xlll) gestellt feind, und auch auf die bisher erzielten Leistungen, bringen wir die folgenden Ausführungen aus sachkundiger Feder. — Dem Aufsatz ist wegen seines bedeutsamen Inhalts ausnahmsweise ein größerer Raum zugebilligt worden, wenn wir auch nicht mit allen Anschauungen des Verfassers einverstanden sind. Red. hu Jahre 1816 erhielt der an der/Spitze der Beil iner Reformbowegung stehende David Friedlaender von der Warschauer [Regierung den ehrcnv ollen Auftrag, Vorschläge für eine Reform der jüdischen Lebensverhältnissö in Polen zu machen; i r verfaßte eine Denkschrift unter dem Titel ..\erbesserung der Israel|ten im Königreich Polen“, in der er vorsefilug, die jüdischen v«hulen den polnischen anzu&leichen, die jüdische s,l>rad»e durch die polnische zu ersetzen und die Assimilation ' wie die religiöse Reform nach Kräften zu fordern. Und JOO Jahre später Brachten die „Süddeutschen Monatshefte“ ein Sonderheft „Ostjuden“ heraus, in dessen Yoriede die Herapsgeber sagen: Wer unbefangen I un das Studium der Ostjud^n herantritt, dem tut sich eine Welt auf, so eigenartig und so seltsam, wie keine in Europa uud wenige in anderen Erdteilen. Wir hatten keine Ahnung, daß es dicht vor unserer Tür so etwas gibt. — Nun, meine lieben Brüder, es ist uns deutschen Juden fast ebenso ergangen, bis der Krieg und die aus ihm - 73 sich' entwickelnden Verhältnisse Viele von uns| mitten hineinführte in d meist fremd, oft ablef iese Welt, der wir bisher nend gegenüberstanden. Wir lernten erst spät dis tragische Schicksal des Ostjuden kennen, durch die Klassiker der ostjüdischen Literatur, Mt ndele, Schalom Alechem und Perez, durch die le jendige Darstellung jüdischen Volkslebens in c er Wilnaer Truppe und der llabima, durch die liebevolle Vertiefung Arnold Zweig s und St 'ucks in das „ostjüdische Antlitz". Wenn man sich gewöhnt, die Judenfrage nicht als eine lokale, nicht als die Frage eines Landes, sondern in ihrer geschichtlichen, wirtschaftlichen, kultu relleh Gesamtbedeutung zu erfassen, so bietet Urs gerade das Studium der Ostjudenfrage fast eip Schulbeispiel, au dem wir unsere Erkenntnis der tieferen Zusammenhänge bereichern können, das aber gleichzeitig än unser Gewissen und unser jücl schesGemeinschaftsgefühl appelliert. Die europäische Arbeitsgemeinschaft unseres Ordens hat siih bereits mit .Teilfragen, z. B. der Not der studiirenden Jugend, beschäftigt, die ja nur einen k verzweifelten Kampfe einen Ausschnitt atis dem les polnischen Judentums um seine Selbsterhaltui g darstellen, aber meines Erachtens dem verzwe feiten Kampfe des polni- ' sehen Juden in seiner Gesamtheit, noch nicht die Aufmerksamkeit geschc nkt, die der Not der jüdischen Massen gerecht wird. Stehen wir doch