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Der Orden Bne Briss · 1931-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1931-02-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Juden, der Philosophie des Judentums und andere geistige Disziplinen getar hat, muß einmal auch für die jüdische Kunstforsc jung getan werden. Wir habfen bis heute keine Paläographie, keine Geschichte der Handschrift mmalerei, der illustrierten Drucke. Alles liegt noh in den Anfängen. Die alten Synagogen in Oste uropa warten oder warten vielmehr n i,c h t äuf dtn Forscher, denn manche sehr interessante unter ihnen sind in den letzten Jahren untergegangen. Gerade im Osten ist man überaus rege, junge Arhitekten fahren aufs Land, photographieren, machet Aufzeichnungen, aber es ist kein Geld vorhanden, um die Arbeit in größerem Umfange durchzuführen. Die Mainzer Tagung hat gezeigt, daß man sich der Wichtigkeit dei Forschungsarbeit durchaus bewußt ist und den Willen hat, sich für sie ein? zusetzen. Schon die anschließenden Besichtigungen von jüdischen Kunsti nd Kulturdenkmälern boten den Teilnehmern der Tajung wertvolle Anregungen, ln Mainz 'Jeitete die Fü trung durch den Denkmalsfriedhof, auf dem die ältesten wieder zutage geförderten Jüdischen Gral steine Aufstellung gefunden haben, Rabbiner Dr. 5 ali Levi, der sie in einer Schrift behandelt hat. Im Museum für Altertümer zeigre Prof. Ne;b die Säulen und Pfeiler vom Fenster eines Haus :s, das dem Standort und der Zeit nach (nachmaliges ludenviertel, 10. Jahrhundert) dem Juden Kalonymus gehört haben dürfte, worüber ‘ näheres in der Schrift »Magenza, das jüdische Mainz«, 1927 zu finden ist. Hebräische Drucke und ältere Synagogenantwürfe sah man im Gutenbergmuseum, das gelegentlich der Tagung eine Sonderausstellung veranstaltet hatte. Die einzigartigen Synagogen verhänge, die Kommerzienrat B. A. Mayer gesammelt hat, konnte man im Museum bei der Jüdischen Gemeinde sehen, sowie manches wertvolle Gerät, manche selrene Urkunde , aus napoleonischer Z:it, illuminierte Handschriften und Bilddrucke, die von Dr. K. Ladenburg gezeigt wurden. Dr. Ladenburg ist es auch, der die Herausgabe der Sammelschrift Magenza angeregt hat. Das Drum und Dran der Tagung, der Kontakt mit den Menschen, die unseren ältesten aschkenasischen Gern rinden entstammen und sich ihrer Abstammung sa bewußt sind und so überaus stark verpflichtet fühlen, war der wertvollste Eindruck, den man n itnahm. In der gleichen >rüderlichen Gesinnung wanderte man nach Woms, wo man zu dem berühmten Machsorkodex des 13. Jahrhunderts ins Gemeindehaus wallfahrtete, von Herrn I. Kiefer betreut und beraten. Den Absdluß bildete die Besichtigung des Museums der Gesellschaft zurj Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt am Main. Herr Julius Goldschmidt, Dr. Felix Kauffmann, Dr. C. Mayer zeigten die Schätze des Museums, das in Deutschland wohl als das reichste dieser Art zu bezeichnen ist. Es ist im alten Rothschildhaus untergebracht, das nächstens renoviert bzw. umgebaut werden soll. Es ist zu hoffen, daß die Oeffentlichkeit über den Charakter der vorzunehmenden Arbeiten an diesem historischen Hause rechtzeitig informiert werden wird und die Sachverständigen angehört werden, bevor Entscheidendes geschieht. Es würde ein solches Vorgehen, abgesehen davon, daß Fehlgriffe vermieden werden würden, viel zum Ansehen unserer Kunstpflege beitragen,, die zu Organisieren wir gerade im Begriffe $ind. Wenn bis zur nächsten Tagung in Berlin die Arbeitsgemeinschaft all das geleistet haben wird, was sie sich vorgenommen hat, wird sie ein erhebliches Stüde Weges weiter sein. Dem Finanzausschuß, den Herren Max Silberberg, Breslau, Kommerzienrat B. A. Mayer und Dr. L. Fulda, Mainz, Dr. Felix Kauffmann, Frankfurt a. Main, liegt es ob, die Mittel herbeizuschaffen, Herrn Max Silberberg, Herrn Felix Perle, Breslau, und Rabbiner Dr. Sali Levi, Mainz, — die Mitarbeiter für die kultur- und kunsthistorische Arbeit heranzuziehen, Herrn Felix Perle und Dr. Karl Ladenburg — die Werbeschrift vorzubereiten. Eine Kommission,, bestehend aus Prof. Glaser und Dr. Wertheimer von der Kunstbibliothek in Berlin, Prof, Hintze vom Schloßmuseum in Breslau, Dr. K. Schwarz von der Kunstsammlung bei der jüdischen Gemeinde Berlin, Dipl.-Architektin Rahel Wischnitzer-Bernstein, Berlin, und den Herren Max Silberberg, Breslau, und I. Reiling, Mainz, hat die Aufgabe, [das photographische Bilderarchiv zu organisieren. Die Tagung in Berlin, die den Auftakt zur Arbeit auf breiterer Basis bedeuten möge, wird sicherlich d^m Sammlertum, den öffentlichen Stellen, der freien Forschung Gelegenheit geben, ihre Wünsche zum Ausdruck zu bringen und Erfahrungen auszutauschen. Die Großlbge hat den Gedanken der Kunstpflege zu dem Jihren gemacht und mit ihrer Anregung in allen lj.ogen Anklang gefunden. Ausstellungen und Kunstvorträge bilden einen nicht unbedeutenden Faktor im Logerileben, tind so kann wohl die Arbeitsgemeinschaft für Sammlungen jüdischer Kunst und Altertümer, die unter ihren Mitgliedern Logenbrüder, bzw. Schwestern zählt, auf die Mitwirkung der Logert rechnen. 32

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