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Der Orden Bne Briss · 1930-12-01 · Nr. 12 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 12 - Dezember
Date
1930-12-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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die östliche Landschaft, das Leben einer deutsch »polnischen Kleinstadt. Wir sehen M; nfred Frank an der Seite des liebenswürdigen polnischen C iutsherm durch die Fetder gehen, erkennen den kleinen Buchla len auf dem! Marktplatz, in dem Frank seine freien Stunde i verbringt, um in Büchern zu stöbern, erleben das bunte Bild eines sonntäglichen Kirchganges. Und wir kennen tie alle, die Frauen und Männer in ihrer malerischen Natiot altracht, — den blinden Geiger, der den »Kujawiak« auf seiner Fiedel aufspielt, — die alte Jaguscha, die vor der »Boza matka« in Andacht kniet. Aber Manfred Frank ist nicht nur Sucher, Träumer und Dichter, — Manfred Frank i: t der Jude mit dem nie ruhenden Aufhauwillen, mit der nie eilahmcnden Kraft, aus Trümmern eine neue Welt zu erricht« o. Und wir sind dankbar, daß diesem ewigen Sucher nach \ Wahrheit ein freundlicher Lebensausklang beschieden ist. W. L. •i: „Die Bevölkerungs- Juden Im Deutschen Reicht Unter diesem Titel Verlag das erste Werk de Sektion für Statistik, das det Prof. Dr. Heinrich Silber Die neue Publikation zi Der erste bringt Grundlege > Wicklung und die räumliche völkerung in Preußen seit der letzten Friedensvolkszä >1 Reichsausländer. — Geschlecht Familienstand auf Grund berufliche Gliederung unter rufsgruppen und der Einzel der Angestellten, Arbeiter und Hausangestellten werdet hier vorliegenden Resultate den Gang der Entwicklung aus Einzelsymptomen notdüjfi Jüdische Bevölkerungspolitik (and wird auf dieses zurückgreifen müssen. Keim mit bedeut und Berufsverhältnisse der . I. Freistaat Preußen.“ iicn vor kurzem im Akademiebei der Akademie bestehenden rühmlich bekannten Statistiker I e i t zum Verfasser hat. e^fällt in Text- und Tabellenteil, des über die geschichtliche Ent- Verteilun|g der jüdischen Beiß IZ, über; die Entwicklung seit ung und über die jüdischen c er und Altersgruppen, Alter und Volkszählung von 1925, die Jerücksichtigung der großen Be» b xufsschichten, der Selbständigen, helfenden Familienangehörigen hier eingehend behandelt. Die zeigen mit genauer' Deutlichkeit der bisher nur vorgeahnt oder tig erschlossen war. — Jede und soziale Arbeit in Deutschsame Werk von Silbergleit jüdische Behörde oder soziale n können. Organisation wird es entbehr :i Hallo, Rudolf: »Geich ichte der Familie Hallo. 350 Jahre aus dem Leben einer deutschen Hofjuden- und Handwerkerfamiliq«. Kassel 1930. Ein schönes Denkmal jüdischer Pietät und jüdischen [Forschergeistes zugleich. Gaiz zweifellos eine der besten, wenn nicht die beste Familiengeschichte: ihrer Art. Mag sie uns in das altehrwürdige Prager Ghetto oder nach der kaum minder alten Hallenser Gemeinde oder in den Haushalt des (»Begründers der Judengemeinde von Berlin«, des Hofjuden des Großen Kurfürsten, Israel’ Aron, zu der Familie mit dem sonderbaren, schwer erklärlichen Namen Geitzvogel in Glogäu, oder auf den Venediger Friedhof am Lido mit dem stattlichen Grabstein des Urahnen von] 1615 un4. der von dem hodii berühmten Leon da Modena (/erfaßten Grabschrift oder nach Kassel, »der Heimat unserer Väter«, führen, immer fällt eine Fülle von Licht auf bislier dunkle Teile unserer Geschichte, immer wird der oft unglaublich spröde Stoff mit Meisterschaft lebendig, ja oft rührend jund ergreifend gestaltet. Man lese nur die Autobiographie des unglücklichen Simon Halle, einer wahren Hiobsgestalf, man lese den Brief jener Mutter von 1850, mit dem das Buch schließt, und mah wird den Eindruck gewinnen, daß hier die so seltene Synthese zwischen streng wissenschaftlicher Gelehrtenarbeit und fesselnder JJnferhaltungslektüre in seltenem Maße'gelungen ist. Für kritische Bemerkungen fehlt hier der I^äum. Nur das sei gesagt, daß der S. 113 Anm. 6 erwähnte Aron Abraham aus Offenbach identisch mit dem in meiner Gesch. des Weitph,' Konsistoriums ausführlich behandelten Richter und Rabbiner Rosenbach ist, und die inhaltlich außerordentlich interessante Grabschrift von David Halle, die nur teilweise in Uebersetzung sich S. 109 findet, m. Ä. n. unbedingt verdient hätte; vollständigim Urtext wiedergegeben zsi werden. Ich wünsche dem Werk, das leider keinen Verleger fandrecht viele Leser und vor allem — Käufer. i Direktor Dr. Lazarus'/ Kasel. ' - i. * . I t J. Münz: Jüdisqhes Leben i m M i 11 e I a 11 e r. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte der deutschen Juden, Mit Illustrationen. Verlag vcjp A. M. Kaufmann, Leipzig. 1930. Mit dem vorliegenden Buch hat der Verfasser seinen Verdiensten um die Popularisierung der Ergebnisse jüdischer Literatur- und Geschichtsforschung ein neues Vereintst angefügt, für das ihm digjüdische Leserwelt Dank und Anerkennung schuldet. Das innere Leben der Juden im Mittelälter im Bereiche deutscher Sprache und Kultur ist dgt^ Gegenstand, den Münz einer Bearbeitung untei zieht und - in vortrefflicher, mustergültiger Darstellung dein1, Leser vorführt. Selten hat sich gründliche' und gediegene Gelehrtenarbeit in so edel volkstümlicher, anziehender Jitd wohltuender Form und Sprache dargeboten, wie es hier geschieht. Auf dem knappen Raum von kaum 80 Seiten in zwölf Abschnitten, . denen sich ein 10 Seiten umfassendes Verzeichnis kurzer Bemerkungen und genau«; Quellennachwe se anschließt, hat der Verfasser ein gedrängtes, aber klares und anschauliches . Bild vom Leben und Treiben unserer Ve rfahren von ihrem ersten Erscheinen auf deutschem Boden bis zu ihrem Eintritt in das moderne Staats- und KulturlebeiJ entworfen Abschnitte wie'die über Sabbat und Festtage, Eheschließung und Hochzeitsfeier, Luxus und Spiel, Wohltätigkeit und Menschenliebe zeugen von seinem liebevollen Verständnis für <Jen bestrickenden Zauber, der dem sinnige^ Betrachter des Familienlebens| sowohl wie des sozialen vn<L gemeindlichen Lebens unserer Vorfahren im Mittelalter entgegenweht und ihn das seelische Behagen nachfühlen läßt, das einst die' düsteren Winkel^ jüdischer Häuser im Gfjet to erhellt und beglückt hat. Weitverbreitete irrige Anschauungen, als hätten unsere Vorfahren im Ghetto unter ständigem geistigen und seelischen Drude gelebt, werden so korr|giert, und mit Recht sagt der Verfasser: »Je drückender; und unerträglicher die äußeren Verhältnisse sich gestalteten, desto mehr zogen sie sich rettend und schützend auf ihre eigene Welt, auf ihr Haus, auf ihre Familie, auf ihre Gemeinde, auf ihr Lehrhaus zurück, und Brüder denket bei der Darreichung von Spenden auc^i an die Großloge. — 239 —

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