Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1930-11-01 · Nr. 11 - November · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 11 - November
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6727475-6029149-6074837--2502-4869092
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

fünf Familien in engen Wohnungen zusammengepfercht_sind, aber viele dieser relativ »Glücklichen« waren dem »Ort« für ihre Rettung vor dem. Untergang dankbar. Gegen solches Elend verblasse die schwerste westeuropäische Wirtschaftskrise. Beide Redner appellierten an die Pflicht der glücklicheren Teile der Judenheit; ihren Glaubensbrüdern zu Hilfe zu.eilen. /iBr. Expräsident Professor Dr. Benno Gutenberg hat Dannstadt verlassen, um einem Rufe zur Abhaltung von Vorlesungen über Meteorologie an der Rockefeiler-Universität in Pasadena Folge zu leisten. Am 5. September dieses Jahres wurde der Physiker Professor Eugen Goldstein, ein Gelehrter von Weltruf, achtzig Jahre alt. - Goldstein, 1850 in Gleiwitz geboren, ein Liebtingsschüler von HelmKoltz, ist u. a. der Entdecker der Kanalstrahlen und der chemischen Kathodenstrahlenreagenz. Wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum mußte er mannigfache Zurücksetzungen erleiden und wurde jahrzehntelang bei Besetzung der Ordinariate übergangen. Etst im vorgerückten Alter wurde er Direktor des staatlichen astrophysischen Instituts der Potsdamer Sternwarte. Auf dem diesjährigen .Naturforschertag in Königsberg erfuhr er große Ehrungen. * * In Berlin feierte der hervorragende aus Rußland stammende jüdische Historiker Simon Dubnow, der Verfasser der zehnbändigen »Jüdischen Geschichte« und der »Geschichte der chassidischen Bewegung« seinen 70. Geburtstag. 1 * % » Auf dem Deutschen Katholikentag in München, "wo sich 150000 Katholiken versammelt hatten, wandte sich Kardinal Faulhaber in einer eindrücklichen Rede gegen den Antisemitismus, den Nationalsozialismus und gegen den wissenschaftlich nach jeder Richtung hin unhaltbaren Rassendünkel und die Rassen-Ueberheblichkeit. Er Jtezeidmete den Antisemitismus als eine Kulturschande. Auf der diesjährigen Jahresversammlung . des Ort- Verbandes wurde durch viele unwiderlegliche statistische Nachweise und Berichte festgestellt, daß unter der gegenwärtig herrschenden Weltwirtschaftskrise niemand so leiden müsse wie die deklassierten Ostjuden Europas. In Paris starb , 82 jährig der französisch-jüdische Dramatiker und Lustspieldichter Georges de Perto-Riche. Viele seiner geistreichen und witzigen Komödien gingen über die Bühnen der ganzen Welt. In Berlin hat Max Reinhardt vor allem in den »Kamlnerspielen« und der »Komödie« Arbeiten dieses Dichters gespielt. Er war Ritter der Ehrenlegion, Mitglied der französischen Akademie und zeitlebens ein überzeugungstreuer, bewußter Jude, der während seiner Studentenzeit auch eine »Geschichte der Juden in Lyon« geschrieben hatte. An seiner Beerdigung nahm das ganze geistige Frankreich teil. Der neue Ministerpräsident von Kanada, Sir R. B. Bennett, erklärte in einer Rede auf dem Känadischen Volkswirtschaftskongreß, daß er sehr viele jüdische Einwandererfamilien persönlich kenne und das jüdische Element im Lande als besonders fleißig, geistig hochstehend und soziologisch wertvoll schätze. Die neuen Einwanderungsbeschränkungen seien nicht gegen die Juden gerichtet. , ' x i 4 Die Behörden von Bialyttok beschlossen, dem dort geborenen Schöpfer der Esperantosprache Dr. Ludwig Zamenhof ein Denkmal zu setzen. * . * 4 * ■ I »' Die Theatergesellschaft »Habima*, die einzige hebräsehe Bühne der Welt, gab in Berlin ein Gastspiel und. führte Shakespeare, Gutzkow und osljüdiscfae Dichter mit. großem Erfolge auf. Die gesamte Presse Berlins, auch die rechtsgerichteten Zeitungen lohten die künstlerischen Leistungen in zum Teil sehr herzlichen Porten. * , « Anläßlich des Rosch-Haschanah-Festes übermittelte der Präsident der Vereinigten Staaten, Hoover, der amerikanischen Judenheit, in einer öffentlichen Botschaft seine Glückwünsche, in der es heißt: »Die Judeaj haben durch zahllose unschätzbare Werke zu allen Zetten zum menschlichen Kultur- Fortschritt beigetragen..« i « In New york wurde eide der größten Kirchen Amerikas, die neuerbaute »New RivgrsÄdi Church« am 5. Oktober feierlich eingeweiht: In deh Tütbogenfeldern hat man, in Stein gemeißelt, die Köpfe ttcr »bedeutendsten Vertreter der Menschheit«, der »Geschenke Gottes* angebracht, und zwar in drei, Sektoren nur reljgi$se Führer, Philosophen und Naturforscher/ als einzigen Lebenden unter den großen Persönlichkeiten der menschlichen! Geistesgeschichte . findet man den Kopf Albert Einsteins Im vorderen Mittelportal. In' Worms wurde unttr demalten israelitischen Gemeindefriedhof bei Bauarbejuen ein alter im 'frühen Mittelalter angelegter 36 Meter langer Gang entdeckt, in dem man viele wertvolle / kulturhistorisch-interessante Funde machte. Die zahlreichen noch gut jerhaltenen Grabsteine aus dem 13. Jahrhundert konnten ausnahmslos entziffert werden. Auch der verschüttete jüdische Friedjiof von Toledo, wo maq nach oberflächlichem Graben jüdisch* Siedlungsspuren aus der Zeit von 500 vor Christi fand, wird demnächst von der Alterturasabteilung des spanischen Kultusministeriums freigelegt und wissenschaftlich beschrieben werden. Am 7. Oktober starb iili Berlin - i.m 77. Lebensjahr der Geheime Justizrat Dr. de^manjt OJterneck, der Vorsitzende des Berliner Notar rerjeins, der Sthöpfer eines wissenschaftlich begründeten Noi ariatsrechts. Oberneck, Mitglied der Auerbach-Loge, hatte si^h Zeit seines Lebens auch an den Verwaltungsaufgaben dej Berliner Jüdischen Gemeinde beteiligt. hn Der preußische Justizmi Anweisung, daß die Ablel Geschworenen wegen seine: Stellung seitens eines Beklag ti Dem berühmten Bicx h versität Berlin und Direkter Biochemie in Dahlem, Dr Entdeckungen auf dem C el goldene Delbrüdc-Medaillg nimmt auch seit Jahren ^n sationen regen Anteil. 1 i liäter verfügte in einer allgemeinen ujig eines Richters, Schoflen oder Konfession oder politischen Einet^ Jeder Rechtsgrundlage entbehre.. efniker, Professor an der Unicles Kaiser-Wilhelm-Instituts für Karl Neuberg, wurde für seine et des Stoffwechsels' die große verliehen. Professor Ntuberg d*r Arbeit vieler jüdischer Organi- 20«)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.