Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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läge für erfolgreiche kaufmännische Tätigkeit und ständiger Anlaß, diese Tätigkeit auszuüben. Da« neben sprachen in starkem Maße s o z i o 1 o g is di e Momente mit. Reichtum war nicht nur erstrebenswert um seiner selbst willen, sondern gab Macht und Einfluß, die für Juden aus anderen Sphären zumeist nicht zu holen waren. Wer reich wurde, hatte damit auch seine Tüchtigkeit erwiesen. Der Handarbeiter war zu allen Zeiten minder be» werter, gesellschaftlich und politisch einflußlos. Die Juden konnten es sich einfach (nicht leisten, ihre ständige Rechtlosigkeit durch ihr Einreihen in den Stand der Handarbeiter widerspruchslos zu sanktionieren, darauf zu verzichten, jhre politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung herbeizuführen. Ein|e Aenderung war nur durch finanzielle Macht möglich, der Weg hierzu führte beinahe immer über dein Kaufmannsstand. Alle diese Momente zusammengenommen, lassen es nicht verwunderlich erscheinen, daß der Kaufmannsberuf innerhalb der Berufsstruktur der Juden diese entscheidende Rolle spielt, und daß eine seit Jahrzehnten propagierte Berufsumsdiichtung der Juden ohne wesentliche Erfolge bleiben mußte Berufsumschichtung ist, von wenigenideellen Ausnahmen abgesehen, keine Angelegenheit der reinen Erkenntnis, sondern sie wird immer erst dann Wirksam, wenn ökonomisch zwingende Gründe mitsprechen. Diese ökonomische Situation aber,1 die eine neue Berufsoiientierung erzwingt, scheint, wenn nicht alle Zeichen trügen, für das deutsche < ■[ Judentum, gekommen zi sein. Nicht etwa in jenem Sinne, daß der kaufmännische Beruf/ also die wesentliche jüdische Wirtschafts» und Berufsposition, für Juden nicht mehr in Frage käme; Aber die Umwälzung des Wirtsoaftsorganismus hat di^ vermittelnden Berufe sdwer erschüttert, so daß sich die beruflichen Möglichkeiten objektiv eingeengt haben, insbesondere in jenem Sinne, der raschere Selbständigkeit gab, individuelles Können in weiterem Umfange gestattete und sich finanziell fruchtbringend auswirkte. Zwar i?t die rechtliche Gleichstellung der Juden noch nicht in' allen Teilen vollzogen, ihre gesellschaftliche Gleichberechtigung keineswegs immer gesichert, die Position des handarbeitenden Menschen |noch nicht ihrer Minderbewfirtung enthoben — aber Anzeichen einer neuen Wirtschaftsordnung maejhen sich bemerkbar, die eine völlige Neubewertung des handarbeitenden ^Menschen erwarten lassen. Wenn der Lohn nicht nur das nackte Leben garat tiert, sondern die Basis ist für ein menschenwürdiges Dasein im weitesten dann, wird die Möglichkeit, gegeben sein, eine B« rufsumschichtung der Juden ganzen Umfang nicht nur ökonomisch für erhalten, sondern* freudig zu bejahen. eine gesunde jüdische Bejungen Juden, die aus dem oder aus besonderer Verndarbeitenden Berufen xu* zu im forderlich Schon jetzt aber sollt^ rufsberatung all jenen Zwang der Situation anlagung heraus sich hi.: wenden wollen, den Weg der besten und aussichtsreichsten Berufe ei mögliche Fachausbildung : pffnen und für eine höchst« Sorge tragen. ~ 201 — i