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Der Orden Bne Briss · 1930-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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konnte nicht lesen und schreiben. Gesätweige konnten seine Generäle es. Er wußte auch nichts von Finanzgeschäften und sprach keine fremde Sprache. Darum hielt er sich Juden, Hofjuden und solche fungierten als Bankiers, Unterhändler, Gesandtschaftsführer. Und in den Städten organisierten sie den Handel und schafften Kapitalien für den Aufbau der Wirtschaft und lehrten »verdienen« und verdienten selbst und so genossen sie uftis Jahr 800 und 1000 in Deutschland überall Freiheit und Privileg. Und als später die Kunst der Regierens 'niederging auf Herzoge, Bischöfe, ‘ Städte, da hielt man sich überall begabte Juden als »pur kaiserlichen Kammer gehörig«, als des »Allergnädigsten und Durchlauchtigsten Fürsten X und y getreueste privilegierte Hof- und Schutzjuden«. Das' geht die ganze Geschichte durch bis zu Bismarck, der sich »seinen« Bleichröder hielt und bis zum Aufstieg der Arbeiterklasse im 19. Jahrhundert. Marx schreibt gut und Lassalle spricht gut und Singer druckt gut Und so rief Casimir die Jyden ijadi Polen und wurden die ehemaligen Deutsdi» juden nun Ostjuden und so bot England den Juden Uganda ah und so riet sie Amerika, solange es leer war, und so Südafrika, solange man weiße Arbeiter brauchte, und so bietet man heute den Juden bald Oedland in Peru, bald Urwald in Sibirien oder den steinigen Boden in Palästina an und die Regierung bestimmt nach dem Wirtschaftsindex die Quote des Judenimports genau wie die des Gefrierfleisches. Wieviele Juden haben wir, wieviele Juden brauchen wir — stop! Einwanderungsgesetz. 2. Akt. Wie in einer guten Tragödie nimmt der erste Akt einen froh bewegten Aufschwung. Im Zuschauer wird die Illusion erweckt, als gehe der Jdeld dem schönsten Glück entgegen, damit der Spätere Fall umso mitleiderregender empfunden jwird. Zwischen dem 1. und 2. Akt liegen je nach dem Tempo der Handlung 50, 100, 300 Jahre. Länger hält der friedliche Zustand des Schauspielbeginnes" niemals an. In Amerika war,, wie auf allen Gebieten so auch auf diesem, das Tempo neuzeitlich schnell. Dort erlebte man in einem Jahrhundert die Bestätigung der Menschenrechte. ». . . alle Menschen gleich geschaffen, vom Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt, als da sind: . . .« und die Anbringung von Schildern: »Neger, Juden und Tuberkulöse sind hier unerwünscht«. Der Gang der Entwicklung ist überall derselbe. Zwischen dem ersten und zweiten Akt sind die Eingeborenen reif geworden. Sie haben gelernt ihr Land und seine Güter selbst zu verwalten.1 Mit Mißvergnügen sehen sie die »nicht*eingeborenen« Juden in dem Reichtum, derf sie -f wie es im politische^ Jargon so schön h eißt H auf Kosten des Landes erworben. Argwöhnisch blicken sie auf diese i» fremde«, geheimnisvc H unte r sich zusammenhängende, in einer ihnein u iverständlichen Sprache zu einem ihnen unbekannten Gjott, dem »Gott der Rache«, betende M< nscheägruppe. Wozu dem i Juden »Zins« geben für , die Vermittlung des Geldes, des Viehes, des Getreides, des Kleides? Ihm, der sich gewöhnlich nun auch noth hoffärtig gebärdet, der wie der. »Juq üjüßc sechsspännig ln der Staats-Karosse über dun Marktplatz fährt und 1dessen Frau sich ins schwarze Haar :in Diadem steddt, wie es sonst nur noch cjie Prinzessin des Landes besitzt. Mit der v irtsdnaftlidien 'Entwicklung! steigen die Lebensansprüche der -Massen, steigen die Löhne und epfb'ennt1 jener Virtsdiaftskamjjf, der ebenso den Untergärig der' Antike wie den]Ausgang des absolutistischen Mittelalters in Europa d. h. die europäische Jetztzeii beherrscht. Das »Volk« wird unzufrieden, die harschenden Klapsen brauchen, dieseo Groll von sich, dem wahren Zie e, abzuleiten, ein iOp ’er — wiej wunderbar, eine wahre Fügung, u n s ist der JucJe unbequem als! Konkurrent, sie wollen rauben, plündern, tob^n: Was wollt Ihr von uns?. Dpr, »heimliche Herrscher« im Lande ist der Jude! Und nud beginnt der Zwei - Frontenkriegi gegen den Judjen, von oben, von Ade , Militäf, Agrar-Besitz, und heute auch zum ersten MaleV der Industrie, voiji unten, dem Volk, das wie der rasende See seih Opfer haben will. i j 3. Akt. Die Emanzipation, »wk stefien«, d. h. die Emanzipation von Schauspiel kann dramatish enden | (Mittelalter). Dann lohen Scheiterhaufen, auf denen Juden im Feuer der Torarollenj vei brennen, qder aus den Rauchschwaden der brennenden Synagoge - tönt als . ergreifendes Finale das Schn a Jisroel der Zusammen- '■ gepferchten, während draulen die »Anderen« das Tndeum singen, odeij Kosaken jagien über die Bühne und unter den Peitsc lenschlägeti der Nagaika huschen die schwarzen Gestalten der Kaftanträger. gejduckt zwischen den Ku iissen und fallen, fallen, bi£ der Boden sich mit einem schwapz^n Leichentuch vpn Leibern bedeckt hat. C der — zivilisiertes Milieu —f das Drama endet wie ein Ibsensdies Schauspiel mit einem Fragezeichen. Volks Versammlung. Ein Redner hat über die »100"/„igen« und die »Bindestifich-Amerikaner« gesprochen und etwas von eitler Monroe Diktion gesagt und unter dem Absingen der Nationalhymne wird ein Sternenbanner enthüllt. sie sie ver- Juden. Das 193

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