Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1930-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6727475-6029149-6074835--2470-4869061
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

von 20 Milliarden Mark Börse, mindestens Börsenkurses im -verteilt worden. auf dem Wege über die aber mit Hilfe des In- und Ausland, Vor allem war nach der Inflation die Hilfe des Auslandes zum Aufbau der deutsdien Wirtschaft notwendig, und die einfachste Form der Heranziehung ausländischen Kapitals nach Deutschland bot der Börsenmarkt der Pfandbriefe. Jeder vom Ausland angekaufte deutsche Pfandbrief stellt eine Beteiligung des Auslands an der deutschen Wirtsd aft dar. Bedenkt man, welchen Zweck die au diese Weise am Kapitalmarkt umgesetzten 20 Milliarden Mark zu erfüllen haben, daß sie der Anlage-der Spark a's s enge 1 d e r, der Versicherungsreserven,, der Versorgung her Industrie, des Haus - und Grundbesitzes, der Landwirtschaft mit Hypothekar.kredit zu dienen haben, so ist sd nell zu erkennen, wie hoch auch heute noch?die d irchaus seriöse und keineswegs spekulative Bedeut jng der Börse als I n s t r u» ment derVolkstnd Welt Wirtschaft einzuschätzen ist. In gc wissem Umfange trägt auch die Regierung, die gri ndsätzfich, ganz gleich auf Grund welcher Parteien constellation sie gebildet ist, nicht allzu viel für die Börse übrig hat, dem Rechnung, indem sie bestrebt ist,;iuf dem Wege über die Gesetzgebung und die staatliche Aufsicht ein reguläres Börsengeschäft zu enröglichen. Wenn z B. die Regierung bestrebt ist, d urdi ein neues Aktienrecht die in den letz en Jahrzehnten im deutschen Aktienwesen eingerissenen Mißstände zu mildern, so geschieht das nicht £ us Sympathie für die Börse an sich, sondern aus der klaren Erkenntnis der volkswirtschaftlichen W chtigkelt der Börseninstitutiön, aus dem Zwanj zur Erhaltung eines gut funktionierenden Kapit dmarktes und im Hinblick auf die guten Steuereir nahmen aus dem Effektengeschäft. Ferner beschafft sich ja das Reich, der Sraat oder die Konmune nicht zuletzt auf dem Wege über die Börse die notwendigen Geldmittel, und aus c iesem Grunde kann sogar die s o z i a 1 i s t i s ch e Weltanschauung nicht, wie es an sich naheliegen würde, die Institution der Börse negieien. Selbsj. das kommunistische S o w j e : r u ß 1 a n d hat eine Art Börsenverkehr in der Hauptsache allerdings für Valuten und sowjetrussische Stäatspapiere eingerichtet, und man w rd mit Interesse der wei* teren Entwicklung diese ■ Sowjetinstitution entgegen* sehen können ' I Zuletzt ein Wort über die Beteiligung des Judentums :n der Börse. Es braucht kaum gesagt zu werten, daß die Juden, die ja beinahe als die »Erfinder lies Banl cgeschäfts und des Geldwesens« schon seit ^der Antike anzusehen sind, auch eine führende Rolle beim Aufbau und bei der Entwicklung des Börsengeschäfts gehabt haben. Historisch geworden ist in diesem Zusammenhang der Name der Rothschilds in Frankfurt a. Main, aus deren Schoß die Häuser Rothschild in allen Hauptstädten Europas, ferter die Firmen S. Bleichröder und Meindels > o h n 'S) Cd. in Berlin hervorgegangen sind. Im engeren Kreis der Börse, vor allem auch! innerhalb»-der Makler»- schafr, über wog in den Anfangszeiten der Börse das jüdische Element. So ist z. II ein Berliner amtlicher Kurszettel vom 9. August 1805 , unterschrieben mit folgenden Namen J. Ehrhart, El kan, Flesch, E. D. Cohn, L. P. Philippe, Sal. J. Moser, Spieß, Gumpertz, ßeer, Möring, J. S. Weiß. Weiter haben in der Entwicklung des deutschen Bank- und Börsen» wesens Namen wie David Schickler, Abraham Oppenheim, A. Levy (heute Jdagen), Komm.-Rat Wilhelm Beer <um 1848 führendes Mitglied der Berliner Bankwelt), Oppen» h e i‘m 'S), Warschau ejr (später Rdftert Warschauer 'S) Cd.}, Speyer und eine Unzahl von ^Maklern zu allen Zeiten im deutschen und internationalen Börsenleben eine führendi: Rolle gespielt. Mit der Errichtung der deutschen Großbanken wurde allerdings der jüdische Eirfluß im Bank» und Börsen wesen zusehends kleiner. Die Entwicklung der G r o ß i n d ü s t r i e mit Hilfe der -Banken brachte es mit sich, daß mehr und mehr der in Rheinland-Westfalen entstel enden Schwerindustrie nahestehende Persönlichkeiten in die Leitung der Großbanken berufen wurdjn. Persönlichkeiten wie Kirdorf, Thyssen, Klöckner, Haniel, Stinnes, Stumm, Krupp psw. traten in die Aufsichtsräte der Großbanken in führender Position ein, und es ist selbstverständlich, daß aus desem Kreis wiederum solche Persönlichkeiten in den Vorstand delegiert wurden, die aus <|dem gleichen Milieu stammten. Nam»n wie Koch, fiaRsemann,, Helfferich u. a. traten an sichtbarer Stelle in gleichwertige Konkurrenz mit Iden Namen W a s s e rmann, Fürsten b erg, alomonsohn, Mendelsso hn,Bleichöd er und Nathan. Mit. dem zunehmenden ^Einfluß der Schwerindustrie auf lie Bank- und Börsen weit setzte sich diese Entwicklung immer Leiter fort, und es ist ja wohl bekannt, 'daß in jder gesamten deutschen Schwerindustrie nicht ejne einzige jüdische Persönlichkeit eine führende Rolle spielt. Sogar bei der Delegation üdischer Bankleiter in die Aufsichtsräte der sch leerindustriellen P — 186 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.