Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
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der Börse s,eit Jahrzehnten auf das schärfste bekämpft haben. Dabei soll nicht verschwiegen werden, daß es in der Börsen gesch ichte immer Zeiten gegeben har, in denen die Spekulationswut ein ungesundes Ausmaß angenommen hat, das ganze Völker zu einep gefährlichen Auffassung von geschäftlicher Moral geführt hat. Aber « uch dann lagen meistens volkswirtschaftliche Motive ^zugrunde, wie z. B. in der großen deutschen Infl, ition, in der das ganze Volk bis zum kleinsten Anj estellten, bis zum Hauspersonal »Effektenspekulati m« betrieben hat. Der wirkliche Grynd für diese bedauernswerte Erscheinung war nicht die Sucht nach dem Spiel, sondern das Bestreben jede s einzelnen, dem Zerfall des Vermögens oder EinUommens durch Erwerb von »Sachwerten«, von denen Effekten am leichtesten zu erlangen waren, zu beg tgnen. Mit einer reinen Spekulationswelle hatte mau es dagegen wahrscheinlich bei der Ueberspekulation an der NewYorker Börse in den Jahren 1927 bis 1929 zu tun, denn b sher läßt sich noch nicht bestehende Geldübeifluß u einer überhitzten Aufführen m'ußtezu den eigentlichen und Funktionen der Börse. / übersehen, ob der damals in LI. S- A. zwangsweise : kaufstendenz für Effekten . Kommen wir zurück natürlichen wirtschaftlichen Soweit die Börse als Warenmarkt gemeint ist; dürfte ihre wirtsdiafrlicie Notwendigkeit außer halb jeder Diskussion sjehen. Ganz selbstverständlich ist es, daß diese Tatsache schon in den ersten Anfängen aller Wirtschaft bekannt war, denn der sogenannte »Markt«, auf dem die Landbevölkerung in den Städten ihre Waren anbot, stellt ja nichts weiter als den ersten Anfang des Börsenw^sens dar. Man erkannte schon im alten Aegypten, daß die Konzentration der Warenvermittlung einerseits den Käufer davor schützte/ übermäßig hohe Preise tu bezahlen, andererseits den Verkäufer davek, mangels einer ausreichenden Käuferschicht d e Ware an den quasi in Monopolstellung befindlichen Einzelkäufer zu verschleudern. Wie sehr dss Wesen des Marktes oder der Börse dem m türlichen kaufmännischen Empfinden der Menschheit entspricht, ist u. a. daraus zu ersehen, daß d e alten Aegypter keine wesentlich anderen Methoden mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mi teln einschlugen, als man sie noch heute anwendet Die Pharaonen besaßen bereits staatliche Clearirg-lnstitute in Form von Getreidehäusern, in dem:p jeder Bauer sein Getreide abliefern konnte. Auf dem Markt verkaufte er dann »Cif Lagerhaus«, ebenso wie man heute Getreide »Cif Hamburg« handelt, man schaffte also bereits einheitliche Liefen ingsbedingungen. Auf die eingfelagerten <Getreidemengen wurden, wie aus ’ alten Papyrussen hervorgeht, sogar »Schecks« in Form von Auslieferungsanweisungen ausgestellt, die man in Zahlung gab. Bis heute hat sich dieses den Ur|Völkern schon geläufige System in seiner Grundtendenz nicht verändert, lediglich die Mittel und Wege (sind im Laufe der Entwicklung der Menschheit andcjre geworden. Die! wirtschaftliche Bedeutung der Warenbörsen liegt) darin, daß alle zur Verfügung stehenden Warenmengen an bestimmten Börsenplätzen zum Angebot, gebracht werden, so daß die Käuferschicht genügend Gelegenheit zur Auswahl aer ihr passenden) Ware hat, dem Verkäufer andererseits die Masse der Käufer an einem Konzeintrationspunkt entwederj direkt oder durch Vermittler zur Verfügung steht. Da ein Börsenplatz mit dem anderen, yor allem seit Bestehen des Telegraphen und des Telephonl, aufs engste Zusammenhänge ergibt sich als Konzentrat aller Börsenpreise der Weltmarktpreis, der von Natur aus zu einer Vereinheitlichung des Preises jedes Produkts in der ganzen Welt führen müßte. Nur staatliche Eingriffe durch Zollgesetzgebung, ferner Frachten, Versicherungsgeblühren usw. schaffen eine Abweichung der Preise an jden einzelnen Plätzen, die aber eine mathematisch zu berechnende Preisdifferenz ergeben. Audi der »Terminhandel« in Waren hat seine volkswirtschaftliche Funktion zu erfüllen und kann nicht als Spekulationsbasis für Spieler angesehen werden. Durch den Handel von Waren »auf Zeit« wird es den Produzenten ermöglicht, die Produktion eines langen Zeitraums, etwa die von Getreide, von Metallen, von Baumwolle, Oel usw. auf Basis gegenwärtiger Preise abzustoßen und über die entsprechenden Eingänge frühzeitig zu disponieren. Der Käufer wiederum genießt den gleichen volkswirtschaftlich bedeutenden Vorteil der Disposition auf lange Sicht, dessen er dringend dann bedarf, wenn, er seinerseits für die Verarbeitung von Rohstoffen, wie es ja in der Textilindustrie üblich ist, Aqfträge auszuführen hat, die sich auf einen langen Zeitraum, meistens auf den einer bestimmten »Saison«, erstrecken. Weniger klar als die volkswirtschaftliche Funktion der Warenbörse ist die der Effektenbörse. Die geschichtliche Entstehung dieser Institution liegt nicht soweit zurück, wie die des.' Warenmarktes. Die Uranfänge der »Fondsbörsen« wjrd man am besten auf den gleichen Umstand zurückführen, durch den die Banken ins Leben getreten sind. Bank, italienisch »banco«, war die auf dem Marktplajtz aufgestellte Bank eines Geldwechslers, der den aus den verschiedenen Ländern r 176