Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 9 - September
- Date
- 1930-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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Ende <ler Philosophie (Titel: Am Ende der die Philosophie letzten kophie es als das Ideal firklidikeit zu erkennen zu finden in der Lage Bücherschau. Ludwig Freund: Ajn Ein kritisches Wort an die Zeit und ihirc Philosophen. Verlag Ernst Reinhardt. Mönchen, 1920. Mit dem etwas anspruchsvollen Philosophie will Freund sagen, daß Endes1 ein Paradoxon ist, da die Philb der. Wahrheit aufstellt, dio absolute V und doch auch sie nur die Wahrheit! ist, die innerhalb menschlicher Maßstabe verbleibt, also nur für uns gilt. »Da sie Iaber absolut kritisch ist, wird sie damit! nie zufrieden sein wollen und dürfen, wird sie »möglichst^ skeptisch bleiben müssen. Der Zweifel ist der Auskfang der Philosophie, ihr verzweifeltes Ultra non posse « <S 69> | ■ Von diesem absoluten Wahrheitshegriff aus lehnt Freund insbesondere den Rationalismus des (Neukantianismus ab, der anstelle der absoluten Wahrheit den Beg(ifF der konstruktiven) Erkenntnis setzt) Aber auch die Phänomenologie Weibk für F. mit der Subjektivität der Evidenz und der Intujtion belastet, schließt)den Wahrheitsbegriffin die Grenzen menschlicher Erkenntnis ein. Zur! Subjektivität dW Erkenntniskriterien kommt die Unausscfiöpfbarkeit der Wirklich-f, keitj um sowohl von seiten des Subjekts wie des Objekts! die! Erkenntnis als ungewiß und unvollständig zu erweisen. Wenn Wissenschaft W irklichkcits erkenntnis sein will, so ist sie nicht imstande zu erweisen,'daß sie ihr Ziel zu erreichen in der Lage |st. Denn wissenschaftliches Denken ist [an begriffliche Abstraktionen gebunden, erfolgt in Definitionen, die nie ihren Gegenstand jvoll auszuschöpfen vermögen. Demnach ist Philosophie »die Kunst des Denkens unter einem Maximum von Zweifel problematischen Urteilen) und einem Minimum von rein konstruierten Behauptungen <streng apodiktischen Urteilen)«. <|. 78.) 1 Noch problematischer aber ist die philosophische Erkenntnis außerwissenschafltlicher Lebensgebiete. Sobald die Aesthetik sich der Erklärung des Begriffs des Schönen zuwendet, gerät sie in Widersprüche und Gegensätze. Die Ethik vermag nicht zuj erweisen, daß die von ihr bestimmten Ziele des menschlichen Lebens wirklich das objektive Ziel menschlicher Entwicklung oder der Sinn menschlichen Daseins sind. Sobald eine Moral b e w i e s e n.werden soll, haften ihr all die Lücken und Mängel des Begriffs, der Definition und der Thcbrie an. Demzufolge können objekmit Sicherheit nicht getroffen werden, widerstrebende Wertschätzungen der tive Wertbestimmungen und sind subjektive, oft letzte Maßstab des Et tisierens. Schönheit, Gerechtigkeit, Schaft in feste Formen Philosophie den Versud Und zu diesem Zwecke und Ich, Seele, Gott, Ehriichkei, Haß und Liebe, Tugend und Scham, Leben und Tod sind legriffe. die keine Wissenprägen I ann. Und doch muß die machen, sich ihrer zu bemächtigen., schuf sie die Disziplinen der Ethik, der Aesthetik und Metaphysik. | »Diese Disziplinen aber müssen ihrem hauptsächlichsten Inhalte nach leer, nichtsagend und bedeutungslos bleibeti. Denn das Problematische kann keine Lösung finden. Digsc Disziplinen sind im wesentlichen nur Systeme der Fragestellung « I <S. 114.) Nur der künstlerisch e und der religiöse Mensch sind nicht gebunden durch (die alle philosophische Betrachtung vor Erreichung des Ziels iahmlegende kritische Haltung. Sie »erkennen« das Wesen ihres Gegenstandes Aber diese Wesenserkenntnis ist intuitiv, ist Wesensschau^ damit aber aller Wissenschaft fremd, inkon mensurabel. YMan kann Gottesnähe nicht mit dem Versta id vermitteln. Das religiöse Genie wirbt durch die Kraft se nes sprachlichen Ausdrucks, durch die Schönheit und Güte seii er vorgelebten Taten, durch die faszinierende Macht seiner P rsönlichkeit, durch die ehrliche und tiefe Ergriffenheit sei ter Seele bei der Formung überirdisch erhabener, berauschen ler Worte, aus denen Gott selbst zu sprechen scheint. W« das erlebt, wünscht keine Kritik, nur Begeisterung.« <S. lo4.) Wir erlebten eine Ansammlung ständig wachsenden Zweifels am Wert der Wissenschaft und wir erlebten als Folgeerscheinung die Einkehr einer neuen mystisch-romantischen Zeitstimmung. Wäre jetzt zur rechten Zeit der religiöse Geniüs aufgestanden, auf den die gewaltige Mehr1zahl der Menschen wartete, so wäre eine. Erneuerung mystischen und religiösen Lebens erfolgt, deren Umfang und Tiefe gar nidit abgeschätzt werden kann. Die Masse ist weder kritisch noch mystisch begabt. Aber wenn weder die Wissenschaftler noch die Mystiker ihr Vertrauen zd wecken in der Lage sind, weil Beiden f die großen Zeitgestalten fehlten, so ist die naturnotwendige Folge jaus dkm Mißstand, daß die Masse haltlos hin und her schwankt und geistig ziellos geworden, der Sinnenlust und dem Spul nachlagt; <S. 171.) Eine Rettung1 vor dem Untergang; dler Kultur gibt es nur durch die Anfeuerung neuer gei»t ger 1 räfte in der Masse. Eine geistige Befriedigung und ] Linigü ig der Masse aber kann nidtt erfolgen durch Philosop iie> dit'.wfgen ihrer kritischen Einstellung nie etwas Abgeschl >sstne t und Fertiges schafft, sondern nur durch Religion, die der Diskussion'enthoben ist, weil sie nicht' Wissensstoff, | sondern nichts als Glaubensstoff enthält. 1 , Ob die große mystische Tat der Zukunft die Reformation einer der bestehenden Reiigioren oder ob sie «ine völlig neue religiöse Schöpfung darstellt: sie wind ac f jeden - Fall mystischen Charakter tragen', wenn s|e überhaupt kömmt und erfolgreich sein will. Ob eine solche mystische Tat ufts. bevorsteht, ob sie unter den modernen Kulturbedingungen überhaupt entstehen kann, ist die Schicksalsfrage^der abendländischen Zukunft. Ohne den geeinten Kc IturwIUen^.der Masse ist jedenfalls auf die Dauer KuftUr reicht möglich. "“Der problematische Charakter der Wissenschaft läßt Möglidtkeif und Raum für den reinen Glauben (S* 173 ) ■ L In der Freundschen Arbeit liegt ejn scharfsinniger Versuch vor, Wissenschaft und C I a ul b e nj einander gegenüberzustellen. Durch Aufrichtung ei ncs absoluten Wahrheitsideals wird wissenschaftliche Erkenn nis a 's problematisch erwiesen und ohne den relativen Wahrh:it<gr ad .wissenschaftlicher Erkenntnis als alleinig uns mö|;liche Grundlage der Wirklichkeitserkenntnis anzuerkennen, d ent der »Glaubens- Charakter« aller Wissensuiaft als Sprungbrett jn den Irrationalismus künstlerischer und religiöser Weltbetrachturig. Damit bahnt Freund dem-lrrationalismus den WegU ohne selbst.ihn sich zu eigen zu machen. Denn ihn fvürde, »eine Voreingenommenheit, wenn er sie hätte, ehe^ der Philosophie und der kritischen Methode als der Religion j und ihrer 'mystischen Methode verpflichten.« (S. 171.) j Alsdann aber ist die Diskussion nicht mit dem Mystiker, sondern mit dem Kritiker zu führen. Hier nun ist zu betonen, daß nur ein radikaler Skeptizismus den Wirklichkeitsgehalt der Wissenschaft trotz der Differenz erung ihrer Methoden und der komplexen Anwendung ihr:r Methoden zur Erkenntnis der Wirklichkeit in Abrede stelle n kann.' Freund selbst will kein radikaler Skeptiker, sondern ein »Skeptizist mit Vorbehalten« sein. So verbleibt der Philosophie auch nach der Meinung Freunds die Aufgabe, »das Brfahrungswirkliche richtig zu beschreiben und zu [klassifizieren, die Begriffe also gemäß dem Stande und Umfang unseres. Wissens .zu definieren.« <S. 154) j Gewiß bedeutet eine solche Erfalrungserkenntnis keine restlose Aufhellung der Daseinsgrundlfgen der Wirklichkeit, gewiß bleibt wissenschaftliche Erkenntnis e ne Mischung von Definiblem und Indefiriiblem und entspricht Wissenschaft nie dem spinozistisdien Ideal der Wahrheit als der voHkomftmen Übereinstimmung der Erkenntnis mit ihrem. Gegenstand. Und dodh' wird auch Freund für die Objekt ve Beziehung der Wissenschaft auf die Wirklichkeit dasj Wort Pascals gelten lassen: Wir haben gine Ohnmacht itn Beweisen, die kein Dogmatismus überwinden kann, und ane Idee des Wahren, ■ die allen Pyrrhonismus überwindet. 1 Und so wie auf dem Gebiete der ^(firlilichkeit'serkenntnis, wird auch auf dem Gebiete der Wörter!;enntnis der Wert intuitiver Erkenntnis nicht darum in Abrede gestellt werden können, weil sie nicht in demonstrativ^ Erkenntnis überführt wenden kann. Beruht doch alle den ons rative Erkenntnis letztlich auf intuitiver Erkenntnis. Und so mag es sein, daß die Wahrheit der Ethik nicht bewieset werden kann, sie' braucht aber darum nicht der Wahfhei zu entbehren. Vermögen wir unsere Intuitionen nicht zu beweisen, so vermögen wir noch weniger sie aufzugeben. Uid hat nicht selbst der demonstrationsfreudige Spinoza, daran feptgehaltcn( daß die Wahrheit sich selbst enthüllt und den Irrtum f Dann aber haben wir keinen prund, das Liiht der Erkenntnis zu verlassen und uns einem radikalen Skeptizismus in die Arme zu werfen. Alsdann abe bahnt, nicht‘der problematische Charakter der Wissenschaf dem reinen Glauben den Weg, sondern gilt es die großen Lebensmächte Religion und Wissenschaft in der unaufhebh iren Antinomie ihres 157