Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdisch-deutschen Literatur der Gegenwart. Für weitere Kreise wird insbesondere die einleitende Uebersicht über Forschungen zur hellenistischen Literatur von Wert sein. Hier setzt sich' der Verfasser, I. Heinemann-Breslau, mit neueren Versuchen auseinander, Jas Christentum vom Zusammenhang mit seiner Mutterreligion loszulösen und lediglich als organische Fortsetzung der griechischen Kultur aufzufassen. Aber auch Matthias Mieses’“ gelehrte Darstellung des Fortwirkens der biblischen Sodomerzählung in der Weltliteratur und ihrer Umbiegung unter dem Einfluß fremder Sagenmotive darf auf allgemeines Interesse rechnen. Auch unter den besprochene^ Büchern sind viele, die nicht bloß den Gelehrten angehen, so Paul Fiebigs Buch über die Umwelt des Neuen Testamenits und Vorländern Behandlung von Karl Marx. Selma Stern: Jud Süß, ein Beitrag zur Deutschen und Jüdischen Geschichte, Akademie-Verlag 1929 (Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, Historische Sektion, Sechster Band), Preis brosch. M. 7,50, geb. M. 9.—. 1 ■ - Die Gestatt des Jud Söß ist durch den in der gesamten Kulturwelt verbreiteten Rojrian v.n. Lion Feucbtwanger bekannt geworden. Deswegen wird die vorliegende Publikation der Akademie für die Wissenschaft des Judentums auch über den Kreis der Fachnistorikcr hinaus auf sehr großes Interesse Stollen. Nach Durchforschung aller einschlägigen Archive hat die Verfassend, die sich bereits durch frühere Arbeiten einen Namen zu! machen gewußt hat, hier einf Darstellung veröffentlicht, dJe uns in die Zeit des fürstliche! Absolutismus einen tfefen;Eintflick tun Jjißt. Wenn'sie e> auch ablehnt, eine sogenannte Rettung zu schreiben, so wirej doch aus ihrer Arbeit ersichtlich, daß alle die Vorwürfe, die man den sogenannten Hpfjuden' machte, im Grunde Verwürfe sind, die sich gegen ' |tas System des Frühkapitalismus richten. Fast nirgends läßt sich für Jud Süß eine Handlungsweise nachweisen, die tjhn nach den .Gesetzen der Zeit straffällig werden ließ. Er tf-urde das'Opfer des Zusammenstoßes zweier Wirtschafts-Systemedes zu Ende gehenden Agrartfudalismus und der' beginnenden Geldwirtschaft. In sehr feiner Weise 4rbeitet Selma Stern die jüdisch^ Seele heraus, hie zeigt, wi^ dieser Jud $üß zwischen dem Geltungsbedürfnis inrrerhalbj seiner Umwelt und dem Verv ankertsein in der" Welt der| Tradition hin- und herpendelte Zu ihr ist. er kurz vor seine^n Ende .zurückgekehrt. Indem1 wir uns weiteret pingehen auf dieses Werk einer ausführlichen Besprechung id der ^Zeitschrift für "die Geschichte der Juden in Deutschßahd« * Vorbehalten, möchten wir aber auch andieser Stele das Buch auf das ausdrücklichste empfehlen. . > Willy. Cohn* Breslau. Neue Schriften über »Jüdische Kunstdenkmiler«. 1. Erich Toeplitz:- Die Malerei in den Synagoge« Beiträge zur Jüdischen Kulturgeschichte. Heft 111.- Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, die dieses Heft herausgibt, fügt damit! zu ihren bisherigen wertvollen Publikationen eine neue aufschlußreiche Untersuchung, eine Arbeit des rührigen Verwalters des Frankfurter Jüdischen Museums. Hier wird der .Versuch gemacht, ein Gebiet religiöser Kunst im Zusammen hing darzustellen, das bisher nur gelegentlich und vereinzelt befragtet worden ist. Verfasser geht von, den Wandmalereien aus, beschreibt ausführlich d in den Synagogen des Ostens e Malereien in der Synagoge zu Jablonow am Pruth (nach Grotte 1674 entstanden) und zeigt, wie diese Kunstübung nach Frank«n gekommen ist und hier offenbar eine besondere Pflege gefunden hat. . V sn den gewiß einst zahlreich vorhandenen Beispielen sind ncch drei wohl erhalten: Bechhofen bei Ansbach an Ort uid Stelle, Horb bei Bamberg (Jetzt in Bamberg) und Kirchhem bei Würzburg (jetzt in Würzburg). Diese dtei Synagog tn sind in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts ausg :- malt worden, und zwar von demselben Mefster Elieser Su Smann,* einem Kantorssohn aus Brod. Die! Kunstübung als solche stammt offenbar aus dem Osten, auch Wandaufteilui g und Motivenschatz zeigen ähnlichen Charakter, insbesondere * kehrt auch hier die Verbindung von pflanzlichen und tierisch« n Motiven wieder. Freilich vollzieht sich hier eine Wandlusg im Ornamentalen, offenbar unter dem Einfluß der neuen Heimat, in der auch im Volke alte Kuijsttradition lebt:. Verfasser weist m. E. mit Recht auf die verbreiteten Arbeiten von Ornamentstechem des 17. Jahrhunderts!hin, die hier ins Große übertragen werden/ reizvoll und mit!gutem Verständnis sind di( Tier- und Pflanzenfotmen ineinander versehlunger. Zur strengen Stilkritik reichen allerdings die Abbildungen nicht aus, zumal sie nicht alle nach Originalaufnahmen her gestellt sihcL Aber es erscheint mir müßjg, hier in diesen Formen etwa einem spezifisch Jüdischen nachspüren zu wollen, Es mag uns genügen zu wissen, daß zu Anfang des 17. Jahr* hunderts bereits ein jüdischer Meister voft der Umgebung lernt und eine Tradition im Sinne der ^eit weiter führt Und er ist gewiß nicht der einzige gewesen, wie es wohl außer den erhaltenen Stätten ncch weit ijtehr gegeben hat. Was ist nicht alles zugrunde gegangen in jenen Jahrhunderten der Verfolgung? Wir können nur noch Trümmer, nur Reste noch sammeln und wir dürfen dem Verfasser danken, daß er' dies mit Eifer und Verständnis tut. j 2. Rudolf Hallo: Jüdische Kiiltaltertümer aus Edelmetall in der Ausstellung «Religiöse Kunst aus Hessen * und Nassau*. Marburg a. Lahn. Sommer |1928. Notizblatt der Gesellschaft zur Erforschung jüdischen Kunstdenkmäler Nr. 23 und 24.! Verf. schildert in den mit vorzüglichen Abbildungen ausgestatteten Heften eine Anzahl prachtvoller Silberarbeiten, Thoraschmuck und Besomimtürme, aus dem Gebiet von Hessen und Nassau. Thorakronen aus Friedberg und Kassel, Thoraschilde aus denselben Orten, aus Hofgeismar und Eschwege, werden ausführlich beschrieben und in Zusammenhang mit zeitgenössischer Kunstübung und zeitger össisdien Kulturströmurigen gewürdigt. Aufschlußreich ist| das Beispiel der Krone aus d?r Hauptsynagoge in Kassel, deren Vorbild die Totenkrone des Kurfürsten Wilhelm 1. vonk gleichen Meister Kompff 1821 geschaffen worden ist, aufschlußreich die Beziehungen der jüdischen Kultgeräte zu christlichen; das zeigt sich besonders bei dem interessanten Kapitel der Besomimtürme. von denen hier zwei besonders schone Beispiele aus Kassel und Friedberg vorgeführt werden. Hallo zeigt, wie stark die Wechselbeziehung zwischen jüdischen Auftraggebern und christlichen Meistern allezeit gewesen i ist und wie die Formen für den besonderen Zweck die | charakteristischen Abwandlungen erfahren. Später als in anderm kunstgewerblichen Kultgerät, später als im Malen, Illustrieren, Illuminieren, als im Sticken betätigen sich jüdische Meister im Gold- Schmiedehandwerk, aber nach der Emanzipation gegen Mitte des 19. Jahrhundertserscheinen sie auch hier, und so manches Stück aus ihrer Hand ist noch in Kleinstadtsynagogen zu finden.- Es verlohnte sich, diese Entwicklung bis auf unsere Tage zu verfolgen und weiten Kreisen zu zeigen, was 18