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Der Orden Bne Briss · 1929-12-01 · Nr. 12 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 12 - Dezember
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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erhoben werden, ebenso wenig wie gegen die Versuche, in Palästina ein kulturelles jüdisches Zentrum zu schaffen. Törichte Aeußerungen über die Ziele der jüdischen Hinwanderung freilich und die für ihre Durchführung und Sicherung anzuwendenden Methoden haben böses Blut gemacht und der Agitation der arabischen Gegner der Einwanderung willkommene Waffen geliefert. Aber auch die Balfour-Deklaration ist von Anfang an auf heftigen Widerstand gestoßen.'!^ Schon deshalb, weil sich eine europäische Macht damit für die Rechte der Juden in Palästina einsetzte, ohne sich vorher der Zustimmung der einheimischen Bevölkerung versichert zu haben. Der Widerstand war um so erbitterter, als die Erklärung“von der gleichen Regierung ausging, welche die Araber ermutigt hatte, mit den Waffen den Kampf für ihre politische Unabhängigkeit aufzunehmen, welche selber diesen Kampf unterstützt und sich führend an ihm beteiligt hatte. Als dann im Gegensatz zu den den Arabern gemachten Versprechungen große Gebiete des arabischen Orients zu »Mandaten« erklärt würden, hat diese Politik überall in den betroffenen Ländern scharfe Gegnerschaft hervorgerufen und in Mesopotamien wie in1 Syrien ist es zu« schweren Kämpfen und Aufständen gekommen. Heute steht es so, daß in Mesopotamien die Engländer. die Zurückziehung des "Mandats in nahe Aussicht stellen, in Syrien die Franzosen dabei sind, die politischen Rechte der Bevölkerung zu erweitern. In diesen arabischen Mandatsgebieten und darüber hinaus überall dort, wo es einen . arabischen Nationalismus gibt, wird Palästina als Teil Großaratbiens angesehen. Es spricht nichts dafür, daß die arabischen Nationalisten innerhalb und außerhalb Palästinas diese ihre Haltung ändern werden, dagegen alles dafür, daß die Zugeständnisse der Mandatsmächte an die Nachbarländer die politische Lage in Palästina dauernd beeinflussen werden. Der jüdisch-arabische Konflikt könnte daher auch dann nicht als gelöst gelten, wenn es gelänge, einen Teil der Araber Palästinas für die Balfour-Deklaration zu gewinnen/ immerhin wäre die Lage erheblich erleichtert, wenn in Palästina selbst keine arabische Gegnerschaft mehr gegelt die jüdische Einwanderung bestände. Es wird öfters so dargestellt, als ob diese Gegnerschaft lediglich von den Großgrundbesitzern ausginge, es im übrigen aber einen wirklichen Interessengegensatz zwischen jüdischen Einwanderern und Arabern nicht gäbe. Richtig ist daran, daß das feudale System durch die jüdische Einwanderung in den Grundlagen seiner Existenz bedroht ist, aber die Grundbesitzer, welche zum Verkauf ihrer Ländereien bereit sind, erhalten gute Preise und werden finanziell nicht geschädigt, fraglich ist nur, was aus den Pächtern wird, welche infolge des Verkaufes der Güter von ihrer Scholle vertrieben werden. Es wäre aber überhaupt irrtümlich, die arabische Gegnerschaft rein wirtschaftlich zu erklären/ es kann nicht bezweifelt werden, daß allein schon die Schule in steigendem Maße die heranwachsende Generation im Sinne des arabischen Nationalismus beeinflußt, und es ist vorauszusehen, daß in Palästina, wie das in anderen-Ländern des Orients schon heute der Fall ist, die modern gebildete, durchaus rationalistisch eingestellte Schicht die politische Führung in die Hand bekommen wird. Das von den arabischen Nationalisten verbreitete Schlagwort von der von den Zionisten beabsichtigten Vertreibung der Araber aus Palästina verlof an Durchschlagskraft, als es sich zeigte, daß die jüdische Einwanderung nicht den von den Arabern befürchteten Umfang annahm. Die Nachrichten von der Gründung der'Jewish Agency aber und ihre Deutung in dem Sinne, daß nunmehr 'die Juden der ganzen Welt zum Zionismus bekehrt seien, und diesem ungeheure Kapitalien aus Amerika zufließen werden, schienen den noch nicht vergessenen Prophezeiungen recht zu geben. Sicherlich hat die Verbreitung dieser Nachrichten den Drahtziehern der neuerlichen Pogrome die Durchführung ihrer Absichten erleichtert. Es gilt in urteilsfähigen jüdischen Kreisen Palästinas für wenig aussichtsvöll, an Ort und Stelle eine auch nur einstweilige Verständigung mit den Arabern direkt herbeizuführen/ wie es scheint, fehlt es an weitblickenden Führern auf arabischer Seite. Vielleicht aber ist es nicht unmöglich, führende Araber und nicht-arabische Mohammedaner außerhalb Palästinas an der Lösung des jüdisch-arabischen Konflikts zu interessieren und auf diesem Umwege in Palästina selbst einen Umschwung hervorzurufen. Solchen Männern den jüdischen Standpunkt in bezug auf die heiligen Stätten klar zu machen, wird kaum schwierig seim, und im Zusammenhang damit könnte vielleicht der Versuch gewagt werden, ihnen den Sinn der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina näher zu bringen, wenn es auch schwerlich gelingen dürfte, sie für detj Gedanken einer jüdischen Masseneinwanderung zu gewinnen. Jedenfalls ist es mit der Beeinflussung der Weltmefinung nicht getan, wenn nicht die arabische Bevölkerung von Palästina und den Nachbarländern für eine Verständigung mit den Juden zu haben ist. Die Wichtigkeit dieser Verständigung 'ist zwar immer wieder betont, irgend ein ernsthafter Versuch aber zur Lösung der jüdisch-arabischen Frage ist niemals gemacht worden. Und doch sind 242

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