Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 11 - November
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Orden und die brennenden Wirtschaftsfragen. Eine Rundfrage und ihr Ergebnis.' Von Br. Dr. Gustav Löffler» Frankfurt a. M. Wirtsdiaftsfragen, die das Interesse 1 des Mittelstandes und damit insbesondere aucb den Kreis unserer Brüder aufs 'tiefste berühren, sind zum Gegenstand einer Rundfrage gemacht worden. Die Ausführungen von Br. Löffler behandeln das Ergebnis, das die Anfrage in Logen» kreisen erzielt hat Im Spätherbst 1928 erließ die »Arbeitsgemein« Schaft für Wirtschaftsfragen« der- Marc. Horovitz» Loge eine Rundfrage an sämtliche Logen des deutschen Distrikts. Darin war gebeten, zu drei ganz konkreten Fragen Stellung zu nehmen, die, nach weit verbreiteter Auffassung,, bei* der großen Not zahlloser Menschen im Bereiche des Wirt» schaftslebens eine bestimmende Rolle spielen. Die Art der Beantwortung unseres Fragebogens macht es uns zur Bruderpflicht, vor der Gesamtheit des Ordens über das- Ergebnis Rechenschaft abzulegen. Dabei dürfte sich die Notwendigkeit ergeben, einiges Grundsätzliche aus dem Logenleben zu erörtern. Es sei gleich betont, daß wir diese »Aktion« als einen ersten bescheidenen Anfang in einer neuen Richtung betrachten. Denn nicht nur, . weil unter den Notleidenden von heute sich viele Juden finden, und nicht, nur, weil die Katastrophe des Mittel« Standes das Gros der mittelständlerischen Juden mit besonderer Wucht traf, fühlten wir uns als jüdische Menschen und als Bne Briss mit Namen aufgerufen. Uns schmerzte es längst, daß fast überall, wo sich in den letzten Jahren Bekenner der christlichen Weltanschauung trafen, die Sorge um die soziale und wirtschaftliche Spannung ii^ der Masse im Vordergrund der Erörterungen stand, daß aber der jüdische Menschenkreis, der sich mit so gutem Recht seiner sozialen Ethik rühmen kann, nirgends Versuche wagte, aus jüdischer Kraft um die Entspannung -sich zu mühen und vielleicht Wege aus der heutigen Wirrnis z,u finden.^ In unserem gel. Orden aber sahen wir eine ausgewählte Schicht von Menschen aller Berufsstände, aller geistigen Richtungen vereint, die sich zu führerischen Aufgaben draußen im Leben an einander und miteinander bilden könnten. Sie erschienen uns darum im Augenblick als der jüdische Menschenkreis, als eine Art »ständischen Parlaments« im kleinen, dem die Forderung zu präsentieren wäre, jüdische 'Energie an den brennenden Problemen der Jetztzeit zum Heile aller zu bewähren. Bevor wir nun1 ehrlich uns mühen, vom Ergebnis unserer Rundfrage zu berichten, sei in Gehorsam gegen ein Gebot des Herzens noch erwähnt, daß unserer Arbeitsgemeinschaft fruchtbare Anregungen zuströmten und bei der Verschickung des Fragebogens mitbestimmend waren, die dem Feuereifer eines im Bereiche der heutigen Wirtschaftsethik schöpferischen Ordensbruders entsprangen. Die Gedanken des Br. Fritz Springer von der w. Breisgau-Loge waren seit Jahren auf die Entgiftung der Auseinandersetzung zwischen Kapitalismus und Sozialismus gerichtet. Sie sind schmerzlicherweise inzwischen zu einer edlen Hinterlassenschaft geworden. Denn Br. Springer ging kürzlich, nach kurzer Krankheit, von uns. Entschließt sich unser Orden, im Geiste unserer Anregungen weiter zu wirken, so wird er das Vermächtnis von Br Springer, wie er es uns in einer schönen Stunde einmal vortrug, nicht ohne lebhafte Auseinandersetzung, aber auf jeden Fall mit Stolz auf dies Werk der Liebe übernehmen. Auf unser Rundschreiben an sämtliche Logen des deutschen Distrikts und die beiden deutsch» schweizer Logen in Basel und Zürich erhielten wir von 37 Logen Antworten. Man wird diese Zahl und die darin sich bekundende Stärke des Echos auf einen neuen Ruf je nach dem Bilde vom Orden, das man in sich trägt, ungünstig oder günstig bewerten. Der Bruderkreis unserer Arbeitsgemeinschaft ist fürs erste zufrieden, da er in der Sicherheit seines Sdifeitens bestärkt wurde und die Möglichkeit erhielt, in Zukunft wenigstens mir einer Anzahl von Brüderschaften Ansichten zu tauschen. Als Anhänger unbedingter Ehrlichkeit und Gegner billiger Logen - Phraseologie dürfen wir freilich nicht vei hehlen, daß wir zum mindesten eine Zeile der Antwort auf unsern bittenden Anruf von jeder Loge erwarteten. — Von den 37 antwortenden Logen beschränkten sich 14 darauf, uns wissen zu lassen, daß sie nicht in der Lage seien, zu unseren Fragen Stellung zu nehmen, weil sie, wie die beiden Schweizer Logeti in ihrem Bereiche andere wirtschaftliche Voraussetzungen fanden als die, von denen wir ausgingen, weil sie Erörterungen über Wirtschaftsfragen nicht als in den Aufgabenkreis des Ordens fallend erachteten, weil sie den eigenen Bruderkreis nicht als umfassend genug empfanden, um zu einem eigenen Urteil gelangen zu können, oder weil man befürchtete, mit einer;Erörterung dieser Fragen im Kreise der Brüder politisches Gebiet zu betreten, l 206