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Der Orden Bne Briss · 1929-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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In dem vielgerühmten Verdi-Roman Werfejs hat der moderne »jüdische Roman« wohl einen Höhepunkt erreicht. Eine »Iliade def modernen Musik« hat man das Werk genannt: es ist darüber hinaus noch ein Spiegel ncrdisther und südlicher Kultur, germanischer und romanischer Geistigkeit, zugleich ein persönlichstes Künstlerseelenbild. Bei erstaunlicher Fruchtbarkeit wahrt Werfel doch im großen Ganzen die künstlerische Niveauhöhe. Das beweisen die letzten Novellenbände und auch der jüngste Roman »Der Abituriententag«, der eigentlich - mehr wie eine erweiterte .Novelle wirkt. Als Ganzes vielleicht etwas matt, fesselt er doch durch vorzügliche Einzelheiten; — Mit dem jüdischen Problem hat sich Werfel bekanntlich dramatisch in »Paulus unter den Juden« auseinandergesetzt. Judentypen treten auch in den Novellen auf — zumeist mit jener kritischen Liebe gesehen, die auch gegen Grenzen und Schwächen nicht blind ist. — Von dert^Jüngeren hat Arnold Zweig, der sich schon durch die seelisch und stilistisch schmiegsamen »Novellen um Claudia« als Erzähler eineri Namen gemacht hatte, nun mitjder Geschichte vom »Sergeanten Grischa* einen starken und in der Hauptsache berechtigten Erfolg errungen. Jüdische Porträts sind eingestreut,- auch an einem kleinen stilisierten Selbstbildnis. des Autors fehlt es nicht. Jüdisch ist aber vor allem an diesem Werk die mitleidige Einfühlung, die ethische Hochwertung des Einzelmenschen und Einzellebens, deren Wert % . — i ' Enzyklopädien. 1. Jüdisches Lexikon begr. von Georg Herlitz und Dr. Bruno Kirschner Bd. 111. Jüdischer Verlag, Berlin. 2. Encyclopaedia Judaica. ‘Das Judentum in Geschichte und Gegenwart. Bd IV Verlag Eschlcol A. G., Berlin. Unmittelbar nach den ^endelssohn-Feiern, gleichsam als beredtes Zeichen dafür, daß der (Jjeist Mendelssohns tn unserer Mitte noch lebt und befruchtend wirkt, sind die weiteren Bände der jüdischen Lexika ausgegeben worden. Ueber die Bedeutung dieser überaus wertvollen 'Nachschlagewerke sowie über deren Redaktionen .ist in diesen Blättern wiederholt gesprochen worden, so daß wir uns ein weiteres Eingehen nach dieser Richtung hin ersparen können. Nur eine kurze Bemerkung sei hier noch gestattet. Wir Juden in Deutschland, die seit Zunz die Begründer und Förderer der jüdischen Wissenschaft genannt werden, haben es ungemein schmerzlich empfunden, daß wir bis jetzt in deutscher Sprache noch keine jüdische Enzyklopädie besaßen, daß wir nicht in der Lage waren, einen Laien, der sich über die eine oder die andere Materie gründlich und schnell unterrichten wollte, auf ein zuverlässiges und yqtfdksendes Nachschlagewerk hinzuweisen. Was wir besaßen — der Artikel über in diesen brutalen Kriegs- und Massenzeiten ja auf Null gesunken war. Jüdischen przählern ist auch der immerhin beachtliche Wurf des erneuerten historischen Romans gelungen. Für Lion Feuchtwanger, den bekanntesten und bedeutendsten Vertreter dieser Gattung, ist der geschichtliche Stoff zum Glück nur leichtes Gewand eines tief-menschlichen Gehaltes. Nur in diesem Sinne ist überhaupt das Historische für uns noch der Erneuerung und Verlebendigung fähig. Daß der jüdische Stoff naturgemäß den jüdischen Autor besonders anzieht, beweist sein kulturhistorischer Roman »Jud Süß«. Eine starke Leistung in seelischer Durchleuchtung und griffsicherer Darstellung ist auch sein jüngster Roman »Die häßliche Herzogin«. — ^A 1 f r e d N e u m a n n , mehr in den Grenzbezirken von Literatur und Unterhaltung heimisch, verwendet — sicher nicht ohne Talent — das Historische doch mehr als Kostüm. Der seelische Tiefgang der Romane Feuchtwangers .wird nicht erreicht. Seine großen Publikumserfolge itj Roman und Drama sind ja noch in frischer Erinnerung. — Einen jüdischen Stoff hehandeh die nur leicht . ins Historische abgerüdete Novelle »König Haber«, etwas gehäuft in den Sensationen, etwas massiv auf Effekt gearbeitet, aber originell und fesselnd. — Und neben den allbekannten die etwas mehr im Schatten stehenden Erzähler; Efraim Frisch, Julius. Lewin, Ludwig Strauß und all die anderen Juden und jüdische Literatur in der allgemeinen Enzyklopädie von Ersdi und Gruber und dieJteal-Enzyklopädie von Dr. Hamburger— war nidit ausreichend Wir mußten immet auf die amerikanische Jewish Encyclopedia in englischer- Sprache zurüdegreifen, die, weil sie aus dem" Jahre 1901 stammt, auch schon veraltet ist. Wir sind daher den Redaktionen der beiden oben genannten Enzyklopädien zu großem Dank verpflichtet, daß sie den Mut fanden, trotz der gegenwärtigen schweren Zeit, dieses gewaltige Unternehmen in Angriff zu nehmen und durchzuführen. Was die wohlhabende 'deutsche Judenheit vor dem Kriege versäumt hat, holt jetzt die verarmte nach. Und damit fügt die deutsche Judenheit, unterstützt von den wissenschaftlich interessierten Kreisen anderer Länder, die fast alle unsere Schüler und der deutschen Sprache kundig sind, ein neues Ruhmesblatt zu ihrem bisherigen Wirken auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft hinzu. Der dritte Band des »Jüdischen Lexikons«, der die Stichworte »lb—Ma« umfaßt, enthält außer vielen kleineren Beiträgen eine große Zahl umfangreicher Artikel, in denen z. T. zum ersten Male das bisher nur verstreut vorhandene

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