Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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die nichtigste die Vulgata in die lateinis die "Sprache ist, die für die römisch-katholische Kirche noch heute kanonische Geltung hat. Für die biblisne Wissenschaft besteht ihr Wert darin, daß sie uns lehrt, nie der hebräische Text damals besd affen ■war. %. Aber als erster Versuch hatte; sie a jßerordentliche Mängel. Nicht nur ist das Gr ethisch der Septuaginta barbarisch/ sondern, .die Jebersetzer haben sehr oft das Original nicht vers anden und verfuhren mit ihm nicht selten willkürli« h- Die gelehrten Rabbinen waren mit dieser LEbertragung sehr unzufrieden und hielten sie, da sie dem echten Judentum entfremdete, sogar für ein Ung üdc. Daher verfertigte auf ihre Veranlassung ei 1 gewisser Aquila im Beginn des zweiten naihchristlichen Jahrhunderts eine neue Uebersetzung ins Griechische, das er durchaus beherrschte. Sie zeichne e sich durch allerengsten Anschluß an' das hebräisc te Original aus und war Jahrhunderte im Synagogengebrauch. Sie ist uns nur npdi in Bruchstücken erhalten. Ein besseres Los hat die jüdischen Uebersetzungen in das Aramäische getroffen, die sogenannte Targumim, in erster Linie das Ta rg u m O n k e 1 o s zur Thora. Aramäisch, in verschiedenen Dialekten, war die, Sprache der Juden sowohl in der großen Diaspora Babyloniens, wo unser Talmud entstanden ist, als auch in Palästina selbst. In diese Volkssprache wurde die Thora bei den sabbatlichen Vorlesungen durch einen danebenstehenden Uebersetzer, den Meturgeman, Vers für Vers übertragen, und daraus entstand das Targum. Nach seiner Niederschrift wurde es von den folgenden Generationen mit Liebe gepflegt, Und es wurde jedem Juden zur Pflicht gemacht, den Wochenabschnitt zweimal im Urtext und einmal im Targum zu lesen. Mit großer Sorgfalt abgefaßt gibt *das Targum Onkelos die herrschende Auffassung des Bibel Wortes wieder. Wiederum war eine neue Weltma)cht und Weltsprache erstanden, der Islam und das- Arabische, und wiederum standen ihnen die Juden mit aufgeschlossenem Sinne gegenüber. Die Empfänglichkeit war hier wegen der gefühlten Verwandtschaft sogar noch größer, und die Wirkungen waren echter und dauernder als bei der Vermischung mit dem griechischen Wesen. Ein Zeugnis davon ist abermals eine Bibelübersetzung, die des Saadja ben Joseph (892 —942). Als Gaon d, h. der geistige Führer des damaligen Judentums war er der berufenste Mann dazu. Seine Uebersetzung war das arabische Targum/ sie berührt sich mit dem Targum Onkelos auch darin, daß sie bei der Wiedergabe den theologischen Forderungen entsprechend alle Vermenschlichungen von Gott Vermeidet. Hinter der Septuaginta aber steht sie an Wirkung weit zurück. Es war eine Gelehrtenarbeit und brauchte das Original nicht zu ersetzen, da dies selbst seine Herrschaft behauptete. Und es hat sie Während des ganzen Mittelalters bis in das achtzehnte Jahrhundert behalten. Vier Hauptsprachen sind es, die sich im I«,aufe von ^wei Jahrtausenden in das Judentum ergossen haben: die griechische, die aramäische, die arabische und die d e u t s C h e. Die letztere war nicht nur die Muttersprache der in Deutschland lebenden Juden, sondern auch der wegen der Verfolgungen weithin nach den osteuropäischen Ländern vertriebenen und abgewanderten. Eine Bibelübersetzung war es, die sie zur maßgebenden Schriftsprache ausgebildet hatte, die Uebersetzung Luthers. Sie wurde in den folgenden Jahrhunderten die sprachliche Grundlage des deutschen Schrifttums und damit des reichsten Geisteslebens, dem sich die Juden mit einer bisweilen an den Hellenismus gemahnenden Bereitwilligkeit hingaj>en. Ein Zeichen der Anpassung waren auch jetzt jsvieder Bibelübersetzungen von und für Juden. Die Mendelssohhsche ist keineswegs die erste gewesen. Nach Versuchen mit einzelnen .Büchern der Bibel bereits im sechzehnten Jahrhundert erschienen in der zweiten Hälfte des siebzehnten zwei vollständige Bibelübersetzungen, beide in Amsterdam, die eine von I s a a c Blitz, vdie andere von Joseph Sitzen hausen. Sie hatten keine kulturellen Prätensionen, sondern wollten dem gemeinen Manne und besonders der Frauenwelt, die bei der damaligen Art des Jugendunterrichtes keinen Zugang zur Ursprache hatte, das Gotteswort in ihrer Sprache, also in dem damaligen Jüdisch-Deutsch wiedergeben: »in teutscher Sprach, hübsch und bescheidlich, gar kurzweilig darin zu leien Weiber und Kieidlich«. Epochemachend durch ihren Ver» fasser, durch die Zeitlage und durch ihre Eigenart wurdie erst die Uebersetzung der Thora durch Moses Mendelssohn, erschienen 1780. Sie ist cfie erste in reinem Schrift- und Hochdeutsch ihrer Zeit, bestrebt, überall den ungekünstelten Sinn des Originals klar und plan auszudrücken. Mendels» sohn” hatte sie zunächst nur für den Unterricht seine* eigenen Kinder bestimmt, aber er hoffte, damit zugleich 'ein Kufturwerk an seinen Glaubens» brüdern vorzubereiten: ihnen den Sinn für Einfachheit und Wahrheit des Denkens einzuflößen und sie aus der sprachlichen und damit auch geistigen Verwahrlosung o4@r'/Verbildung des Ghettos in die reinere Luft des modernen Lebens hinauszuführen, für welche Arbeit sein eigener Entwicklungsgang das bfeste Beispiel war. Die geistige Emanzipation sollte die Vorbereitung, für. die politische werden. Und wie Mendelssohn der gegebene Mann, so war 174