Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I ■ \r der Krise, vor das Gericht gestellt, sieht/|im Gegensatz zu seinen pointierten, Paradoxen bjot die aus der ganzen Breite eines Volkslebens find in der ganzen Breite einer Nationalliteratur erwachsende jüdische Bibel mit ihrer selbst noch in der Scheidenden und ausscheidenden prophetischen Polejnik lebendigen tiefen Schöpfungsgläubigkeit tragfähjgen Grund für ein Bauen in und an der Welt Die Gebäude konnten, eben wegen jener »breiten« iUrsprünge des Buchs, untereinander' so verschieden, ja^ so entgegengesetzt sein wie eben me verschiedenen Seiten und Aspekte eines nationalen Lebens: Mon- 4 ausgedrückt: daß aus den neutestamentlichen Schriften das kanonische Neue Testament wurde, das schulden Christentum und Neues Testament ihrer Bindung an das Judentum und das Alte Testament. Denn der Rückweg in die noch fortbestehende Schöpfung war nur zu finden, wenn der Gott des Schöpfungskapitels und der, der gesprochen hat durch die Pro- , pheten, der gleiche war, den das Vaterunser an» sprach, und nicht wie die Gnostiker wollten: ein alter, Gott. von dem Gott der neuen Weltzeit abgetaner v Nichts Geringeres als der Zusammenhang mit d :r geschaffenen Welt steht für das Christentum Die Bibel in der bildenden £unst. Murillo: Jakobs Traum. r* au. . i r archisten und Monarchomachen, Kirchen- und Sekten, Päpste und Ketzer konnten, Reaktion und Revolution, Eigentumsrecht und Soziälrefotrr/, Kriegsfrömmigkeit und Pazifisffms können sich' auf es berufen, taten und tun es. - Ungleich wichtiger als alle diese Bezugnahmen und Einflüsse bleibt doch die mittelbare Wirkung durch das Neue Testament hindurch. Entstanden sind ’ ja die neutestamentlichen Schriften zwar als Gegensatz zu der Bibel des Judentums in einer heißen Verdichtung der langatmigen Erlösungshoffnung zu einem kurzfristigen, nämlich auf die »erfüllte Zeit« abgestellten, Erlöstheitsglauben. -Daß das Christentum dann, als »dieses Geschlecht« dahin und »diese Welt« gleichwohl noch nicht vergangen war, fortbestehen konnte,- oder schriftgeschichtlich i (Aus A. Galliner: Bilder zur Bibel.) J \ in dieser theologischen Gleichsetzung, die es im trinitarischen Dogma vollzog, wie in der andern des »Worts«, das »Gott war«, mit dem davididisthen Messias, auf dem Spiel. Es ist kein Zufall, daß eben i in dem Kampf um diese Gleichsetzungen, dem Kampf gegen Marcions »fremden Gott« r~ fremd: nämtjch dem alten Bunde —, die Kirche sich ihren neutestamentlichen Kanon schuf, als ein ebenfalls dreigeteiltes Gegenstück zum alttestamentlichen, den er jedoch nicht verdrängen, sondern ergänzen und i überhöhen sollte. Was, das Christentum in den beiden Jahrtausenden seitdem an Kultur* kraft,j an Kqaft also, sich in die Welt und dadurch die Welt in sich einzuleben .entfaltet hat, verdankt es diesem seinem Kampf um »sein« Altes Teshjnjent. ' t - 172 — i