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Der Orden Bne Briss · 1929-09-01 · Nr. 9 - September · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 9 - September
Date
1929-09-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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i, \, Moses Mendelssohn und Berlin. Von Dr. Frit.z Bamberger - Berlin. Dieser edle Mann ist nicht mehr. Im Anfang dieses Jahres . . . entriß ihn der Tod seinen Freunden, unserer Stadt, den Wissenschaften, der Menschheit\ . ." heißt, es in Biesters Nachruf auf Mendelssohn in der »Berliner Monatsschrift«, und .ein General v. Schölten Schreibt an David Friedländer über den unersetzlichen Verlust, den durch Mendelssohns Tod »die Menschheit, die Wissenschaften,. besonders die spekulative Philosophie und die Moral; den Ihre Nation, den -Berlin, den seine Freunde erlitten haben . ■ •« Man hat kürzlich, anläßlich des Lessing-Jubiläums, Lessings Verhältnis zu Berlin eingehend behandelt, und man hat sich dabei nicht auf den Nachweis des bloß Tatsächlichen, der sozusagen aktenmäßig festzustellenden Beziehungen zu Berlin und zu Berlinern beschränkt, sondern darüber hinaus ver-, sucht, in der geistigen Grundeinstellung Gemeinsames aufzuzeigen,/ das die Wahlverwandt- schaff zwischen Lessing und Berlin erklären soll. Der Begriff des Prote-, \ stantischen hat dabei eine große Rolle gespielt. Es muß schon deshalb interessant sein, die Beziehung Mendelssohns zu Berlin anzusehen, es wird besonders reizvoll sein, weil hier ein Jude zu -Berlin, der protestantischen Stadt also, dieses intime Verhältnis bekommt, ein Verhältnis, das die Stadt selbst viel stärker zu ihm empfand, als sie es Lessing gegenüber ,gttan hat — die Beispiele zu Anfang ließen sich leicht mehren. Die Daten sind bekannt. Moses Mendelssohn, der in Dessau geboren wurde, ist früh 1743 als 14jähriger — nach Berlin* gekommen. Wie er' selbst angibt, um seinerfi Dessauer Lehrer Frankel, der als Oberrabbiner nach Berlin berufen worden war, zu folgen. 111“Berlin ist Mendelssohn 1786 gestorben. Dazwischen liegt die allmähliche Festigung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse, die ihn im Materiellen sicherstellt/ eine’zeitgenössischeBiographie kann die Ueberschrift haben: Moses Mendelssohn, Seidenfabrikant in Berlin,- dazwischen liegt der Erwerbder Schutzrechte, wie sie im besten Falle damals den Juden gegeben wurden,- dazwischen liegt hauptsächlich der Aufstieg; der Mendelssohns Stellung im geistigen Deutschland begründet. Und der ist an Berlin gebunden. . x Medaille. sa Es ist zwar mißlich, von einer historischen Tarsache aus zu konstruieren, wie die Dinge jiushen, wenn es anders gekommen wäre — in unserem Fall, wenn Mendelssohn nicht in Berlin gelebt hätte. Aber immerhin läßt sich sagen: er hätjte auch anderswo sich und eine Familie er* nähren können, und es hätte sich auch sonst ein Fürst gefunden, der ihm ein Privileg gegeben h itte, aber nirgendwo anders als in Berlin hätte ei als Jude damals in Deutschland eine Position im geistigen Leben — und davon weiterwirkend auch in praktischen Dinget) von kulturellem Belang — gewinnen können, wie sie, von ihm zwar nicht ersfebt, ja |oft als lästig empfunden, ihm unbestritten zugc^tarrden wurde. Das Berlin um 1750 war g:wiß protestantisch, aber Halle und eventuell Zjrich | waren es auch. Es genügt . auch nicht zu sagen, daß der Berliner Protestantismus weder schwärmerisch noch orthodox, sondern liberal, also aufgeklärt war. Wesentlich ist, um die Aufnahme Mendelssohns durch die BerlinerGesell- , . schaft zu versteher, daß diese Gesellschaft schon ein Ideal des Bürgers kannte, das sich vom Religiösen emanzipiert hatte, das die loyale Erledigungder »Bürgerpflichten« als selbstverständlich vorausietzte, dann aber seine Wertschätzungen nur von geistiger Leistung und humaner Gesinnung eines h' annes abhängig sein ließ. Die geistig Interessieren in Berlin, die Mendelssohn ohne weiteres in ihren Kreis aufnahmen, waren in ihren Ueberzeugungjn alles andere als einer Meinung: dem König selbst clnd den Philosophen und Literaten um ihn s anden die anderen gegenüber <zu ihnen gehörte dann Mendelssohn), die die vom König protegierte franiösische Art bekämpften. Sie fanden sich a le zur Berliner Gesellschaft zusammen in der gem^ir samen Ueberzeugung vom Wert selbständigen De nkens, in der Schätzung des »Wehweisen« und dessen, der sich seine Grundsätze zu leben von der j Weltweisheit« geben läßt. Es gibt nichts Bezechnenderes dafür als die Art, in der der Marquis d'Argens Friedrich den Großen bittet, Mendelssohn das Schutzprivileg zu geben: es, bittet ein Phi osoph, der ein schlechter Katholik ist, einen Philosophen, der ein schlechter Protestant ist, für einen Philo« 156 -

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