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Der Orden Bne Briss · 1929-09-01 · Nr. 9 - September · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 9 - September
Date
1929-09-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Mendelssohn stand, bis zu diesem Zusammenschluß heute von Tausenden gleichgesinnter Juden in der ganzen Welt, und in der Tat liegen auf diesem Wege zahllose Verschiebungen des geistigen, des politischen und des refigiösen* Lebens der gesamten Menschheit. In Wirklichkeit aber bedeuten zwei Jahrhunderte in der Weltgeschichte ein Nichts, und wir dürfen über diese scheinbar so weite Entfernung hinüber mit unserem Streben und Wollen im Orden Moses 'Mendelssohn selber brüderlich die - Hand drücken. Es ist nicht bloß seine bekannte Maxime von der höchsten Bestimmung des Menschen, die uns als Ordensdevise vorschwebt: »Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun.« Sie enthält nichts spezifisch Jüdisches und verbindet uns darum mit allen Ordensvereinigungen, die ihre Logen unter einem so allgemeinen Ideal zusammenfassen. Wennwir aber, uns ändere seiner Maxime vorführen, so stehen wir sofort mit ihnen auf unserem Ordensbodert: »Der Mensch kann ohne Wohltun nicht, glücklich sein, nicht ohne leidendes, aber ebensowenig ohne tätiges Wohltun« , oder »Es ist unser aller nicht würdig, daß wir öffentlich gegeneinander auftreten« , oder: »Wollet ihr. gehegt, geduldet und von anderen verschont sein, so heger und duldet-''und verschont einander/ liebet, so werdet ihr geliebt werden4. Hier spricht, um eines der modernen Schlagworte ausf unseren Logenkreisen zu gebrauchen, der »jüdische Mensch* zu uns, und es bedarf wahrlich nach dem, was über Moses Mendelssohn angeführt wurde, nicht erst der Betonung, daß hier weder ein Gegensatz zum deutschen Menschen in uns noch zum Menschen überhaupt sich auftut, daß vielmehr, um ein Wort Stein« thals zu gebrauchen, »kein Widerspruch zwischen Judesein und Deutschersein Und Menschsein besteht, der jüdische Deutsche vielmehr zu den besten Deutschen zählen kann und der deutsche Jude zu den besten Juden, und man nenne ihn so oder so, er wird zu den besten Menschen zählen*. Aus dieser dreifachen Umrahmung schaut das Bild Moses Mendelssohns auf uns hernieder, und wir deutschen Juden und wir deutschen Bne Br iss wollen es daraus nicht lösen, vielmehr daran arbeiten, daß es bald auf eine Zeit Herabschauen darf, in der an Stelle aller Unwahrheit und alles Unfriedens, die täglich das Judentum, Deutschland und die ganze Menschheit jedes in ihrer Art l»e« drohen, die Schlußworte seines Jerusalem wirk ich werden, die er unserem Prophetenschriftwort entnommen hatte: Liebet die Wahrheit, liebet den Frieden! Persönliches aus Dessau. Von Br. Expr. D f. Cohn- Dessau. In Erwartung der kommenden Geburtstagsfeierlichkeiten zu Ehren des Andenkens Moses Mendelssohns, des Größten, den die ehrwürdige Gemeinde Dessau je* hervorgebracht -bat, besichtigten wir Mitglieder tfes Vorstandes der Ge meinde jüngst die Stätte seiner Geburt, das kleine Hinterhaus in der Askanischen Straße. Einen traurigen Eindruck erweckte es in seinem bescheidenen Aufbau und mit seiner dürftigen Umwelt. Nach der Straße zu steht ein. Häuschen mit einer Fassade aus den bekannten gelben Ziegeln, wie sie im Ausgang des vorigen Geburtshaus In Dessad (Hofansicht). •— 154 -I Jahrhunderts mit wenig Geschmack so oft verwa ndt wurden. Die Mauern der Nachbarhäuser, die an |den kleinen Hof, auf dem eigentliche Geburtshaus steht, angrenzen, zeigen deutlich Spuren des Verfalles. Das Geburtshaus selbst, ein Fachwerkbau, i dem nur zu bewundern das von ist, daß er noch nach zwei J ihrhunderten sich aufrecht lält, — jedenfalls sichtlich vom Zahne der Zeit stark an» l>genagt. Aber über alle diese zeitlichen Mängel hinweg leuchtete vor unserem geistigen Auge im < Lichte der Ewigkeit das kleine niedrige Zimpier,

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