Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 9 - September
- Date
- 1929-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, September 1929. Nummer 9. 6er (Singetragener herein ... ■ [ ■ i i , (Stjcncr Hetlag Her ©roglogt. gurean:P62, §let(lltrag£l2. tteUpHtrc: &nü 8 5, $arbaro|]o ~ Barfjtmuh JamtltcJier BrttftrI aus liieren BlUfeilunpen 4619. Uo&fdjedilurato: Jerltn 16333 to erboten. Moses Mendelssohn und wir. Von Br. Dr. Max Freuden thal, Nürnberg Die Erinnerung afi bedeutsame Persönlidikeiten der Vergangenheit , zu wecken und ihr Erscheinen in der Menschheit als Ereignis besonderer Art feierlich zu begehen,^ hat nur dann einen Sinn, wenn wir selber uns mit .ihnen noch auf irgend eine Weise innerlich und äußerlich verbunden fühlen. Es ist anders, [ als wenn historische Ereignisse, geschichtliche Vorgänge im Leben der Nationen der Nachwelt ins Gedächtnis gerufen und festlich beachtet wjerden sollen. Mögen sie zu ihrer Zeit noch so große Wirkungen hervorgebracht haben, die mpn übrigens in ihrer tatsächlichen Auswirkung Immer erst viel später, oft 'erst nach langen Periodeß geschichtlicher Entwicklung zu erkennen vermag, sb stehen wir Späteren gefühlsmäßig ihnen doch irecht gleichgiltig gegenüber, sie berühren uns innerlich wenig. Wir sind vollkommen befriedigt von ider klaren und verständigen Erkenntnis der damaligen Verhältnisse, irgend ein seelischer Unterton sdiVingt kaum dabei mit/ die, Dinge gehen uns nidijts mehr an, es fehlen die persönlichen Beziehungen. Wir wissen wohl: Zusammenhänge sind da, sind groß, weitgreifend, von universeller Bedeutung, t und wir sind sicherlich auch mit unserem Geschick | darin einbegriffen, werden jedoch nicht weiter dalvon berührt. Von Menschen aber, die wir (verehren und feiern Wollen, muß etwas Persönliches zu uns herüberschwingen,’ unsere Seele will' davon berührt, unsere Haltung davon beeinflußt werden. Der zeitliche Zwischenraum, ffer uns von jenen trennt, muß verschwinden, selbst Jahrtausende und wenn er’Jahrhunderte, (ja umfassen würde/ wir wollen gangentn Menschen uns ur d mit uns s o h n in Desk ge zu anläßlich au vor 2<j vinnen, ist / die persönliche Berührung, wir wollen jene verso! fassen, als - ob sie unter lebten, und es gilt auch nier wieder, daß die Späterem, selbst nach langen Epochen, meist viel besser als die Zeitgeno; sen begreifen, was jene (bedeuteten, wollten und wirkten. Mft der Gestalt eines Moses Mendelss Gedenkens an seine Gepurr 0 Jahren solch innere Fühlung viel leichter möglich als mit änderet geschichtlichen Größen. *Denn er hat auch Zeit viel mehr durch seine Ferch k e i t Jals durch seine Lehren geuirkt, umd vo die Wirkung der letzteren ersichtlich wird, war sie stets untrennbar mit dem Zauber seiner Persot verknüpft Was das Erstaunen der damaligen Welt so über die Maßen hervorrief, war die T itsache, daß hier ein j J u d e zum erster Mal ein KJulturmensch war, wie man ihn >isher schon s ö n I noch jnie geahn gebildete Welt hatte, ein Jude, den die janze als zu sidc gehörig, als einen der Ihrige l ’ anerken ien mußte und tatsächlich anerkamte, ein Jude der Ijlmwelt, nicht melr des Ghetio, ein Europäer, k|ein Orientale, ein Einheimi scher, kein Fremder, einer, .der die g eichen Gedenken dachie, die gleiche Sprache redet :, ,die gleichen Empfindungen äußerte, die gleidien verkündete, d|e gleichen geistigen Ziele Stret ungen bek inntg. Dieser Mahn war zi nächst Ideale und — 149 —