Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 7/8 - Juli/August
- Date
- 1929-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Es ist an uns, den Gedanken des Friedens in seiner Geistigkeit zu verbreiten. * Der Aufruf des jüdischen Friedensbundes darf ohne .Zweifei auf die gedankliche Zustimmung aller Kräfte, des Judentums rechnen. Soll sich aber jüdische Gemeinschaft den anderen Konfessionen wirksam anreihen, so muß die Mitgliedschaft des jüdischen Frieden sb u n d e s auch eine angemessene sein, die vor dem prüfenden Blick der anderen bestehen kann. Die Stoßkraft des Gedankens muß auch von unserer Seite gegeben sein. Pflilht und Ehre gebieten die U n t e r - Stützung der neuen Gründung. Der Mindestbeitrag von RM. 2.—' jährlich ermöglicht weitestgehende Mitwirkung. , * . < Im Herbst soll der Gedanke der Verbundenheit aller wahrhaft religiösen Bestrebungen für -den Frieden von jüdischer Seite aus in die Oeffentlichkeit getragen werden. Es ist geplant, zunächst eineVersammlungallerjüdischenFrauen- Organisationen abzuhalten. Interesse und Teilnahme im Bruderkreise wird — wie zu hoffen ist — nicht fehlen. Es darf gewiß auf stärkste Unterstützung gerechnet werden. Von den Kanzeln wird der Appell des Bundes verstärkt werden. Die Jugend wird aufgerufen werden, sich dem Oedanken zu widmen. Die Jugendkalender werden von ihm Notiz nehmen. Möge der große Oedanke ein starkes Geschlecht finden! A. Gdt. lOrdenssekretäivBnjDr^orisJD^o^enJ Vor, unserem hoch'w. Ordenspräsidenten erhalten wir auf telegraphischem Wege die betrübende Nachricht vom plötzlichen Hinscheiden unseres Br. Bogen. Der Heimgang des Frühvollendeten bedeutet einen schweren Verlust, nicnt nur für unseren Orden, sondern auch für die Wohlfahrtsarbeit der amerikanischen Judenheit und für die Tausende und Abertausende ' Glaubensbrüder im Osten, denen seine hingebende J.ieb4 und sein rastloses Wirken gewidmet war.; Br. Bogen war ein Mann von stark sozialem Empfinden, von liebreichem Herzen für die Dürftigen und Entrechteten, deren Not er schon in seiner frühesten Jugend kennengelernt; dis wurde für ihn später bestimmend, sich der sozialen Arbeit ganz zuzuwenden, in der er Mustergültiges leistete und sich Anerkennung als Autorität erwärb. In Moskau im Jahre 1869 geboren, war er Zeu^e der Pogrome, die auf die Ermordung Kaiser Alexander 11. folgten. Die einsetzenden Judenverfolgungen und die wachsenden - Einschränkungen sowie die Vertreibungen der Juden aus Moskau im Jahre 1890 boten dem jungen Bogen Gelegenheit, sich sozial zu betätigen, den Opfern der Unduldsamkeit und Ungerechtigkeit Hilfe zu bringen. Nachdem die große Mehrzahl der Juden Moskau verlassen hatte, entschloß sich auch ßogen, nach Amerika auszuwandern. Auf seiner Reise und-während der ersten Monate seines Aufenthaltes in Amerika hatte er das Emigrantenschicksal zur Genüge durchgekostet. Nach seiner Promotion an der Universität war er in der Baron Hirsch-Handelsschule und dann am Hebräischen Technischen Institut als Lehrer tätig, wo er noch Zeit fand, sich mit dem Leben der armen ostjüdischen Zentren zu beschäftigen. . Bald darauf wurde ihm die Leitung der Baron Hirsch-Land wirtschaftsschule in Woedbine übertragen. Vom Jahre 1904 bis 1912 bekleidete er das Amt -eines Oberverwalters bei dem „Verein jüdischer Armenfürsorge“ in Cincinnati und dann drei Jahre die eines General-Sekretärs der Landeskonferenz der jüdischen Wohlfahrt. Zu Beginn des Krieges ging er als Kommissar des Hilfswerke* des Joint Distribution.Committee nach Holland und wurde späte*- Leiter des Joint Hilfswerkes in Polen, Rußland und. in anderen Ländern. Nach Beendigung des Krieges bis zum Jahre 1923 war er Direktor des Hilfswerkes des Joint in Rußland und später Leiter der jüdischen Wohlfahrtsorganisation in Los Angeles. Im Jahre 1925 folgte er dem Rufe unseres ßr. Ordenspräsidenten und übernahm das Amt eines Ordenssekretärs. Diese Berufung betrachtete Br. Bogen als besondere Auszeichnung. In dem Orden B’nai B’rith _ - mit seiner demokratischen Struktur, mit seiner stets wachsenden Mitgliedschaft aus allen 'Parteien und Richtungen unserer Glaubensgemeinschaft sah er die Organisation, . die ohne irgendwelche Bindungen und Handlungen sozial zu arbeiten und für die Einheit des Judentums zu wirken berufen ist. In Treue stand er dem Br. Ordenspräsidenten zur Seite und bemühte sich, mit den außeramerikanischen Distrikten in engere i Fühlung zu kommen. Mit besonderer Genugtuung begrüßte er* den Beschluß unseres General-Komitees, betreffend das „jüdische Buch“ und hoffte, die Verwirk- ( iichung dieser Anregung unseres Br. Großpräsidenten! auch in den amerikanischen Distrikten durchsetzen zu können. Auf einem vor mehreren Monaten in - Denver abgehaltenen Verbandstag der Jugendvereinigungen „Aleph Zadik Aleph“ erklärte Br. Bogen das jüdische Erziehungsproblem als das Wichtigste im amerikanischen Judentum. Aber — so fuhr er fort — nicht bloß die heranwachsende Jugend, sondern vor allem die Erwachsenen selbst sollten wieder lernen, Juden zu sein, jüdische Bräuche zu üben und über jüdische Geschichte und jüdische Oottesdienste Bescheid zu wissen. Mit Begeisterung trat Bogen in seiner Ansprache für die Erhaltung der hebräischen Qebetsprache ein, indem er sagte: „die Kenntnis dieser Sprache wird euch besonders helfen, deh jüdischen Oeist zu verstehen und eine jüdische Weltanschauung zu gewinnen“. Welcher Wertschätzung Br. Bogen sich bei der amerikanischen Judenheit als sozialer Arbeiter erfreute, zeigt die Tatsache, daß er* erst vor einiger Zeit zum Präsidenten der „Jewish Social Service“ in New York gewählt wurde. Nur zu kurze Zeh war es dem Orden vergönnt, diese wertvolle Kraft, diesen unermüdlichen Sozialarbeifer zu besitzen. In inniger Verbundenheit trauern wir mit der Leitung unseres Bundes um diesen prächtigen arbeitsfreudigen Bruder.' E. Finkei. 136 -