Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 6 - Juni
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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in die Oeffentlichkeit mitgebjen kann. In Spaniers P s a I me n liegt ein Buch1 vor, dem man a u ä voller Ueberzeugung wünschen möchte, daß sich ihm die Pforten des jüdischer! Hauses weit öfPneten. Es ist ein Buch, das auf jüdischer Seite begonnen und glücklich begonnen hat, wasj Gunkel mit seinen »Ausgewählten Psalmen« für die christliche Welt versucht hat. Aber, Spanier hat jedes Stimnjungschwelgen in seiner Einführung vermieden; in schlictjter, einfacher Darstellung läßt er die schmucklose Klarheij der Psalmen reden. Aber gerade dadurch hat er ^eine Aufgabe recht gelöst: Die Welt der Psalmen fängt an, vor der Seele des besinnlichen Lesers lebendig zu: werden. In den scheinbar so einfachen Liedern hören wir Menschen jauchzen "und klagen, leidenschaftlich" sich aufbäumen und still sich bescheiden, vernehmen wjr von pel Gewissehsbedrückung der ringenden Seele und dem Glücksgefühl des Erquickten und Hoffenden, von der jubelnden Freude über Gottes herrliche Natur und von der stillen Andacht des'beglückten TMlgers im heiligen Tempel. Und all das klingt gar nicht veraltet, es wird uns vertraut und ist uns so nahe, weil es die Sprache des Mensehenherzens ist, weil alles, was die Herzen jener alten Psalmendichter erfüllt hat,, auch das Herz des modernsten Menschen bewegt Denn diese Dichtungen haben ihren Ewigkeitswert, darin, daß sie über alle Schranken der Zeit urrd Nation hinausschreiten und zü jedem Menschen sprechen. Aber den Weg in diese Zauberwelt kann nur der finden, der es über sich gewinnt, in einer stillen Stunde der Besinnung, sei es im Ker lenschfmmer des Freitag. äbend-Tisches, sei es in der stillen Andacht des Gotteshauses, sei es allein oder rm gleichgestimmten Kreise, sich in Wort und Weise der Psalmen zu versenken. Keinen geeigneteren Wegwe ser kann er dann finden als Spaniers Psalmen! ' H. Falkenberg. Leopold Hfchler: »Dejr Sohn des Moses Mautner«. R.- Löwit Verlag^ Wien-Leipzig. Ein Wiener Kaufmann (Ehrlich ist unter Umstellung der Buchstaben sein rechter Nianiei fühlt sich gedrängt,' einen Lokalroman zu schreiben' und damit ein durchj spannende Handlung und lebenswahre Charakterschilderung ausgezeichnetes jüdisches" Volksbuch von starken Gemjjtswerten zu schaffen. Welches sind die Motive? Trieb ihn hierzu nur der Dräfg nach "dichterischer Entladung, also der rein belletristische Anreiz, oder wollte ~er — was zum Glück erst am Schlüsse stärker hervortritt, — für gewisse in der heptigen Judenheit. herrschende' Stiömungen Propaganda treihen? Mir scheint: beides. Auf jeden Fall liebt er sehr Judentum, lebt in seinem; Buche die jüdische Seele. Daneben wird — etwas im Roinan verhältnismäßig seltenes — an das .Problem der westeuropäischen, genauer, gesagt, der deutschen und' damit .bis zu gewissem Grade auch der österreichischen Judenheit gerührt. Auf welche |Seite siqh auch der Leser stellen mag, ob auf die vom Moses Mautners Sohn, --Unserem Helden, der aus fromibem Hause stammend es vor allem mit seiner" Heimatstadt Wien hält oder auf die Seite seines ein Pan-Judentfm vertretenden Freundes Dr. Lederer — er kann nicbt‘Uofüber an diesen inneren Werten, die ihn zwingen, Anteil am Geschick der Menschen zu .nehmen und sie zu lieben, auch wenn manches an ihrer Sprache und Sitte ihm ungewöhnt erscheint. Man braucht' auch selbst nicht fromm oder wie die offizielle Abstempelung lautet: orthodox zu sein, um sich dennoch der aus innerster Ueberzeugung kommenden Verherrlichung und Erklärung affer jüdischer Gebräuche gern hinzugeben. Der ilinen praktisch Fernstehende genießt sie wie einen alten Sagenborn; die Ursprünglichkeit und Frische, mit der er die Seele benetzt, das Gemüt berauscht, ist auch an der ungewöhnlichen, vielfach naiv anmutenden Ausdrucksweise des literarisch naturgemäß nicht gleich ein Meisterwerk bietenden Verfassers erkennbar, ich meine die rührende Sehützerrolle, die er den Oeschöpfen seiner Phantasie gegenüber spielt, sei es, daß er sie wie in alten Epen direkt anredet oder sich in Zwischenbetrachtungen über sie ergeht. Sie sind ganz einfach ein Stück feiner selbst, in ihren Adern pulst das Herzblut dessen, der sje erschuf, in ihren Reden und Handeln spiegelt) sich typenhaft das Schicksal des jüdischen Menschen jüngerer Zeit. . Richard E1 b (Dresden). * Posner A. Rabb. Dr.: Die Freitag-Abendgebete, übersetzt, sowie sachlich und sprachlich erläutert. Kiel 1929. 80 S. Selbstverlag. Preis Mk. 1,75. Für Rabbiner, Lehrer und Jugendliche Preisermäßigung. " Dje Frage: inwelcher Beziehung die dem »L’cho Daudi« vorangehenden Psalmen zum Sabbath gehören, welche innere Verbindung zwischen ihnen und dem Sabbath besteht, sucht der,Verfasser zu beantworten, indem tr in überzeugender Weise zeigt, wie diese einleitenden Gebetsstücke durch ihren Inhalt in die mess i a n i s c h e Zeit weisen und das Herz der Betenden zum Empfange des Sabbaths würdig vorbereiten. Darum fallen auch diese Psalmen an den Freitagabenden fort,, die ujimittelbar auf einen Feiertag folgen, weil da die jüdische Seele durch die feiertägliche Stimmung den heiligen Tag ohne jede Vorbereitung begrüßen kann. Apch das bekannte Lied »L’cho Daudi« von Solomo al-Kalbez ha Levi, das Heine, Herder und in neuerer Zeit pse Schubert-Christaller tief empfunden haben, steht idurch den hiessianischen Gedanken mit den einleitenden Psalmen in enger Verbindung. Nach einigen klugen Bemerkungen über die Reihenfolge der Psalmen am Freitagabend folgt die Uebersetzdng und Erläuterung zweier Tischlieder (smiroth) des »IJom seh l’Jisroel« von Jsaak Luria (sämtliche 11 Strophen) und des »Joh Ribon« von Israel oar Moses bar Levi Nagara. Auch diese beiden Lieder stehen durch den Wunsch nach Erfüllung der messianischen Verheissungen unserer Propheten mit den erwähnten Psalmen in enger Beziehung. Dias Büchlein von Posner ist trotz mancher nicht ganz zutreffender Deutungen ein wertvoller Beitrag zum Verständnis unseres Gebetbuches und dürfte den Lehrern beim; Religionsunterricht, den Jugendvereinen bei der Veranstaltung von Freitagabenden gute Dienste leisten. F. "Der Jugendbund. Mitteilungen der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Die Nummer 6 des 15. Jahrganges vom 1. Juni 1920 ist Br. Gustav Löffler, Frankfurt a. M., anläßlich seines 50 jährigen Geburtstages gewidmet. Sie enthält Beiträge von Kurt Herz, Ernst Holzer» 118