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Der Orden Bne Briss · 1929-06-01 · Nr. 6 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 6 - Juni
Date
1929-06-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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Der Reichsausschuß für russisch-jüdische Flüchtlingshilfe richtet einen erschütternden Aufruf an die jüdischen Oemeinden, Organisationen . und jeden einzelnen Juden in Deutschland um Geldspenden für die als Opfer des Krieges und der Revolution geflohenen, den höheren und höchsten wirtschaftlichen und intellektuellen Kreisen angehörenden russischen Glaubensbrüder. Seit 9 Jahren trug der Verband russischer Juden in Deutschland ganz allein die große* Lasten dieser, in grauenhaftem Elend verborgenen, verschämten Armen — jetzt sind aber die Kräfte des Verbandes erschöpft. Als die deutschen jüdischen Oemeinden, Organisationen und Institute am völligen Verarmen und Znsammenbredhen waren, bewahrten die amerikanischen Juden — und das sind 90% russische Juden — jene Stellen vor dem materiellen Untergänge. t, ■ Heute gelte es nicht zu geben, sondern zurückzugeben f C. Th. Ziehen, Prof. a. d. Univ. Ha^le: »Die Grundlagen der R e 1 i g i-o n s p h i l o s o p h i e « (No-i motneismuS). Verlag von Felix Meiner,(Leipzig. 192S. 166S.: Das Erscheinen einer knappen, $trafferfi und zugleich] wissenschaftlich zuverlässigen Zusammenfassung der Geschichte der Religionsphilosophie von ihren frühesten Anfängen bis zur Gegenwart wird heute von vielen begrüßt,] von manchem als Befriedigung eines dringenden Bedürf-i nisses empfunden werden. ■ Stehen wir doch mitten inj einer religiösen Krise, deren Größe und Schwere nur] darum von so wenigen gesehen wird, weil sie gleichsam] in der Stille unter der Oberfläche der mit mannigfachen schweren Problemen belasteten Zelt verläuft. Wenn nun; wie es durch die vorliegende Schrift geschieht, von einenf hierzu berufenen, wissenschaftlich anerkannten Denker dargetan wird, welche Bedeutung, die Religion und das Nachdenken über sie bisher inder Geschichte des menschlichen Geisteslebens gehabt hat und noch heute haben muß, so ist das' anerkennenswert. Dies umsomehr, als sich der Verfasser einer volkstümlichen und leicht verständlichen Sprache bedient, kurz, klar und deutlich das Wichtigste heraushebt und so auch dem philosophisch ungeschulten Leser ein übersichtliches Bild der Entwicklung des religiösen Gedankens in der Menschheit vorführt. Zu werterem Nachdenken wird besonders der Versuch des Verfassers ahregen, seinen eigenen religiösen Standpunkt zu begründen, in dessen Mittelpunkt er die Auffassung- Oottes als des Inbegriffs aller Gesetzmäßigkeiten stellt] Dr. H.' Alfons Paquet: -Antwort des Rheines.« Eine Ideologie. Verlag Dr..Filser, Aggsburg. 1923. 317 S. Das Schicksal des deutschen Menschen ist mit tausend Fäden an das Schicksal des rheinischen-Menschen geknüpft, in stärkster gegenseitiger Abhängigkeit geschaffen und erlebt worden. Doch niir wenigen ist es bewußt, daß auch derjüdische A^pnsch nicht nur Deutschlands, sondern beinahe ganz Mitteleuropas am Rhein ein Stück seiner seelischen und geistigen Heimat gefunden hat. Sind doch die jüdischen Gemeinden am Rhein fast anderthalb Jahrtausende lang die [bedeutendsten, zu Zeiten sogar die einzigen Stätten Jüdischen - Kulturlebens in Deutschland gewesen. Darum verdient, auch von dieser Seite gesehen, das vorliegende Buch gesammelter Aufsätze Alfons Paquetsr der auch in jüdischen Kreisen als ein Mann klaren Blickes und; feinen Geistes'bekannt ist und geschätzt wird, ernste Beachtung. Aber nicht darum allein, sondert! «eil es ein eminent aktuelles Buch ist, voll Gegenwartslebens, voll der Gegenwartsfragen und viel- Bücherschau. leicht mehr noch der Zukunftsfragen und Hoffnungen" Denn es hat die politische Zukunftsgestaltung Europas im Sinne modernen paneuropäischen Denkens mit dem Endziel einer wirklichen und dauernden Pazifizierung der Welt im Auge. Nur wenige Schriftsteller im heutigen Deutschland kommen Paquet gleich in der Kenntnis des deutschen Kulturlebens in allen seinen Ausstrahlungen und politischen Rückwirkungen sowie in der Fähigkeit, sie. von hoher Warte als Europäer mit Weltsinn darzustelltn. Der Leser wird, wie er auch immer zu den Einzelfragen sich stellen mag, aus vorliegendem Buche reiche Anregung und Belehrung schöpfen. Dr. H. Friedmann, Dr. Filip: Die galiziscfhenjuden im [Kampfe um ihre Gleichberechtigung (1848—1868). 1929. Verlag J. Kaufmann-Frankfurt a. M. Preis broschiert Mk. 5.—. Die vorliegende Arbeit, eine Veröffentlichung der Dr. A. S. Bettelheim’schen Stiftung, ist ein wertvoller Beitrag zur politischen Geschichte der Juden in Galizien in einer für sie sehr wichtigen Uebergangsperiode. Denn die Jahre 1848—1868 sind für die dortigen Juden das Zeitalter der Emanzipationskämpfe. Die ihnen im- Revolutionsjahre gewährte politische Gleichberechtigung wurde ihnen infolge des denkwürdigen Kaiserlichen Patentes von 1831 und mit dem Wiederaufleben der Reaktion in Oesterreich bald wieder genommen, und es bedurfte langer, aufreibender Kämpfe, bis den Juden die staatsbürgerlichen Rechte endgültig zuteil wurden; allerdings stand auch hier, wie in manchen andern westlichen Ländern, die Gleichberechtigung nur auf dem Papier. Von diesem zielbewußten, zähen Ringen dergalizischen Juden um ihre Menschenrechte, Von der unschlüssigen, widerspruchsvollen Haltung der Zentralregierung in Wien einerseits und den polnischen Kreisen anderseits berichtet unser Verfasser eingehend an der Hand umfangreichen Materials, das er mit Sachkenntnis gesammelt und mit kritischem Blick verwertet hat. Neben den bereits erschienenen historischen Arbeiten von jüdischen und nichtjüdischen Autoren hat der Verfasser viele ungedruckte Quellen benutzt, die in den verschiedenen Sammlungen der zu jener Zeit in Galizien herrschenden Wiener Zentralbehörde aufbewahrt sind. Auch einschlägige Dokumente aus dem Wiener Justizpalast, der bekanntlich bei den blutigen Ereignissen des 15. Juli 1927 ein Raub der Flammen geworden, sind bei dieser Arbeit verwendet worden., ( Der Verfasser beschränkt sich aber nicht bloß auf die Schilderung der Emanzipationskämpfe, vielmehr werden 116

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