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Der Orden Bne Briss · 1929-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 3 - März
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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und wahrhafte Freundestat in der vornehmsten, diskretesten und doch wirkungsvollsten-und überzeugendsten Weise ausgeführt Nach einey nur kurzen, knapper, aber außerordentlich gehaltvollen Einleitung, .die er der Sammlung voransschickt, gibt Buber seinem Helden selbst das Wort, schildert er ihn, oder richtiger läßt er ihn sich seihst schildern, wie er wahrhaftiger und wahrheitsgetreuer niemals geschildert werden konnte. Denn wenn auch sonst wohl schon von jedem Menschen, behauptet werden kann, daß er sich am urnnittelbarstervund ungeschminktesten in seinen nicht für die Oeffenthchkeit bestimmten Aeußerungen und Briefen an Nächststehende, an Ver- * traute, Freunde und .Oenossen gibt und erkennen läßt, so gilt dies in ganz besonderem, ja im höchsten Maße von Gustav Landauer, diesem objektivsten und doch wieder subjektivsten Schriftsteller und Menschen. Wohl 'strebte er Objektivität mit aber Kraft seiner Seele, mit der ganzen Reinheit und Lauterkeit seines. Charakters an, über Menschen und Dinge, ja über seltne ureigensten, ~ persönlichsten Interessen sich hinwegsetzend. Aber er war der Subjektivste; weil er in jedes Werk, selbst in jeden Brief sein ganzes Ich, seinen ganzen Menschen hineinlegte. letzt sehen wir es deutlich und klar. Hier spricht ein Großer, ein Eigener, einer der ganz wenigen und seltenen Menschen zu uns, die den Mut der Wahrheit und die Konsequenz; der Wahrhaftigkeit bis zum Letzten, bis zum Aeußersten besitzen, die zwar irren und sich verirren können* aber selbit im Irrtum und in der Verirrung groß sind: und edel und echt und liebenswert, weil wahr und treu lund rein. Hier liegt ein: menschliches Dokument und ein Dokument der Menschlichkeit vor uns im besten, tfefsten und zugleich tragischen Sinne dieses Wortes, das jedem Freunde des echt" und wahrhaft Menschlichen, jedem zeitgeschichtlich und politisch Interessierten auf das wärmste zur Lektüre empfohlen werden kann. i Rabbiner Dr. Holzer, Worms. ■! ’ Edmond Fleg: »Warumich Jude bin«. Ins Deutsche übersetzt von Mimi Zucketkandl: Philo Verlag, G. m. b. H., Berlin SW 68,r Lindenstraße 13, 1929. Preis broschiert 1,50 Mk. . > ~ Der Lebensgaiig des Schriftstellers und Dichters Edmond Fleg zeigt1 Uns von neuem, daß’die Zugehörigkeit zu einer Nation eine Frage der Kultur und des Willens ist, Fleg entstammt einer Genfer jüdischen Familie.. Sein Vater ist wohl aus dem Elsaß hach Genf gekommen, seine Mutter war eine Französin. Als Schweizer Staatsbürger in französischem Kulturkreis aufgewachsen, wird Edmond . — Fleg mächtig von Fränkreich angezogen. Von der jüdischen Tradition seines Elternhauses wendet er sich ab, bis ihn der Dreyfusprozeli, die ihn begleitende antisemitische Hetze und der Kampf um die Rettung des Unschuldigen wieder zur Beschäftigung mit jüdischen Fragen zurückführen. Der dritte; Zionistenkongreß in Basel machtauf Fleg zwar einen tiefen Eindruck. Er fühlt sich >in hohem Grade« als Jude, jedoch »zugleich in hohem Grade als Franzose; Franzose laus Qenf, aber Franzose«. Im Jahre 1914 geht er als französischer Kriegsfreiwilliger an die Front. Er meint, däß er dies dem Lande seinerZuneigung schulde, obwohl er! Pazifist ist. In seiner Schjift »Warum ich Jude bin« schildert Eunond Fleg in schwungvoll-dichterischer Sprache seine Entfremdung von den Sitten und Gebräuchen, später auch vön Glauben seiner Väter und sodann die Abkehr vom .phposophischen Materialismus und vom Agnosiizismus Kults und die Rückkehr zum Theismus und Messianismus dtt'judentums. f Auch der Leser, der den Skeptizismus Flegs gegenüber der Philosophie nicht teilt, wird die Entwicklung des Dichters, der gegen sich selbst von unerbittlicher Aufrichtigkeit ist, mit ehrlicher Anteilnahme verfolgen und sich des edlen jüdischen Selbstbewußtseins freuen, das mit dem französischen Nationalgefühl nicht in Widersprucf steht und für die Volksgenossen anderen Olaubens unc anderen Abstammung nichts Verletzendes hat. Edmond Fleg ist Jude, Weil Israel über fsrael uü<; die Nationen den Menschen und seine Einheit setzt, weil Israel über den Menschen, Abbild der göttlichen Einheit, die göttliche Einheit und ihre Göttlichkeit setzt. Flec glaubt an die messianische Aufgabe des Judentums, an seine Zukunft: »Mögest du es aber nun verlassen oder ihm folgen,,Israel wird bestehen bis zu den letzten Tagen Fritz Goldschmidt (Spinoza-Loge). Ne/ Jinroel, Hebräische Lesefibel von J. B. Levly mit Zeichnungen von Erna Pinner-Frankfurt a. M. Verlag Lehberger & Co 1929; 22 Seiten in großem Quartformat, Preis Mk 1 80. - Von dem bekannten Schulmann, dem rührigen Verfasser moderner jüdischer Schulbücher, liegt eine neie Lesefibel vor. Sie erinnert äußerlich an die in neuerer Zeit erschienenen Bilderfibeln von Mandelbaum urd Abraham, unterscheidet sich aber von diesen, wie der Verfasser im Geleitwort angibt, durch zwei Momente: 1. soll man nach seiner Ansicht mit dem Hebräischen frühestens gegen Ende des ersten Schuljahres beginnen, Wenn die Schriftzüge der Muttersprache Eigentum d:s Kindes sind, und % soll Ziel und Zweck der Fibel die Lesefertigkeit sein; auf den Sprachunterricht zu m Zwecke des Hebräisch-Sprechens muß bei den wenigen Wochenstunden, die dem hebräischen Unterricht zir Verfügung stehen, verzichtet werden. Die Lese&bungm mit dem Schemä auf S. 19 zeigen uns den eifahren :n - und gewandten Pädagogen. Desgleichen die Ausws hl der Bilder, die dem Anschauungskreise der Bibel u:id des jüdischen Lebens entnommen sind. Könnten nilht aber — so fragt man sich beim Vergleiche der ncu- ‘erschienenen Fibeln — die verschiedenen VetfasseF, v ie Abraham, Geismar, Levy. Mandelbaum u. a. zusammingehen und eine brauchbare Fibel, eine Einheitsfibel, für alle Schulen in Deutschland schaffen?« Dt m Preußischen Landesverbände würde es ein Leichtes sein, leine auf diese Weise entstandene Fibel als d i e Ftpel izu bestimmen und sie in allen Schulen einzuführen. i Encyclopaedia Judaica. Das. Judentum in Öie schichte und Gegenwart. 3. Band Apostel-Beerajim. Verlag Eschkol A.-O., Berlin. Der dritte Band des grof en Werkes ist erschienen und reiht sich nach Infalt und Ausstattung wütdig den beiden vorangeganget ,en Bänden an. , Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege, heralqsgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. März-April 1929, Jahrgang 1, Heft 2. Brüder denkt bei der Darreichung von Spenden auch an die O r o ß I b g e. Es gibt wohl kaum eine Stelle, von der (aus so vielfach die Möglichkeit gegeben ist, Not würdiger Menschen zu lindern. Es gibt Menschen, welche sich, wenn alle Hilfsmittel versagen, in ihrer letzten Not an die Oroßioge wenden, würdige Menschen, denen nur diskret geholfen werden kann. Unter ihnen sind Künstler, Angehörige der freien Beiufe usw. Wenn auch die. Großloge; keine Organisation ist, zu deren Funktionen Einzelunterstützung gehört, so kann sie doch im Einzelfall Hungernde nicht ohne Brot, und Menschen in höchster Not nicht ohne unabweisliche Stütze lasssn. Vielfach hört man bei Besuchen kleinerer oder mittlerer Logen, daß die materielle Lage un Orte so günstig ist, daß die einzelne Loge nur wenig für soziale Not des einzelnen her ingezogen wird. — Brüder, denkt bei solcher Lage, wenn Ihr Spenden für irgend einen Zweck zur Verfügung stellen könnt,-auch an die Oroßioge. — 62 —

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