Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6727475-6029145-6074788--2042-4868650- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
t jenigen der Gesundheitsfürsorge, der hauswirtschaftlichen Ausbildung und körperlichen Kräftigung; 5. in der Einrichtung von Jugend- und Eheberatungsstellen, sowie in der Förderung aller Maßnahmen, die zur Schließung jüdischer Ehen dienen; 6. in jeglicher Förderung der Frühehe; 7. in bes. Erziehuagsbeihilfen, besonders für jedes dritte und weitere Kind in Anerkennung der Mutterschaftsleistung als solcher; 8. in Anerkennung jeder Mutterschaftsleistung der Frau durch unbedingte rechtliche Gleichstellung des unehelichen mit dem ehelichen Kinde; 9. in der Begründüng von Jugend- und Gemeindeheimen; 10. in der vollen Nutzbarmachung der allgemeinen öffentlichen Leistungen der Versicherungsträger und Fürsorgeverbände aut diesem Gebiet und in ihrer Ergänzut|g aus eigenen Mitteln in allen Fällen, iQ denen die genannten Stellen nicht ausreicfien; 11. die vorstehend aufgeführten Maßnahmen sollen allen Juden, gleichviel ob eingesessenen oder zugewandeijten gleichmäßig zugute kommen. E. Die Konferenz erwartet, daß diese Fragen auch zum Gegenstand eingehender Beratung in der Konferenzgemeinschaft der Oioßgemeinden, in den Landesverbänden und der Reichsarbeitsgemeinschaft und in den Verbänden der oben erwähnten Berufe gemacht werden. Sie beauftragt den bevöUcerungspolitisc len Ausschuß mit der Auswertung der Konferenzergebnisse und besonders mit der alsbaldigen Aufstellung eines bevölkerungspolitischen Getneindeprogramms. . F. Die Konferenz richtet zum Schluß e5uen Aufruf an die jüdische Oesamtheit zu einmütiger Mitarbeit in der jüdischen Bevölkerungspolitik.« * \ Zum Thema Kameradschaftsehe.! Von Br. Dr. K fJ)fe Bestrebungen, neben der traditionellen Ehe noch andere Formen einer Paargemeinschaft gesellschaftsfähig und populär zu machen, hängen eng mit der Emanzipationsbewegung der Frau zusammen. Als die Kritik und der Neuaufbau der gesellschaftlichen Sitten unter dem Gesichtspunkte der Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit einsetzte, wurde gegen ein Doppeltes der Angriff gerichtet,, den L^di^enstand und die Ehe. Beide waren nicht mehr das, was sie ihrem Begriffe nach hätten sein müssen.;lm Ledigenstand waren intime Beziehungen üblich geworden, die einen eheähnlichen Charakter trugen, gegen die Ehe aber schleuderte man den Vorwurf der Unwahrhaftigkeit. ln dieser Lage waren zwei Wege möglich. Man konnte eine Erneuerung und Vertiefung des Ehegedanke*ns postulieren, indem man so die Idee erotischer Bündnisse außerhalb der Ehe schwächte und!in Verruf brachte. Man konnte auch den umgekehrten Weg gehen; das Scheitern der traditionellen Ehe für ausgemacht haltend, sich für die* Duldung zeitbegrenzter' aber von erotischen Leidenschaften stark durchglühter Gemeinschaften einsetzen. Den ersten Weg gingen die Religionstreuen, dieses Wort Zum Thema «Kameradschaftsehe* erhalten wir im Anschluß an die Ausführungen von Br. Rieger die Betrachtungen von Br. Katten. Wir bringen sie zur Kenntnis und verweisen zugleich auf die beigefügten Anschlußbemerkungen. atten, Oöriitz. { im weitesten Sinne verstanden, tn allen Lag« m, auf dem zweiten stürmten überfortschrittliche und verwegene Literaturhelden dahin, die damit auf dem Gebiet der gesellschaftlichen Gesinnungsmode zu außerordentlichem Ansehen gelangten. Mit dem Schlagwort vom Recht des Weibes auf seinen Körper begann es. Dann wurde uns der Typ der »Junggesellin« gezeigt. Damit die Rechtsfrage nicht im Vorraum der akademisch en Erörterung stecken bleibe, wurde die »sexuelle Not der Jugend« dringend unserer Aufmerksamkeit empfohlen und damit die Bedürfnisfrige anerkannt War dann noch zu bedenken, daß die wirtschaftlichen Stockungen und Belastungen der Entscheidung zur Ehe innere Widerstände entgegensetzten und statt einer Kettung für Lebenszeit ein Eheprovisorium empfahlen, so War eigentlich schein die Kameradschaftsehe, deren Kompromißcharakter von allen diesen Punlden etwas aufgenommen hat, in der Idee fertig. Zunächst muß angezweifelt werden, ob es vorwiegend wirtschaftliche Erwägungen sind, die den Eheentschluß hemmen. Nach meiner Erfahrung ist dies nicht der Fall. Gerade Leute mit begrenzten wirtschaftlichen Entwicklung [smöglichkeifen, kleine Beamte und Gewerbetreibende, Handwerker und Angestellte entj schließen sich unbedenklich zur Ehe, einfach! weil sie sich sagen, daß es sich besser wirtschafte ~ 4b - I.