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Der Orden Bne Briss · 1929-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1929-02-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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Prof. Dr. Mo ritz Allerh Abteilungen nach einen und erstreckt sich nicht auch auf Verschiedene Denkmäler jüdisch er Kunst in Galizien-Polen. Von dem i. J. 1925 auf Anregung des Br. Ilngen. Joseph Awin ins Leben gerufen cn »Kuratorium zur Obhut jüdischer Kunstdenkmäler bei rer jüdischen Kultusgemeinde Lemberg« Hegt der eiste Bericht in polnischer und jiddischer Sprache* vor, i lern wir mit Interesse folgendes entnehmen: Die Arbeit des Kurt tc riums, an dessen Spitze Br. Univ;ai d steht, wird in verschiedenen bestimmten Programm geleistet n ir auf die Stadt Lenfberg, sondern g ilizische Städte. Gerade in Polen und in den Nachbarläiu ern sind — Wie der Bericht mit Recht hervorhebt — zw« il eilos viele Denkmäler alt jüdischer Kunst. Denn in diesen L indem lebten die Juden mehrere ' Jahrhunderte unterverhiil nismäßig günstigen Verhältnissen in größeren Zentren ird schufen während dieser Zeit Werte nicht nur auf Jim-Gebiete der Erziehung, der Philosophie und der Rclgion, sondern auch auf dem der Kunst. In diesen Zentren haben sich Denkmäler jüdischer Kunst bis auf unsere T i;e erhalten, die in Motiv und Stil eine Anknüpfung an küm tierische Traditionaufweisen, die vielleicht bis in die Zei en der nationalen Selbständigkeit des jüdischen Volkes i uf eigenem Boden hinauireicht. Diese reiche uralte schöpferische Tradition hat besonders in den sakralen Kultgegenständen, 'in -den Synagogen und auf Friedhöfen ihren Ausdruck gefunden und sich fast ohne Unterbrechung bis in die erste Hälfte des 19 Jahrhunderts en ' vickelt- Auf diese Zeit lebenc igen künstlerischen Schaffens und Empfindens folgte dann -1wie der Bericht annimmt — in Folge der Emanz!piiion und des Rationalismus ein gewaltiger Abstieg. Dis Verständnis und die Pietät lür die Kunstdenkmäler der /ergangenheit schwanden immer mehr. Bei Renovierun i von Synagrgen und-’ Bethäusern wurden wertvolle Maler :ien von den Wänden entfeint und diese dann*mit wertlos« i Schablonen bemalt. Alte feingearbeitete silberne Kult; egenstände wurden mit Zinn und Blech von gewöhnli« I len Klempnern repariert oder wanderten als Bruch in Jen Trödlerladen. Nicht besser erging es den Friedhöfen. Anstelle der früheren Mazzewoth vcn hervorragender Steinmetzkunst und mit besonders jüdin :hem Charakter sind geschmacklose Grabsteine getreten die zum Teil laut Katalog von der Fabrik bezogen wen eh. Um hier Wandel zu i rhaffen'wurde das obenerwähnte Kuratorium eingesetzt, <1 is in den drei Jahren seines Be- * Stehens eifrig und zielbcvußt aibeitete. Ca. 300 Objekte wurden inventarisiert, d. t. beschrieben, photographiert und zeichnerisch, auch in fart i;en Aufnahmen, festgehalten und in 16 Mappen registriert. I rerner wurden 52 Konservierungsarbeiten durchgeföhrt und 352 Grabsteine auf dem alten jüdischen Friedhof zu Lemberg rekonstruiert. Außerdem wurde eine neue Friedh j »Ordnung geschaffen, enthaltend Bestimmungen betr. Z i eilung von Gräbern und Aufstellung von Grabsteine! auf dem neuen Friedhofe. Das Kuratorium wir f in seinen Arbeiten ideell und materiell unterstützt von d er Kultusgemeinde Lemberg, von dem Verbände der Hunu nitätsvereine BneBriss in Polen, von der »Leopolis« in Icmberg und steht in Verbindung mit dem »Jüdischen Miseum« in Wien, mit der »Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Denkmäler« ih Frankfurt a. M. und mit maßgebenden Stellen (n Czeinowitz und in Kopenhigen. * Dem Beriet t ist eine groBe Anzahl von Abbildungen beigegeben, di« zeigen, welch reiche Schätze jüdischer sakraler Kunst Colen aufweist. Denr Kuratorium wünschen wir viel Erfolg für seine weiteren. Arbeiten. Möge es seinem Bemühe! gelingen« den ästhetischen Geschmack unserer Glaubei sbrüder in Polen .zu veredeln Und bei ihnen Verständnis und Liebe für die altjüdischen Denkmäler zu wecke!. * E. F‘. I * v Die Gestellt chaft für jüdische Familienforschung versendet saebm das 16, Heft ihrer »Mitteilungen«. — Dr. Czellitzer gibt eine ausführliche statistische Zusammenstellung über die »Be r I in er M i s ch e.he n« und zwar nicht nur Jie zwischen Juden und Christen, spndern auch die sämtlichen anderen Kombinationen, Evangelisch- Katholisch usw Das wesentliche Resultat ist, daß die Neigung zurjMischehe heute bei den Berliner Katholiken, und zwar sowohl bei den männlichen wie. bei den weiblichen am häutigsten ist, indem von 100 Personen- 6S außerhalb der eigenen Konfession ihre Ehepartner wählen; zunächsj kommen (lann die konfessionslosen Mänijer und erst in weitem »Abstande jüdische Männer, 'kpnfdssjonslose Mädchen, Jüdinnen und zu allerletzt die Evangelischen. Diese Neigung :ur Mischehe ist nun im L^ufe der letzten 16 Jahre nur fei den Evangelischen ungefähr gleich geblieben, bei al en übrigen hat sic während des Krieges eine starke Steif;ert^ng erfahren, um jetzt ungefähr wieder dieselbe Höhe wie vor dem Kriege; zu gewinnen-. Noch interessanter siid die Untersuchungen über die eheliche Fruchtbarkeit, die <er Imft einer neuen Methode vergleichend berechnete, wonich «‘ich ergeben hat, daß die eheliche Fruchtbarkeit zwar bei sämtlichen Ehen stark abgcnominen; hat, daß aber diese Abnahme, was sicher niemand erwartete, am stärksten die reip-evan-, gelischen Ehen betroffen hat, während die rein katholischen und die rein kc nfessionslosen lange nicht im selben Maße kinderärmer geworben sind. Die rein jüdischen Ehen nehmen hierbe; eine Mittelstellung ein, und nicht, .wie man allgemein behauptet, die unterste Stufe. In noch viel höherem Maße haben die sämtlichen Mischehen an Fruchtbarkeit abgejiommen. Die'Kombination Jude — Christin hält eie Spitze, insofern hier nur noch auf 3 Ehen 1 Kind koimvjt. ■ ‘ . Dtr Obersladt^ekretär P e t e r G a n s e n (Siegburg- Rbld.) gibt für die rechtsrheinischen Juden eine Zusammenstellung der si mtlichen Familiennamen, die in den drei Regierun'gsbeziiken Düsseldorf, Cöln. und Coblenz im Jahre 1808 angenommen wurden. — Das Heft enthält ferner eine Liste sämtlicher jüdischer Familienchroniken, die .an das Archiv der Gesellschaft'bis jetzt eingeliefert word«n sind. Man wird überrascht sein, eine wie große Za il derartiger Familiengeschichten ' bereits gedruckt vorhanden ist. Bücherbesf rechungen und das in jedem Hefte enthaltene »Suchb att« | runden den Inhalt des Heftes ab. — Man abonniert diel- »Mitteilungen«, indem man Milglied der Gesellschalt wird, — (Jahresbeitrag RM 10,-c für Einzelpersonen, für, Korporationen RM 30,—). Zuschriften an den Vors. Dr. A.CielJitzer, beriin W, Potsdamer,Str. 6; Zahlungen auf Postscheckkonto »Gesellschaft f. jüd. Fam.- Forschung« Nr 183126 Berlin-Wilmersdorf. 43

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