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Der Orden Bne Briss · 1929-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1929-02-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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Kurze Uebersicht. ln den Sälen des Internationalen Instituts für intellektuelle Zusammenarbeit der Volker, im Palais Royal?u Paris, fand eine Zusammenarbeit der Vertreter des W e 11verbandej der jüdischen Studentenschaft statt. Wichtige allgemein-kulturelle Probleme wurden Erörtert. Man beriet vor allem, welche Maßnahmen gegenüber dem numeTusclausus politisch iückständigerLänder und den antisemitischen Bewegungen an den Universitäten zu ergreifen seien. * Das statistische Reichsamt zu-Berlin veröffentlichte in einem starken Bande die Ergebnisse der letzten allgemeinen Volkszählung. Danach gibt es im Deutschen Reich insgesamt 564379 Israeliten (davon weiblich 289929). Interessant ist die Gliederung und Verteilung des prozentualen jüdischen Bevölkerungsanteils in den einzelnen Ländern, Provinzen und Städten. Es zeigt sich, daß die Landflucht der Juden Fortschritte gemacht hat; verschiedene Landesteile und kleinere Städte 'weisen eine Verminderung, einige Großstädte eine Zunahme ihrer jüdischen Bevölkerungsquote auf. Im allgemeinen haben sich die Juden im Reiche nicht vermehrt. Ihr Regeneirationskoeffizfent liegt weit untfer dem der übrigen Bevölkerung. i i . i - ln Berlin fand die Grundsteinlegung eines neuen jüdischen Altersheimes statt. Nach seiner Fertigstellung wird aber auch dieses Institut nur einen Bruchteil der jüdischen * Not lindern können. •y . * , . Die polnische Regierung, veröffentlichte Zahlen ihrer statistischen Untersuchungen. Es zeigt sich, daß ebenso wie bei uns die Juden dort doppelt soviel Selbstmörder stellen wie die übrige Bevölkerung. Nach der letzten amtlichen preußischen Untersuchung betrugen (die Selbstmorde in Preußen auf 100000 Lebende der Beivölkerüng bei den Protestanten 27,9%, bei den Katholiken 13,5%, bei den Juden 53,2° 0. Diese ^Tatsachen $ind Mahnungen an alle jüdischen Organisationen, Sire {Bemühungen in Bezug auf Linderung jüdischer Npt nach Möglichkeit zu verstärken. > Die deutschen Universitäten veröffentlichten ihre Hochschulstatistik. Im Sommersemester 28 wurden die deutschen Universitäten von. 81917 Studierenden besucht, darunter 3571 Juden. Der Anteil der Juden an der Zahl der Studierenden betrug demnach 4,4•/„ während! der jüdische Bevölkerungsantefl in Deutschland nur 0i9% ausmacht |r * : ~ i Der Pbiloverlag in Berlin meldete, daß die »Zeitschrift für die Oeschichte der Juden in Deutschland« demnächst erscheinen wird. Herausgeber sind- Prof. Elbogen-Berlin, Prof. Freimann-Frankfurt a. M., Dr. Freudentbal-Nümberg. I Zum Vorsitzenden des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Berlin wurde Direktor Oeorg Kareski gewählt. Er gehört bekanntlich der jüdischen Volkspartei am /; * An der in Paris tagenden Reparationskonferenz nimmt Br. Dr. Karl Melchior, Mitinhaber des Bankhauses M. M. Warburg in Hamburg, in amtlichem Aufträge teil. Der jüdische Wirlfcbafjler Karl Melchior war bereits 1919 einer der 6 Mitglieder der deutschen Fiiedensdelegation in Versailles. Die preußische Akademie der Wissenschaften kündete die Publikation eines ^ieuen von ihr herausgegebenen Werkes Albert E i n s t e in s an. Aus wissenschaftlichen Kreisen verlautet, daß dies Buch des Gelehrten roch umfangreichere internationale Diskussionen entfesseln wird,- als seinerzeit die Relativitätstheorie. •' I . ' In Leipzig fand ein^ Tagung der Reichsarbeitsgemeinschaft der Landesverbände jüdischer Gemeinden Deutschlands statt. Ein neues Fürsorgeerziehungsheim und einige andere dem Allgemeinwohl dienende Anstalten werden in Zukunft von allen Verbänden unterstützt werden. Eine bevölkerungs|X>lilische Konferenz wird ferner von allen Seiten beschickt werden. Wichtige Aussprachen behandelten die Fragen der I Reichssteuergesetze, des Schulwesens, des Schächtschijlzes usw. * j * Der Wohlffahrtbausschuß des preußischen Landesverbands jüdischer Gemeinden und der»V erband ostjüdischer Organisationen in Deutschland« hielten Sitzungen ab. Verschiedene Hilfsmaßnahmen wurden erörtert, über die Verwendung der vorhandenen, leider nur geringen Mittel wurden Beschlüsse gefaßt. Der Wohlfahrtsausschuß beriet über die Probleme/ "der Kinderfürsorge, der Arbeiteikolonien,- der Bevölke- ■ ungspolitik, der Haushaltsschulen und der Gerichtshilfe. I '* * Auf Initative des Zentralverbands jüdischer Handwerker Deutschlands hin wurden Vertreter gleicher Verbände aus anderen Ländern nach Berlin berufen. Es wurde die Oründung eines Weltverbandes jüdischer Handwerker, der einen Dachverband der einzelstaatlichen Organisationen darstellt, beschlossen. In Marburg wurde das neue »Israelitische Heilerziehungsheim für schwer erziehbare Kinder«, das mit Subventionen des preußischen Landesverbandes errichtet wurde, feierlich eingeweiht. Der Regierungspräsident von Kassel beglückwünscht; die bei der Einweihungsfeier anwesenden jüdischen Vertreter. I ' ' * In Nr. 4 der Jüdisch-Liberalen Zeitung erschien eine wichtige Arbeit ihres Schriftleiters Bruno Woyda, die an dem neuen »Entwurf des Reichsverbandes der Deutschen J ud en«, der von den süddeutschen Landesverbänden genehmigt wurde, Kritik übt. Woyda macht mit eingehenden ^Begründungen auf die Mängel des Entwurfes aufm.eikssm. ‘ * 10-Jahr- Feier des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Am 9.2.29 veranstaltete der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten anläßlich seines zehnjährigen Bestehens eine feierliche Kundgebung im Herrenhause, die von musikalischen Darbietungen umrahmt war. Eine große Zahl von Teilnehmern füllte den Saal. Unter ihnen befanden sich Vertreter militärischer, staatlicher und städtischer [Behörden sowie zahlreicher jüdischer Organisationen. 40

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