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Der Orden Bne Briss · 1929-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1929-02-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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atigetastet wurde, keine bestimmten politischen oder religiösen Richtungen verfolgen durften. Trotzdem gelang es nicht, auch von dem Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands den inner-jüdischen Parteikampf fernzuhalten. Die Jugend gruppierte sich vielfach nach jüdischpolitischen Grundsätzen. Die zionistische Jugend hatte “sich schon früher abgesondert. Die C.V- Jugend sammelte sich in besonderen Organisationen. Die jüdisch - liberale Jugend schloß sich zusammen und die orthodoxe blieb nicht zurück. Dazu kam aber noch folgendes: Etwa um die Jahrhundertwende trat in der deutschen -Jugend eine Bewegung auf, die nach neuen Lebensformen urid Lebenszielen strebte. Unter eigenen Jugendführem sammelten > sich junge Menschen zum Kampf gegen »leere Konvention und erstarrten Kastengeist«, gegen die »Mechanisierung des geistigen und zivilisatorischen Treibens«.. Während die Wandervogel-Bewegung zunächst die Flucht der lügend in die Natur und zu den Quellen des Volkstums bedeutete, suchten andere die Wege einer neuen Gesellschafts- und Lebenskultur zu finden.; Der frei-deutsche Jugendtag auf dem Holten Meißner am 12. Oktober 1913 gab dieser Bewegung ihr bestimmendes Gesicht. 13 dort vertretene Bünde fanden sich zusammen zum Verband (fcr frei-deutschen Jugend, der als gemeinsames Bekenntnis die sogenannte »Meißner Formel« amlahm, welche als Ziel der Beweguhg »die Gestaltung des Lebens aus eigener Bestimmung, v<br eigener Verantwortung, mit eigener Wahrhaftigkeit« festlegte, einen Satz, der bis heute das Kriterium der Jugendbewegung jm engeren Sinne geblieben ist. Diese Jugendbewegung, die heute längst aus dem Stadium der Radikalisierung heraus und offiziell anerkannt ist, besonders auf dem Gebiete der Schulpolitik, mag auch jetzt no^h viele Unklarheiten, übertriebene Schwärmereien» eine lebensfremde seelische und geistige Haltung unter ihren Anhängern kultivieren, ihre Freunde mögen, wie ihnen vielfach mit Recht vorgeworfen wird, die Grundsätze der fugend im späteren Leben entweder verworfen haben oder an den Gegensätzen zwischen ihren Idealen und den praktischen Forderungen gescheitert sein. Eines steht fest: Ihre Gedankengänge haben machtvoll auf die gesamte Jugend eingewirkt, auch soweit' sie sie von den Auswüchsen und Ueberspanntheiten der frei-deutschen femgehalten haben und fernhalten. Die frei-deutsche Jugendbewegung hat die Gedankenwelt der gesamten Jugend, unter welchen Gesichtspunkten sie sieb auph zusammenschließen mag, richtunggebend beeinflußt. Auch die jüdische Jugend, die von den! frei-deutschen Bünden eine mehr oder weniger offene Ablehnung erfahren hatte, hat sich ihrejn ■ Ideen nicht verschließen können. Auch bei' ihr vollzog sich eine parallele Entwicklung. Zurp Teil wieder getrennt nach der politischen Grifndeinstellung, wuchs die jüdisch - nationale Jugjend aus der Wanderbewegung des Blau-Weiß, üb^r den jüdischen i Pfadpfinderbund Kadimah und die deutsch-jüdische Jugend im deutschjüdischen Wanderbund der Kameraden in den Ge^lankengängen der Jugendbewegung auf,, die 'schließlich auch die Jugendorganisationen erfaßten, welche dem hündischen Wesen nach freijdeutschem Muster innerlich ablehnend ge-, genüberstanden. | Es muß hier unumwunden gesagt werden, daß bisher viele Logenbrüder dieser Entwicklung me^ir oder minder verständnislos gegenüberstehen. Wif müssen nicht nur damit rechnen, idaß wir es nicht mehr mit einer einheitlichen, leicht erfaßbaren jugendlichen Masse zu tun haben, sondern daß uns eine reichgegliederte, selbständige Jugendbewegung gegenübersteht. Wir dütfen vor allem nicht vergessen, daß neben der geschilderten, vorn Hohen Meißner ausgehenden Jugendbewegung auch die Erschütterungen des Krieges und seiner Folgeerscheinungen, wie dies auf allen Kulturgebieten der Fall ist, besonders unter der Jugend eine geist ge Umwälzung hervorgerufen haben. Diese Umwälzung hat in weit größerem Maße als früher die natürliche Spannung zwischen den Gjenerationen erweitert. Hieraus ergibt sich fiftdie Erwachsenen die Notwendigkeit, sich in um so stärkerem Maße in die Gedankengänge der Jugend einzufühlen. . I ' . r j II. Das richtige Verhältnis zur heutigen Jugend zu finden, ist nicht leicht und führt häufig zu Mißerfolgen. Wenn wir uns praktisch mit der Jugendfrage befassen und uns nach Möglichkeit von vornherein gegen ein Mißlingen lenserer Bestrebungen sichern wollen, müssen wir deshalb )or allem versuchen, uns wenigstens in groben ügen ein Bild von der geistigen und seelischen, ’eifassung der heutigen Jugend zu /machen evor wir uns der Frage zuwenden können, reiche Maßnahmen wir zur Erreichung unseres ieles treffen müssen. Auch das ist natürlich licht einfach. Es ist immer mißlich, einer

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