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Der Orden Bne Briss · 1929-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1929-01-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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hohe Wertschätzung entgegenbringt, verdankt sein Entstehen dem erhöhten Interesse, dessen sich die auBerbibliachen Schriften des Judentums neuerdings in christtliehen Kreisen erfreuen. Es ist das große Gebiet der sogenannten pseudepigraphischen Literatur, dessen wertvollsten Teil die vorliegende Sammlung darbietet und damit einen Einblick gewährt in die Untergründe der überaus heftigen und tiefgehenden geistigen und religiösen Kämpfe, die sich in einigen Testen des jüdischen Volkes in dem Jahrhundert vor und .nach’Entstehung des Christentums abgespielt haben. Selbst das Achtzehngebet und die Sprüche der Väter, die derselben Zeit, wenn auch nicht demselben literarischen Milieu ihre Entstehung verdanken, führt der Verfasser, seinen Lesern vor. DaS R'eßler diese verstreuten und zum großen Teil, auch in jüdischen Kreisen, wenjg bekannten literarischen Zeugnisse jener Zeit gesammelt, übersetzt und mit einem^ kurztn, aber ausreichenden Kommentar' versehen und iso einem weiteren Leserkreise zugänglich gemacht hat, ykr-. dient in hohem Maße Dank und Anerkennung, Es wird dieses ^erk sicherlich viel zur* Verbreitung besserer Erkenntnis und Würdigung jüdischen Geistes und jüdischer Frömmigkeit in christlichen Kreisen beitragen, darf atyer auch jüdischen Interessenten empfohlen werden. Rabb. Dr. Holzer, VICormsi. * ’ I I Karl Schwarz: Die Juden in der Kunst. Mit 50 Tafeln in Tiefdruck und Textbildern. Welt-Verlag Beslin 1928. ’ l Der Verfasser unternimmt es, auf etwa 220 Seiften »Die Jaden in der Kunst« zu schildern; es ist der erste Versuch, im Zusammenhang und in übersichtlicher Darstellung davon zu berichten, was die Juden im Verlauf ihrer dreitausendjährigen Geschichte an künstlerischen Schöpfungen hervorgebracht haben: »Vom Nomadenzelt bis zum Expressionismus«; es ist ein Streifzug dürch Altertum, Mittelalter und Neuzeit,* wobei das Mittelajlter für die Juden sich 'bis zum Ende des 18. Jahrhunderts dehnt. In drei sehr ungleichen Abschnitten wird hier eine Fülle von Material "bewältigt; auf knapp 25 Sejten sind die künstlerischen Leistungen während der Zeit (der nationalen Selbständigkeit anf palästinensischem Bojden d2rgestellt. Wir erfahren von der steten Abhängigkeit in -4 allem* Künstlerischen vom Ausland, von Aegypten, von Pbönfzien, von Hellas und Rom — nur wenig ist erhalten und die. Nachrichten sind dürftig.' Verdienstvoll ider Hinweis auf die Synagogen in Galiläa aus der syriSchrömiseben Zeit in den ersten christlichen Jahrhund elften. Auch hier bleibt die Abhängigkeit bestehen — wie das ganze Mittelalter hindurch; das gilt für die Synagogen wie für ihre Ausstattung. Wie weit Juden hier schöpferisch waren, ist kaum jemals festzustellen — nur ganz vereinzelt tauchen Namen auf. Ueberall Anschluß an den Stil einer Ep che, an den Stil des »Wirtsvolks«. Nur in den Kultgeräten, den Stickereien, den Gold- und Silberarbeiten, besonders aber auch in den Miniaturen alter Handschriften, in der Buchkunst und in der Oraphik glaubt Schwarz »ausgesprochene jüdische Eigenart«, den »Geist einer jüdischen Volkskunst« zu erkennen. Worin diese »Eigenart« besteht, ist kaum gesagt. Aber zweifellos sind auf diesem Gebiet Juden aktiv gewesen — die Schreibkunst ward von Alters her bei ihnen gepflegt, und für die Buchkunst des 15. und 16. Jahr hunderts sind uns (ine Reihe von jüdischen Namen bezeugt. So ist es kein Zufall, wenn es schon im 17. und 18. Jahrhundert, vor der Emanzipation, jüdische Graphiker und jüdische Miniaturporträtisten gab. Aber erst in -19. Jahrhundert beginnt für den Juden die Neuzeit uni mit der politischen und gesellschaftlichen Emanzipation sein Eintritt in die Kunst. Erstaunlich der schnelle Amfstie j jüdischer Künstler kuf allen Oebieten, in Malerei, Graphit; Plastik und Arrhitjektur. Dies Phänomen hätte slärktr betont, tiefer begründet werden können. Das Buch entljflt in diesem dritten Teil eine Fülle von.Namen und Tlaitsachen, auch dem mit dem Materir l Vertrauten wird mänch neuer Name, manch neues Wert begegnen — der Verfasser, der Mitarbeiter an der »Enrjclopaedia Judaica« ist, trat offenbar seinen Zettelkaste t reichlich gefüllt und eifrigst benutzt — aber man wird auci manchen wertvollen*Namen vermissen. Sie sollten, wem überhaupt die letzte Generation genannt und — gerühnt Wird, hier nicht 'fehlen. Da hier, nach dem Voi-| wort des Verfasser^, keine »mangelnde Kenntnis« vorliege i kanfi, darf man in der Auswahl wie in der Behandlunc . "der einzelnen Künsilerpersönlichkeiten wohl eine Wertung sehen, die mir allerdings zum mindesten gewagt erscheint. Wenn in einem Buch, das »Die Juden in der Kunst« behandelt, den drei größten jüdischen Meistern Liebeimann, Israels, Pissaro, die auch als Großmeister in der europäischen Kunst des 19. Jahrhunderts gelten, insgesamt 4 Seiten gewidmet sind, so muß das eine falsch: Vorstellung geben, zumal zwei anderen, Budko uni Steinhardt, mehr Raum zur Verfügung gestellt ist. Mir scheint, daß sich dem Verfasser das Thema »Di: Juilen in der Kunst«, das heißt, die Leistungen vo n Juten im Oesamtbereiche künstlerischen Schaffen!, ve schoben hat, daß er in eine Untersuchung oder in ein Suchen nach dem »Jüdischen« in der Kunst hineingeglitten ist, daß er »Jüdische Kunst« entdecken wollt: unfd dabei den Maßstab für die wahrhaft künstlerischen Leistungen von Juden zuweilen verloren hat., Zwar wehit er1 sich selber, dagegen, sich vom Inhalt bestimmen zu lassen, verurteilt jüdisch^ Tendenzkunst (S. 131), aber erj bleibt doch in ihrem Bann. Und die Ursache ist der Wunsch, die Hoffnung, daß »aijf der alten heimatlichen Erde eine jüdische Kunst« erstehe, daß dort »auf drm alten Mutterboden« »das jüdische Blut den Werken eine jüdische Note« gebe, damit »wir, nicht nur in dem päy:hischen Untergrund das Wesenhafte zu suchen haben«, eipe Hoffnung, aber keine OewißheiL Die dreitausend-« jährige Geschichte beweist, daß im Oegenteil erst in der Zerstreuung, unter den »Wirtsvölkern« die Juden künstle|isc. «ich betätigt und erst nach der Emanzipation im 19. Jah mindert bedeutende Leistungen hervorgebracht haben. Diese künstlerischen Leistungen von Juden sind allerdings in ihrer Bedeutung nur zu begreifen im Zusammenhang mit der Oesamtentwicklung der europäischen Kunst, das wird vom Verfasser auch ohne weiteres in dpn einleitenden Bemerkungen, die jedem größeren Abschnitt vorausgehen, anerkannt; die besondere jüdisch: Note ändeit daran nichts. Eine gerechte Würdigung — auch das hat der Verfasser richtig gefühlt — ist nur im Rahmen der künstlerischen Gesamtleistung möglich —«die besonderen künstlerischen Leistungen der Juden sind im letzten Jahrhundert groß genug, größer als si: nach dem Buch erscheinen — sie bedürfen denn auci nic|it der Superlative, die Werke selbst könnten leichter und stärker überzeugen. Aber auch hier ist die Auswab I der an sich guten Abbildungen .nicht sonderlich glücklich

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