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Der Orden Bne Briss · 1928-11-01 · Nr. 11 - November (11.1928) · p. Seite 212

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 11 - November (11.1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 212 (sequence 16)
Language
German
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I Briefe an den O.B.B. Advokat Dr. L. Sik,’ Vice * Präsident der Zagreber israelitischen Kultusgemeinde, der Beiträge zur Geschichte der Juden in den sü Jslavische’n Ländern zu veiöffentlichen giidenkt, teilt uns in einer Zuschrift mit, daß zwei bedeutende kroatischeOelehrte — Ehrendoktoren der Zagreber Universität — wichtige Forschungen gemacht hätten. Dr. IDon Fran BTulic hat* durch Auffindung eines jüdischen Friedhofes in Salona den Nachweis einer eigenen Judengemeinde daselbst im 3. Jahrhundert erbracht. Vläflimir Mazuranic hat durch seine Forschungen das Vorhandensein von Juden in Dalmatien im 4. und im 10. Jahrhundert festgestellt.!. : * •* « „Entwicklungs-Tendenzen.“ Zum' Aufsatz von Br. Baumann, Danzig haben wir verschiedene Zuschriften erhalten. Br. Julius Weiß, Mannheit^ äußert sich in gegensätzlicher Weise. Br. Weiß hätte es für förderlicher gehalten, wenn die Diskusion über das von Br. Baumann angeschlagene Thema iwerhalb der Lögen als vor der Oeffentlichkeifc des Oroßlogenorgans stattgefunden, hätte. Er zieht die ruhigeren Verhandlungen der Gegenwart den - wie Br. Baumann annimmt — bewegteren Formen der Vert gangenheit vor. Br. Weiß stellt mit Freuden fest, daß bei der Lektüre der Verhandlungen, beispielsweise des Generalkomitees, der Eindruck einer nicht in Ekstase versetzten Gesellschaft entstünde,'sondern der einer Gemeinschaft, welche selbst heikle Themen auf dem Bodep der Wirklichkeit erledige, Br. .Weiß gibt dem Gefühlsmäßigen gegenüber dem Verstandesmäßigen — ohne Unterschätzung des Letzteren — den Vorzug. In hohem Maße könne das Gefühlsmäßige Boden und Nahrung im jüdischen Schriftturn finden. Von Klerikalisierung im Ordensleben könne man nicht , sprechen. i - * Eine Kontrolle des Logenbesuches sei durchaus nicht abzulehnen, da der Logenbesuch zu den Pflichten des Bruders gehöre. Der Anschluß an unsere christlichen Mitbürger sei von der Loge aus niemals gehindert worden. In Anbetracht der gegenwärtigen Lage sei! es jedoch besser, Zu den Gerufenen als zu den Rufenden zu gehören. Der Lqge ein Recht zur direkten Entsendung von Brüdern' in das. Generalkomitee zu geben, Hält Br. Weiß für .erstrebenswert. Ein Verbot der,,Austragung von Streitigkeiten auf gerichtlichem Wege mißte als wünschenswert bezeichnet werden. Die; Bestrebungen für Hilfstätigkeit auf organisatorischer Grundlage sollten eingeschränkt werden. „Entwicklungs-Tendenzen.“ Von Br. Ludwig B a s n i z k i, Heidelberg. i Die Ausführungen von Br. Expräsident Baununn- Danzig in Nr. 8 dieser Mitteilungen sind mir und wohl * noch manch anderem Bruder so recht aus dem Herzen gesprochen. Wir müssen'der Schriftleitung Dank sagen, daß sie diese kritischen Aeußerungen mit verbreiten hilft denn eine Organisation, die keine Kritik mehr aufkommen läßt, geht dem Zustand der Verkalkung entgegen. Ja, ' wir glauben, daß eine Fortsetzung dieser Diskussion unserem Orden zum Wohle gereichen wird. Auch unsere Organisation leidet, wie alle anderen i< Organisationen heutiger Zeit, an der — sagen wir einmal — Prominenten-Krankheif. Die Tagungen aller größeren Verbände sind heute über einen Leisten geschlagen. Ob es sich um den Zentralverband der Angestellten, oder um den Verband der Industriellen oder um einen anderen! Verband handelt, überall berichtet der Syndikus über die Erfolge des Jahres, überall hält ein Minister oder einer der ganz Prominenten — die Bayern hablen hierfür das schmeichelhafte Wort Großkopfeten — ein Referat, dem spontaner Beifall ge.- zollt wird,‘überall kraut sich die Ooposition kaum aufzufreten, weil es jum vornehmen Ton gehört, die An- ■ sicht der Prominenten zu seiner eigenen zu machen, mindestens solangel als die Prominenten anwesend sind, in der Presse erscheint dann ein offizieller Bericht, nach welchem die Tagung einen glänzenden Verlauf genommen habe, indes im engen Kreis der Organisierten, beim gruppenweisin gemütlichen Beisammensein, das Schimpfen und Kritisieren kein Ende nimmt. Auch bei den ILogen beginnt die eigentliche Diskussion manchmal erst nach Schluß der Sitzungen, und bei Großlogentagungen scheint sich nach den Ausführungen von Br. Baumann eine ähnliche Gepflogenheit zur Tradition ausbilden zu wollen. Damit mögen sich andere Organisationen zufrieden geben, wir in der Loge : aber, die*wir doch eine Vereinigung von edeldenkenden Israeliten sein wollen, müssen diesen äußerst bequemen Standpunkt aufgeben. Wir. -müssen uns verpflichten, nicht qur einet Meinung zu haben, sondern sie . auch zu sagen, frei und offen, mit oder ohne Beifall, und wir müssen uns noch viel mehr verpflichten, die Meinungen derjenigen Brüder, deren Ansichten mit denen der offiziellen Leitung sich nicht decken, anzuhören und sie von dem Standpunkt aus, von dem sie gesagt sind, zu würdigen. Daß die oben entwickelten Gedanken nicht gar zu absurd sind, scheint uns aus der Tatsache, hervorzugehen, daß von überallher Klagen über mangelhaften Logenbesuch laut werden, Klagen, die unserer Meinung nach erst wieder verstummen werden, wenn die Logensitzungen dem schematischen Oepräge valet sagen, und sich zu Stundend lebendigen, freien Gedankenaustausch» umwandeln. Geschieht dies nicht, so bleiben den Sitzungen . nicht nur diejenigen fern, die die Logenzugehörigkeit aus irgend welchen äußeren Gründen benötigen, sondern auch die geistig interessierten Brüder werden nach einigen Probejahren lau werden, weil sie kein Bedürfnis haben, dauernd an der Schale herumzuknabbem, ohne daß sie auch den Kern wachsen sehen. Wenn trotzdem viel mehr Geistige iu die Logen eingedrungen sind als in früheren Jahrzehnten, wie Br. Oroßsekretär in einer Uebersicht feststellt, so kann auch diese Tatsache leicht zu einem Fehlschluß führen. In unserer Zeit des Anti- - semitismus hat jeder Jude, wenn er überhaupt noch mit — 212 —

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