Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1928-11-01 · Nr. 11 - November (11.1928) · p. Seite 210

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 11 - November (11.1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 210 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6727475-6029143-6074778--1881-4868500
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Männern und Fyäuin zugänglich ist. In No. 43 Vom Juni 1928 der Mitteilungen aus dem Verein Deutscher jFreimauner ist aber zu ersehen, daß die Freimaurergroßloge von Frankreich ihren Logen je|ien offiziellen Verkehr mit diesen gemischfen Logen verbietet. Vertreter der dortigen Großlo^e werden bei Arbeiten, an welchen auch Mitglieder des »Droit humain« offiziell beteiligt s nd, nicht mehr erscheinen. Wenn die|s in den gewiß frauenfreündlichen Frankreich für nolwendig erachtet wird, so haben sich wahrscheinlich bei den »Loges Mixtes* jene Verfallserscheinungen gezeigt, die wir vermeiden wollen. . - Wir haben allen Orund, gerade in der heutigen^Zeit, die eine Wachstumskrise unserer Logen bedeutet, von gewagten Experimenten; fernzubleiben. Die deutschen U. O. B. B.*Logen I sind mit zu großer Arbeit aufgebaut, als daß | wir ihren Bestand durch Veränderungen, die j einen Umbau der Fundamente verlangen, er- | schüttern sollten. * {' I , t J^Gusta^Bradt. * ■ Durch den unerwarteten Tod unseres Bruders Sanitätsrat Drj Gustav Bradt ist nicht bloß die Timendorfer Jubiläums - Loge, zu deren Begründern er gehörte und deren Ex-Präsident er war, aufs schmerzlichste betroffen worden. Es handelt sich um ^inen Verlust, den die ganze Judenheit, zumal das Judentum in Deutschland/ erlitten hat. Das hohe Interesse, das er dem Orden und seinen ^dealen entgegenbrachte, blieb nicht Theorie. Erj bewährte die Wohltätigkeit in einem Ausmaße, weil sie still, ganz das nur ganz wenige kannten, still ihre Wege ging, aber fast grenzenlos war, wopei das zarte Empfinden für die Gefühle andererbespnders wohltuend wirkte. Bradt war ein erfolgreicher Arzt, der nie aufhörte, sich mit - den Fortschritten seiner Wissenschaft vorwärts und aufwärts zu.bewegen, um Menschen helfen zu, können, jund Bruderliebe zu betätigen. Gustav Btodt war eine starke aber gleichzeitig . zurückhaltende Persönlichkeit Ihm lag vor allem an der1 Eintracht im Judentume. Er gehörte einer ganz bestimmten Partei im Judentume an, wo er-bewußt und bewährt als treuer Arbeiter eine unzweideutige Richtung verfolgte. Das ließ ihn doch nicht so sehr als Parteimann erscheinen, wie ausgleichend wirken. Er fand milde urid wohlwollend überall das Gute, auch wenn es von anderer Seite herkam. So war er ein aufrichtiges Mitglied seiner Partei, stand aber doch (hoch genug über den Parteien, um bei allen Wohlgelitten und gerne gehört zu sein. Seines Wesens Kern war die Liebe ziinj jüdischen Volke upd zum Judentume. Besonders die jüdische Kultur in ihre^ alten Form und in ihrer neuen Gestaltung war der Gegenstand seiner tätigen Liebe, Deshalb nahm -er (1917) den Ruf von Frahz Rosenzweig und Hermain Cohen freudig auf, für die jüdische Kultur und | das Wissen vom judentume eine Akademie , zu gründen, die in systematischer Zusammenarbeit und auf breiter planmäßig entworfener Grundlage jüdische Gelehrte zur vorurteilslosen Erforschung aller jüdischen Wissensgebiete vereinigen soll. Als der Ruf ertönte, fand e r, daß »es Zeit war«, und nahm freudig die Pflicht und die Arbeit auf sich. Aus seiner Liebe zur jüdischen Kultur heraus wurde er der geschäfisführende Schriftführer des »Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie der Wissenschaft des Judentums« (im Ehrenamte) und schuf als solcher wirklich erst die Akademie. Ohne die hingebungsvolle Arbeit anderer zu leugnen oder zu verkleinern, muß man feststeilen, daß Gustav Bradt die Seele und treibende Kraft des Akademievereins, aber auch der Akademie selbst gewesen ist. Ohne zu beanspruchen in wissenschaftlichen Dingen mitzureden, hat er die Arbeit in weitem Sinne gefördert. Daß Hermann Cohens jüdische und kleine philosophische Werke erschienen sind, und das große Mendelssohn-^Werk im Gange ist, ist sein Verdienst. Mit dem Interesse für die jüdische Wissenschaft, die ihn dazu führte, daß er die Rettung des statistischen Materials von dpt Volkszählung für jüdisch-wissenschaftliche Zwecke durchführte, verband er eine feinfühlige und sorgsame Fürsorge für jüdische Gelehrte, bei denen j1 er besonders den hoffnungsvollen Nachwuchs wie ein liebevoller Vater förderte und sicher1 stellte, aber ajuch die alten, Mangel leidenden Gelehrten nicht vergaß. Die gleiche Herzens- ( güte war es, ijlie ihn der Arbeit für die Chewra Kadischa zuführte, und die ihn zum Mitgründer des jüdischen Kinderheims in Bad Eimen machte. 210 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.