Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 192 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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gc'egenheiten mehr Existenzmöglichkeiten zu bieten,- .11.f dem Lande, in den kleinen Städten drückte die gesellschaftliche Isolierung,- die politischen Ver* häftnisse,- die Tätigkeit des Landbundes, <}er Gc* nossenschaften, der Stahlhelm* und Wehrwolforganisationen wirkten verhetzend, und so waren immer mehr Anreize zur Abwanderung gegeben. Wie stark die Umschichtung nach dem Kriege ist, mögen folgende Uebersichten zeigen. Zunächst einige Stichproben aus den abget'repnterr Gebieten: Gesamteunanmeder Bevöl- Gleichzeitige Abnahme dgr licrung in Prozenten «ährend jüdischen Seelen in Prozenten: der letzten 15 J ihre-: Gesamtzunahme der Bevölkerung in Prozenten: B der Bromberg 7/ i 27 Posen 18 ‘ ' Gnesen 4 - 82 iThcrn 50 79 Kempen 4 - 89 Strasburg i P. 15 ■. ' - 90 Wronke -o- 78 1 arnowitz 3 50 Myslow'tz 19 . (9 Rybnik _S : -9 ,67 Ueberall muß man feststellen, daß bei enormer Zunahme der Gesarrrtbevöfkerung viele jüdische Gemeinden geradezu einer völligen Auflösung anheimfallen. Sodann ein Blick auf das Reich selbst/ hier verlieren beispielsweise die kleinen undiMitrelstädte: Gesamtzunahmeder Bevöl- Gleichzeitige Abnahme der kerui.g «\hrend der letzten jüdis.hen Seelen in Prozenten _15 Jahre in Prozenten: Kolberg 4o *s Hirsch berg?1 5 - Gr Strehiitr -4> 32 Kreuzburg 16 2"> Le.obschiirz 9* 28 Bieicherode 21 23 Hameln - 25- •; i8 Norden 64 .. 16 Münster 24 ~ - - 7 E schwege 10 19 ' . Marburg 7 30 Duisburg i ■ 12 22 Bonn. 6 ‘ 17 Kaiserslautern 3 4 Bamberg 7 15 Plauen 12 . 47 Bruchsal "8 6 Dagegen weisen Vermehrungen auf z. B : Gestmtrunahmeder BevöJ^ Gleichzeitige Zunahme kerung in Prozenten: judisrhen Bevölkerung Prorenten: Königsberg 11 ■ 15- Frankfurt.!.M. 19 32 ■ Stertii» 10 _ 3leichzeitig Zunahm jüdischen BevöJkerbH|[ in Prozenten vor dein Kriege ungefähr Breslau 19 Halberstadr 9 Magdeburg 8 •Halle ‘ 13 Altafi<j 12 Hannover 30 t Dortmund 50 Kassel 10 Fulda 20 Düsseldorf 26 Essen 70 Köln 51 Gleiwitz 27 Oppeln 38, - Hildesheim 10 Stuttgart 40 Hamburg’.' 30 Dresden 12 In Berlin, wo 135 000 Juden lebten, wohnen nach der letzten Volkszählung ca 175 000. Klar zeigt sich aus all' diesem die allgeneine Landflucht, das Zusammenrücken derl jüdischeil Be* völkerung in .wenigen Zentren, die Dezimierung der kleinen Kehillos. Auch sämtliche -Statistiken für dieüirigen deutschen Gebiete zeigen mit schretkenerregender Deutlichkeit, daß überall, wo noch vor einer Gene* ration Juden in ziemlicher Zahl auf dem wohnten, und ein. religiöses und physisches reservoir bildeten, eine ununterbrochene Abwancl in die Städte stattfindet. Wenn man hört, daß es in Preußen nodi etwa 900 Synagogengemeinden gibt, könnte - maji über den Umfang des jüdischen Lebens; erstaun: sein! In Wirklichkeit 'handelt es^. sich nur! um eine übergroße Zahl von Zwerggemeinden, die*sämtlich der Auflösung entgegengehen! Sie sind aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr in der Lage, , einen Kultusbeamten, geschweige denn eitlen Lehrer oder, Rabbiner anzustellen. Damit erlischt der letzte Rest des religiösen Lebens. Vielen Olten, in denen Generationen hindurch jüdische Instil utionen bestanden haben, ist es nicht mehr möglich, Gele dafür aufzubringen. Selbst die Pflege der Gräbei läßt sich nicht mehr durchführen! Die Friedhöfe verfallen, die Schulen veröden und müssen geschlossen, der Gottesdienst kann nicht m£hr abigehalten werden! Erschreckend zahlreich feind die Hilferufe aus den kleinen Gemeinden, die vor dem finanziellen Zusammenbruch stehen, gieren Mitglieder * — 192 —