Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1928-10-01 · Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928) · p. Seite 190

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928)
Date
1928-10-01
Page
Seite 190 (sequence 52)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6727475-6029143-6074777--1858-4868478
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

des Rechts, sondern in das dar Menschenliebe und sozialen Ethik hineingehören, wie z B. die hier aufgezählten: Armenpflege, Krankenbesuch, Totenbestattung. Bei Nichtjuden kommen ja naturgemäß diese Liebesdienste nur dann in Betracht, wenn dem Unglücklichen aus seinem eigenen Kreis keine Hilfe geleistet wird. Man denke besonders an die Totenbestattung: diese würden sjdi im Normaffall die eigenen Angehörigen nicht nehmen lassen, und eine Einmischung jüdisdierseits würde keineswegs die »Wege des Friedens« fördern. Man sieht - auf den ersten Blick, daß hier unter »Friedens wegen« die Befriedigung des sozialethischen Prinzips gemeint ist. Den »Wegen des Friedens« haben, übrigens auch manche andere Gemeindeiristitutionen ihr Dasein za verdanken. In der Mischna <Gittin 59 a —b> beginnt die Gruppe der aus »Friedenswegen« sich herleitenden Institutionen mit Beispielen aus dem inneren Gemeindeleben, an der Spitze die Rangordnung von Kohen, Levi und Israel bei der synagogalen Toralektion. In der darauffolgenden Mischna <Das 61 a> haben wir es mit einem eigentümlichen Fall zu tun, wo im Erlaßjahr das Entgegenkommen dem Nichtjuden gegenüber größer ist als dem Juden gegenüber, weil es letzteren vom Gesetze aus verböten ist, Bodenarbeiten zu verrichten, was dem ersteren gestattet ist Noch ein Wort» über die. Synagoge. Diese bildet einen der Hauptbestandteile der Gemeinde! Ihre hohe Bedeutung für das gesamte Gemeindeleben findet an einer andern Stelle die entsprechende W ürdigung. Hier soll wiederum nur auf das Moment der Universalität im jüdischen Gemeindeleben hingewiesen werden. Schon der Name weist darauf hin, daß die Synagoge ein Haus der »Versammlung« <Bet ha-Kriesdt> im weitem Sinne des Wortes war. Die Konsequenzen dieser Nebenbedeutung für das innerjüdische Leben, besonders für manche Punktendes praktischen Rechts, wollen sfir hier nicht weiter verfolgen, doch soll ini kurzem (noch darauf hingewiesen werden, daß ajich inj d^r Synagoge eine mehrfache Verankerung! mit dem jAußenleben •gegeben' war. Vor allem war die Syhagoge auch der nichtjüdischen Welt geöffnet, unjj ,es wurde auch ergiebiger Gebrauch davon i gemacht. Die Synagoge hat au h manche Anerkennung seitens der Außenwelt zu verzeichnen. Es kanien ihr vielfach Weihgesche.nk« auch von Nichtjüdenj zu, die von den Rabbinern dan tbar entgegengenpmtrien wurden <Krauß, Synagogaie Altertümer, 161>.! Die Liturgie für das Wohlergehen des Landes t|nd der Regierung findet schon in der Misdma (Abot III, 2) ihren Ursprung. Der Zusammenhang zwischen Synagoge und der Außenwelt im weiteren Sinne des Wortes findet seinerr| symbolischen Ausdruck in manchen alten Synagogen auch dä|in, daß sie die Fahne des betreffenden Ortfes older Landes als Bestandteil ihrer Einrichtung enthalten. Ein weniger bekanntes Beispiel zeigen! die jbeigefügten zwei Bilder, die das Innfere der Sthalonji-Synagoge in Rhodus (erbaut 1593> darstellen. Sije stammen vön Br. Ludwig Laqueur, Bfeslau, dt r sie im Vorjahre bei seinem Besuche in khodus aufnejhmen ließ. Auf dem einen der Binder sieht män aft der Hauptwand von der einen Seite die! italienische Fahne, von der anderen Seite eine ejas jüdische Gemeinwesen kennzeichnende Fahne. Alter und Entlegenheit der Stätte beweisen auf ieden Fall, d^ß'die jüdische Gemeinde seit den ältesten Zeiten kein bloßes Innenleben geführt hat, iondern in allen ihren Institutionen und Lebensaußerungen Rechnung trug . den ethiSch-humanen F^rderunjg im weitesten Sinne des Wortes en j- . r und) e»n zusammenstimmendes Verhalten zwischen) Judentum und LImwelt zu ihren (höchsten Aufgaben gezählt hat. ) ,i!! ' Der Verfall der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Von Ludwig Davidsohn.! I! ' Keiner Bevölkerungsgruppe ist irgendwo im Laufe einer vieltausendjährigen Geschichte soviel Leid und Unrecht zugefügt worden wie der jüdischen. Daß sie sich in den meisten Ländern bis auf den heutigen Tag trotzdem gehalten hat, ist ein in der Geschichte einzig dastehendes Faktum. Die aus der Urväterzeit überlieferte reine Gotteslehre, verbunden mit einem auf unerreichter. Höhe-stehenden Sittengesetz, schlang ein festes Band um die abgesonderten, in gedrückten Verhäftnissen lebenden, von allen andern verach» r . . Tci teten jüdischen Volkssplitrer. In der erdi des 19. Jahrhunderts fieljen die Ghettoma vor dem Gesetz, später zum großen Wirklichkeit Mit großer Intensität wa weite jüdische Kreise geistigen Beruf« der Geistesgeschichte ihrer Heimatvölker und leisten sie Hervorragendes. Aber etw* scheint doch an dem Verschiedentlich Worte zu sein, das Judentum gliche ei fälligen Gebäude, das bloß, weil ds bisher ten Hallte uern, drst auch in ldten sicheln zu, in leisteten as Wahres raudijten dem biuvon a|len gjebi — 190

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.