Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 160 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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in der Mitte des Jahrhunderts begann /nit der Umwandlung des Agrar» in den Industriestaat und der dadurch bedingten Aenderung der wirtschaftlichen und Verkehrsverhältnisse die Abwanderung der Juden aus den kleinen Orten in die Stadt und Großstadt, eine Bewegung, die heute noch anhält und große Gemeinden schuf, denen aber dringendere Aufgaben zufielen, als die Erstellung und Unterhaltung eines eigenen Krankenhauses. Und bei der Planung eines solchen ist ein Punkt wesentlich zu beachten So groß und verständlich, der Wunsch vieler jüdischer Kranken nach Pflege jn einef jüdischen Anstalt sein mag Und demzufolge die Neigung der Gemeinde, ihm durch einen Bau Rechnung zu tragen,» der Zweck würde mcht erreicht, wenn nicht I Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. von vornherein eine größere Bettenzahl, nicht unter 50, in Aussicht genommen würde. Denn die Behandlung der verschiedenen Arten innerer und äußerer Krankheiten im Krankenhaus erfordert so viele und kostspielige Einrichtungen und stellt solche Ansprüche an fachärztliches und Hilfspersonal, daß, nur wenn eine dauernde, nicht zu kleine Be» legung gewährleistet istj noch ein geordneter und einigermaßen ökonomischer i Betrieb ^möglich ist. Die Baukosten für ein Krankenhaus betragen heute ca. 12 000 Mk. pro Bett. Nun steht aber bei dem Familiensinn der Juden und aus andern hier nicht zu erörternden sozialen und psychologischen Umständen die relative Zahl der in Krankenhäusern verpflegten Juden weit hinter der der anderen Konfessionen zurück, trotzdem bei der heute großen Zahl der jüdischen j<rankenkassenmitglieder von diesen viele dem Krankenhause zugewiesen werden. Während in Deutschland im Durchschnitt auf 1000 Einwohner 5.4 Krankenbetten entfallen3), in Berlin. 6,2 in öffentlichen Krankenhäusern auf 1000 Einwohner <21 000 fetten) zur (Verfügung 'stehen, in Köln 10.4 <7590 Betten), kann dem Bedürfnis der jüdischen Bevölkeruhg mit eitler relativ geringeren Bettenzah* Genüge geschehen. Die umstehende Tabelle zeigt dementsprechend auch, daß in den großen jüdischen Krankenhäusern die Zahl der jüdischen Kranken jm Hinblick auf die Seelenzähl der Ge» meinden weit hinter dem Durchschrift der Ver» pflegtenziffer in allen) preußischen Anstalten, auf 1000 Einwohner gerechnet, zurückbleibt. * Auf 10009 Einwohner in Preußen betrug die Verpflegten» Ziffer 1920 : 474, 1923: 392, in Berlin 530,54). Demnach wären auf Berlin entsprechend seiner jüdischen Bevölkerung 13.250 Krankenhauspfleglinge entfallen, auf Breslau 1590, auf Köln 1060. Au genommen wurden aber jüdische Kranke in diesen 3 Krankenhäusern 2107 bezw. |863 bezw. 550. Dabei ist j noch zu berücksichtigen), daß die“ jü» «dischen Anstalten auch von Auswärtigen und Durchwanderern .viel besucht werden. Bei der Bewertung aber der jüdischen Krankenziffern in den jüdischen Anstalten für statistische 'Zwecke, insbesondere auch 'ftr die Morbidität und soziale Struktur lassen Gründen aufsuchen müssen ler Juden werden, daß Die Ausgaben größtenteils durch die darf, nicht außer acht ge» viele* Juden aus besonderen andere Kr inkenhäuser aufsuchen oder der Krankenhäuser werden Einnahmen aus Pflegekosten bestritten tind zwar bei den jüdischen IjCrankenhäusern, die unter die Kategorie der >öffentlichen gemeinnützigen« fallen und Kassen- und Wohlfahrtskranke aller Konfessionen aufnehmen, von 'den *> Hofftnan: Bedeutung der öffentlichen Krankenhäuser. Zeitschrift für Krankenhai iswesen 1926’Heft 6. 4> Solbrig: Heilanstalten .in Preußen. Zeitschrift für Krankenhauswesen 1926 Heft 5 I 160