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Der Orden Bne Briss · 1928-10-01 · Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928) · p. Seite 142

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928)
Date
1928-10-01
Page
Seite 142 (sequence 4)
Language
German
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Die Bedeutung der jüdischen Gemeinde für die Erhaltung des jüdischen Menschen. r Von Ismar Elbogen. Man hat für das Rätsel der Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft inmitten einer Welt von Feinden die verschiedensten Lösungen gesucht. Eine der treffendsten 'Deutungen, die viele andere in sid» begreift, ist das Bestehen derj Mischen Gemeinde. Man braucht sich nur die naheliegende Frage vorzulegen: Was ist aus den zehn Stämmen des ' israelitischen Nordreichs geworden? S4e sind in der Fremde spurlos untergegangen. Trotz aller Ansprüche auf Herkunft,von den zehn Stämmen, die von Zeit zu Zeit an den verschiedensten Enden der Erde geltend gemacht werden, hat sich nirgends eine sichere Spur von ihnen, niemals ein geistiger Zusammenhang mit ihnen na<hweisen lassen. Das kleine Häuflein Judäer aber, das in die babylonische Verbannung verpflanzt wurde, hat sich erhalten und als so wurzelfest erwiesen, daß es dem' Judentum eine ganz neue Prägung zu geben vermochte. Unter den Exulanten in Babylon entstand eben die Gemeinde, jene Vereinigung von Menschen, die durch eine gemeinsame Idee zusammengphalten wurde und aus ihr liebehs« kraft schöpfte. Als die * Verehrer des Gottes, des Himmels und de^ Erdec lebten sie im vollen Bewußtsein ihrer Familien- und Heimatszugehörigkeit. Das war eine Verbindung, dieausdemUeblichen herausfiel, Menschen nur nach ihrer politischen oder stammesmäßigen Zugehörigkeit einzuordnen,- hier entstand eine Reichtsgemeinsdiaft völlig neuer Art, eine Umwälzung in der Organisationsform der Menschen, die weit über den jüdischen Kreis hinaus bis heute förtwfrkt und eine Fülle von Segen geschaffen hat, dessen die wenigsten sich bewußt werden, die an ihm teilnehmen. Die erste Wirkung dieses Zusammenlebens der Exulierten war die (Erlaubnis zur Rückkehr in die Heimat, ein in der Geschichte aller Völker bis dahin unerhörter Vorgarjg. Dabei bleiben die Gemeinden derer, die nicht zurückkehrten, bestehen uncf genossen ihre Rechte weiter in vollem Umfange- Die wahre Bedeutung der Gemeinde als Kraftquelle sollte sich bald erweisen, als Alexander der Großd und seine Nachfolger zu umfassenden Städtegründungen schritten, als sich auch der Juden der Wandertrieb bemächtigte und sicht ihre Niederlassungen immer weiter über die antike Welt ausdehnten.' Damals begann der Jude sein Diasporadasein im eigentlichen Sinne, und die Gefahr verstärkte sich, daß er in der Fremde unterging. E geschah nicht, weil die jüdische Gemeinde ihn davon behütete. Wenn ein Jude itT die Fremde zog war er nicht verloren/ wo er hinkam, traf er Ge * meinden vor, oder er schloß sich mit Landsleute; ■zu solchen zusammen / es kann nicht leicht über . schätzt werden, was wir dieser gemeindebildenden' Kraft, die sich von der Zeit des hellenistischen Altertums bis zur Erschließung Amerikas odet Afrikas in unseren Tagen bewährt hat, als Schutz - wehr verdanken. Die Gemeinde wird seit den ältesten Zeiten in den Privilegien berücksichtigt, die den Juden erteilt werden. Wenh nicht schon Alexander selbst jsie anerkannte, so hat sicher Anticjchus der Große <um 200> Religicjns- und Gemeindefreiheit zugesicherr, Als die Hassmonäerfirsten - Jonathan und Simon das Bündnis mit den Römern emeuertjen, dachten sie nicht nur an di^ Juden in der Heimat, sondenj auch an die Gemeinden in der Diaspora und sicherten ihnen den Schutz des Gesetzes. So ist es denn im Römerreiehe geblieben, den Juden war im Gegensatz zu dem sonst strengen römischen Vereinsrecht generell überall die Erlaubnis verliehen, sich in Gemeinden zusammenzuschließen. Ganz gleich/ ob der einzelne Jude Orts- oder Staatsbürgerrecht besaß oder wo er sonst zuständig war, er hatte ohne weiteres das Recht, das die Zugehörigkeit zur 'jüdischen Gemeinde ihm verlieh, hatte dort seinen Gerichtsstand. Er lebte auch nicht hilflos in der fremden \X ■ Ir, denn die Gemeinde hatte ihre sozialen Ein’r htungen und entwickelte früh ein starkes Solhfcri bewußtsein. Die Gemeinde sorgte für Unter; hatte ihre Arbeitsvermittlung, kannte Armen« Wandererfürsorge, schuf ihre hygienischen 1 riditungen, ihre Geselligkeit; ihre Synagogen und ' zuletzt, was man im Altertum sonst kautrt kai ihre Friedhöfe. Alle diese Funktionen kittetet Menschen aneinander und an die Gemeinde, beu der Vermischung und raschen Auflösung vor. Siegel des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Prag s» it, id :1» nt e, i< :t 142

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