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Der Orden Bne Briss · 1928-08-01 · Nr. 8 - August (8.1928) · p. Seite 102

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 8 - August (8.1928)
Date
1928-08-01
Page
Seite 102 (sequence 2)
Language
German
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Hier sei nur einiges nachgetragen, das für unsere Arbeiten in der Zukunft von Nutzen ist. Ehrengroßpräsident Br. Timendorfer war — wie er in seiner kurzen Antrittsansprache im Jahre 1898 andeutete — vor allem darauf bedacht, die Integrität des deutschen Distriktes, seine Einheitlichkeit zu erhalten und zu befestigen. Tritt der Orden — so war der Sinn seiner Ausführungen —- als ein einheitliches, geschlossenes Ganze nach außen auf, so wird seine Stimme bei allen wichtigen Fragen, die das Gesamtjudentum betreffen,- nicht unbeachtet bleiben. Sind die Verhältnisse des Ordens nach innen gefestigt, so wird man auch daran gehen können, an die Verbreitung des Ordens zu denken. Bei all seinem Streben, die Ordensidee in immer weitere Kreise zu tragen, mahnte jedoch Br. Timendorfer bei der Auswahl der Aufzunehmenden sehr vorsichtig zu sein, da ein ungeeignetes Mitglied leicht die innere Harmonie einet Loge gefährden und das Ansehen des Ordens nach außen schädigen könne. Auch für die Logen gelte der bekannte Satz: »Wägt eure Mitglieder, zählt sie nicht mir«. Insbesondere empfahl Br. Timendorfer, bei Neugründungen von Logen langsam und bedächtig vorzugehen, »Wenn irgendwo das Sprichwort, daß nur das gut wird, was länge währt, noch Anwendung findet, so gilt dies für Neugründungen, von Logen. Wir wollen nicht Mitglieder, die wir' nur überredet haben, sich uns anzuschließen, sondern die wir überzeugt haben, daß sie gut tun, sich uns anzuschließen«. Getreu diesen Prinzipien wirkte Br. Timendorfer werbend für die Verbreitung des Ordens. Kreise, die bis dahin unserm Bunde femgestanden haben, schlossen sich ihm gern an; man begann es in' der judenheit als Auszeichnung' zu betrachten, dem U.O.B.B. anzugehören, um an seinem segensreichen Wirken teilnehmen zu »können. Unvergeßlich sind uns Brüdern die Logeninstallationen, die durch Br. Timendorfer geleitet wurden, und die von seiner unermüdlichen Arbeitskraft und von seiner peinlichen Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue Zeugnis ablegen. Jede Rede zeichnete sich durch Gedankentiefe, durch edle Sprache und Wärme des Ausdruckes aus. Gleichviel ob die zu begründende Loge zu ihrem Namenspatron einen Propheten, einen jüdischen oder christlichen Oelehftai,, einen Staatsmann oder Politiker erwählte, stets vertiefte | sich Br. Timendorfer in die Schriften dieses Patrons j und verstand es, in seiner Rede die | Persönlich- 1 keit ■ und Wirksamkeit dieses Oeistesheroen; mit den Aufgaben des Ordens zu verweben. i Die Installationsreden von Br. Timendorfer sind keine Schablonenreden, sondern tiefgründige und gehaltvolle Studien über den betr. Namenspatron. i Dadurch gewannen seine Ansprachen an Aktualität j und Lebendigkeit und begeisterten die bei dem Oründungsakt anwesenden alten und neuen ' [ Brüder. Nich minder interessant gestalteten sie die Arbeitssitzungen, bei denen wir die Innigkeit seines kindlichen Gemütes, gepaajrt mit der durchdringenden Schärfe seines Verstandes zu bewundern Gelegenheit hatten. Stets gewissenhaft vorbereitet, mit der Materie gut vertraut, verstand es Br. Timendorfer, selbst 'bei schwiej rigen Verhandlungen auf Großlogentagungen, in Sitzungen des Generalkomitees und des Oe-! ~schäftsausschusses das punctum saliens, den ' I springenden Punkt, auf den es ankommt, hefqusf zugreifen und festzuhalten, die Debatten abzuj kürzen, die Gegensätze zu mildern und wohli durchdachte Beschlüsse herbeizuführen. Und 1 gingen zuweilen die Wogen hoch, und waren die Diskussionen aufregend, so beschwor sein warmherziges Wort den Streit und brachte den Brüdern das gemeinsame Gebiet in Erinnerung, das der Pflege der Bne Briss anverj traut ist I i Diese Versöhnlichkeit und Friedensliebe wurde nicht nur im Kreise des Ordens, sondern auch von Außenstehenden besonders geschätzt, so daff Br. Timendorfer bei innerjüdischen Parteikämpfen stets als Schlichter und Mittler angerufen wurde. Zu seinem Geburtstage ist es uns aufrichtiges Herzensbedürfnis, ihm in treubrüderlicher Gesinnung unsem innigsten Dank zu wiederholen für all das Schöne und Gute, das er unserm Distrikte und dem Gesamtorden geleistet hat. Mit diesem Danke verbinden wir unsere wärmsten Wünsche. ef. i i I

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