Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 98 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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stillschweigend verhalten. Kaatz nimmt das Problem wieder auf, mit dem schön Jehuda Hälevi und Asarja de Rossi gerungen haben, und zeigt, durch wieviel Schwierigkeiten und Unklarheiten man sich erst noch den Weg zu bahnen hat, um aus dem biblischen Zahlenmaterial von Generationen und Zeiträumen unter Berücksichtigung der chronologischen. Auffassung der Talmudliteratur das gegenwärtige jüdische Jahr 5688 zu errechnen. Diese Zahl stellt aber keinen wissenschaftlichen, sondern einen rein religiösen Wert dar, und ihr Anspruch auf eine ehrfürchtige und respektvolle Beachtung beruht vor allem auf den heiligen Urkunden des Judentums, aus denen sie gewonnen ist. Die fedtsche Weltschöpfungsära kann die Ergebnisse der modernen WeMwissenschaft nicht verleugnen, aber so lange hier immer, noch Hypothesen und Theorien miteinander wechseln, ohne daß ein einheitliches, über alle Zweifel erhabenes Resultat erzielt ist, hat auch die jüdische Jahreszählnng ihre Berechtigung, womit jedoch nicht gesagt sein soll, daß' sie zu den unumstößlichen dogmatischen Wahrheiten des Judentums gehört. Der durch seine früheren Veröffentlichungen rühmlichst bekannte Verfasser hat hier auf wenigen Seiten eine geistreiche, instruktive, von umfassender Sachkenntnis zeugende Arbeit geliefert und wieder einmal bewiesen, daß Ehrfurcht vor der Tradition und klares wissenschaftliches Denken durchaus vereinbar sind. , * I. G. 4 Michael Abraham: Lilodenu, für unsere Kinder. Neue hebräische Lesefibel, illustriert von Oscar Habe r e r. 39 Seiten. Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1928. Preis Mk. 1,60. Der bewährte Pädagoge, Br. Abraham, dem wir bereits mehrere Lehrbücher für den hebräischen Unterricht in den Religionsschulen verdanken, hat, wohl angeregt durch das Buch Oroh w’simchah von Mandelbaum, eine neue Fibel geschaffen, die gegenüber seinen früheren Fibeln einen Fortschritt bedeutet. Die Bildbeigaben, die' von Oscar Haberer, Berlin, dem bekannten Künstler auf dem Gebiete der Holzmalerei herrühren, werden sicherlich unsere Kleinen erfreuen und den Unterricht beleben und fördern. Die meisten sind dem religiösen Leben entnommen und stellen Kultusgegenstände und Bräuche in Haus und Synagoge oder Szenen aus der biblischen Geschichte dar, und das ist sehr begrüßensr wert, da unsere Kinder .im Eltemhause zu wenig davon sehen und das Gotteshaus nur selten besuchen. Ob das große Format für die Kleinen sich bewähren wird, und ob die Leseübungen, die mit pädagogischem Geschick aus dem Gebetbuch und .der Pessach-haggadah gewählt, genügen werden, das wird die Praxis zeigen. Wir wünschen der schön ausgeslatteteni neuen Fibel weite Verbreitung und viel Erfolg. *- E. F. Lorenz Dürrs Religiöse Lebenswerte des Alten Testaments (Veröffentlichung des Katholischen Akademikerverbande?;, Freiburg im Breisgau 1928, Herder. 3 M., in Leinwand 4.20 M. Mit reichen, meist schlicht uad gut übersetzten Proben aus dem Alten Testament werden dem Leser die religiösen Lebenswerfe der Bibel nahpgebracht. Wodurch zugleich erwiesen sein soll, welcher Ewigkeitswerte in unserer heiligen Schrift ruhen. Werte, deren Ueberzeitlichkeit und Ewigkeit jedes empfindsame Gemüt noch heute nachspüren kann. Die Beruhigung in der unbedingten Hingabe an den Willen den Hö hsten, die Befreiung in allen tagen des Zweifelns und Verzweifelns, das. Vertrauen in Freude und in Leid, die Einfühlung in das Ueberirdische der Welt werden gut vorgetragen. Das Buch ist dadurch schon sehr wohl dazu angetan, die Liebe zur Bibel zu wecken, was ja leider noch immer nötig ist. Aber der Vorzug des Buches erhöht sich noch durch die Hinweise auf die Wirkungen die das biblische Wort im eigenen Leben ausüben kann, und durch die a \ große Einleitung, die Von der geistes- und religions-l Geschichtlichen Bedeutung der Bibel, von dem Einfluß es Monotheismus, von der naturnotwendigen Verbindung1 von Religion und Sittlichkeit spricht. 1 So wird der Oedankenreichtum der Bibel hier in, würdiger Weise vorgetragen. Die Lektüre kann eine Ver-, tiefung, Verinnerlichung der Kenntnis vom Alten1 Testament bewirken. Man muß ein Solches Buch auch Juden empfehlen, weil wir von jüdischer Seite einen! großen Mangel an derartigen Schriften einges ehen müssen.! Bef dieser Empfehlung darf man nicht verheimlichen, daß| der Verfasser zu sehr im Christentum steckt, als daß er| dem jüdischen Inhalt der Bibel ohne jedes Vorurteil be-, gegnen könnte. Es wird .noch vom »Jache des Gesetzes«, von der »kleinlichen Kasuistik«, von der neutestament-1 liehen Höhe, von j dem neuen Bund, [der Erfüllung und] Vollendung des Christentums zu oft gesprochen. Auch würden die kritischen Angaben über die Ehtstehungszeit der biblischen Schriften besser fortbleiben. Möge das Buch, das durch Sachregister, Anmerkungen und weitere Literaturangaben auch Hilfsmittel der! guten Benutzung1 enthält, der Bibel neue Wege ebnen! Rabbiner Dr. A. Po $ n e r, Kiel. Dr. H. Guthe: »Palästina«. Monographien zur Erdkunde. Band 21, mit 158 Illustrationen und 1 Karte. 2. mehrfach umgearbeitete Auflage 1927. — Verlag: Vel-1 hagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig.! — Preis M. 8.—. Der schon früher geschätzte Band- »Palästina« von Dr. H. Outhe - (aus der Sammlung: Monographien zur' Erdkunde) ist in einer reich geschmückten Neuauflage herausgekommen. Zwanzig Jahre nach seinem ersten. Erscheinen (1908) ist er jetzt, nachdem er lange Zeit vergriffen war, grundlegend auf den allemeuesten Stand der i Wissenschaft gebracht worden. Hier kann man nun, unter Mithilfe,von 158 schönen , (auch instruktiven) Illustrationen belehrt Werden: wie., dieses Land Palästina eigentlich aussieht. Wie es mit dem Klima, mit der Fruchtbarkeit des Landes, mit seinen! Bodenschätzen, mit seiner Tier- und Pflanzenwelt, mit \ seinen Ureinwohnern, mit der Gliederung des Binnenlandes und der Meeresküste bestellt ist ... auch nebenbei, wie die Einwanderung und Besiedlung durch Zionisten sich auswirkt. Dr. H. Outhe, der kein anderes Interesse hat, wie ein rein geographisch-wissenschaftliches, wie das, was da ist, zu erforschen .... er prophezeit nicht und er bekämpft; nicht, er hat keine jandere Aufgabe, als das Land und seine ganze Art zu beweisen. Und nur dieser Beweis > kann in dem Streite um-das Land helfen. Ein pnpartei- , ischer Gelehrter dibt Unterlagen .... Nun kann man dem Streite sachlich näherkommen. Siegmund Reis, Hindenburg O.-S. * ' I ' - Die Gesellschaft für jüdische Familienforschung versendet soeben das erste Vierteljahrsheft des laufenden Jahrgangs ihrer Zeitschrift, in dem der Warschauer Irrenarzt Raphael Becker die Bedeutung der Rassenhygiene für die jüdische Familie erörtert. Aus der spezii fisch jüdischen Einstellung zur Ehe und Brautstand ergeben i sich eugenische Möglichkeiten besonderer Art, die, wahr- ] scheinlich in den nächsten Jahren zu steigender Bedeutung; gelangen werden. — Dr. L Sik, Zagreb, einer der I Führer der Jugoslaviscben Juden, schildert die Oenealogie; seiner eigenen Familie, die bis 1574 urkundlich nachweis- | bar in Prag und Wien eine große Rolle gespielt hat — j Max Markreich, Bremen, bringt aus einer, bereits! vor 20 Jahren erschienenen historischen Studie die sämt-! liehen von 1300 bis 1500 in niedeisächsiscben Städten ■ nachweislichen Juden. Die Hauptrolle’ spielen als die . ältesten Gruppen die Braunschweiger Familien David, die Gosiarer Familien Sampsons, Jordans, Dorenberg und die' ■ Brüder > j denket bei der Darreichung von Spenden auch an die Großloge. | f — 98 —