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Der Orden Bne Briss · 1928-06-01 · Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1928) · p. Seite 90

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 90 (sequence 14)
Language
German
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/ Rechnung hergestellte »Berliner Illustrierte« in Eidenbesitz — 1894 — zu übernehmen. Illustrierte Blätter, dessen werden sich viele Brüder ehtsinnen, waren damals noch nicht/ lange bei uns Mode: ihre Art, nämlich nach der schlechten Seite hin, die zuerst erkannt zu haben, das Verdienst Ullsteins und der Seinen bleibt, wird mit dem Worte »Gartenlaubenstil« bezeichnet: naiv-rührseliger Inhalt, holzschnitt- (mäßige Reproduktionen. An deren Stelle traten v nun fesselnde Artikel, vor allem aber rasch hereingebrachte photographische Abbildungen aktueller Ereignisse. Das packte die Leute, daß die Zeitung, wachsend ohne Widerstand in ihrer Auflage, rasend gekauft wurde und sich bis zur jüngsten Gegenwart immer mehr auch zu einem der gesuchtesten Insertionsorgane entwickelt hat. Inzwischen war die sogen; "Generalanzeiger- . -Presse entstanden, unpolitisch zumeist, mit einer oft etwas byzantinischen Tendenz, aber billig. Ullstein schuf daraufhin ein neues Blatt, die »Berliner Morgenpos t«', bei welcher zum ersten Male Wochenabonnements zu dem beispiellos billigen Preise von. 10 Pfennig ein» geführt wurden und auch die ganze Aufmachung dem Generalanzeiger-Typ angenähert war: keine Leitartikel, dafür eine umso innigere Verbindung zu allen Teilen des öffentlichen Lebens: .Parlament, Rathaus, Straße, Handelskontore, Rennplätze, Wasser, Eisenbahn, Fabrik- und Versammlungssaal. Der Erfolg war beispiellos. Nach 10 Tagen waren es 20 000, nach sieben Monaten 100 000, nach 16 Monaten 200 000 Abonnenten. Man konnte, so komisch dies klingt, dem Anstürm nur dadurch wehren, daß man den Wochenpreis’um 50°fo, also auf .15 Pf. erhöhte. Daß unter dieser Zersplitterung das Stammblätt, die »Berl. Ztg.« litt, liegt auf der Hand und auch dem wußte Ullstein zu begegnen, indem er sie in ein mittags erscheinendes Blatt umwandelte, was~es damals noch nicht gab: die »B. Z„ a m Mittag«, die auf diese Weise entstand und aus dem Bildendes heutigen Berlin nicht wegzudetiken ist. Man bedenke, daß Ullstein damals schon einige 70 Jahre zählte und bereits von seinen Söhnen unterstützt wurde, auf deren Schultern heute der Betrieb ruht — heute, wo Ullstein ebenso wie Mosse ein Begriff ist, ein Weltunternehmen, das inzwischen einen neuen Riesenbau für seine Druckerei in Tempelhof errichtet hat. Wer weiß, wohin die Expansionslust und die Expansiöhskraft dieses Hauses noch führen! 1913 wurde die »Vossische Zeitung« von den Ullsteins übernommen, die sie im alten, vornehmen Geiste weiteffüliren. Groß ist die Zahl der sonst noch hinzkigekommenen Ullsteinblätter und ‘besonders bem jrkenswert, daß jedes von ihnen, denkt msjn z. B. an sö Entgegengesetztes wie »Die Dame4 oder gar »Der Querschnitt« oder »Fridolin«, seine bestimmte Note hat und vorzüglich ün der Ausführung ist. Endlich verdient noch der Buchverlag Erwähnung. Ihm entstammet! seit etwa 20 Jahren die zwar oberflächlichen aber für die Reise gerade richtigen Kleinen Ullsteinbücher,, ferner die (mit der neuesten Ergänzung) 7 Bände von Ullsteins Weltgeschichte, die Hfefte »Musik für Äße« — gibt sich nicht in dieser ständigen Produktion ein stetiges, schrittweises Erobern aller menschlichen Interessengebiete durch.die Presse in der Hand eines Einzelnen kund? DreLPersönlickeiten zogen vorüber, die auf dem Gebiete des Zeitungswesensf Großes, auch in wirtschaftlicher Hinsich^ geleistet haben. Der erste, den wir betrachteten, wojlte sich noch ganz eng an das halten, was seihem Interessenkreis als Frankfurter Bankier am nächsten lag, die Börse. Unter der Hand wunde'j ihm daraus ein politisches Blatt, das in allen Schicksalsfragen Deutschlands eine Rolle gespielt hat und auch heute noch ein gewichtiges Wort|, mitspricht. Der zweite, von Hause aus det Presse schon näherstehend, hat Handel und Industrie das Geschenk des zur höchsten Wirkung {gesteigerten Zeitungsinserats gemacht und damit der Presse selbst Lebens- und AusbreitungsmJöglichkeiten. ungeahnten Umfangs erschloss«. Der dritte} war ein Kind des deutschen Bülrgerhauses aus j der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts:! schlicht in äußeren Dingen, geistig unter den Ausstrahlungen der philosophischen Bewegung} stehend, die durch Fichte, Schelling, Herder und zumal Hegel selbst in die engumfriedete Stillej der Bürgerstuben eindrangen. So entwickelte) sich bei dem beruflich vorgebilaeten Kaufmann| aus der Vereinigung von Geistigkeit und Wirt-i Schaft der literarisch denkende, organisatorisch, hervorragend veranlagte Verlegejr von Zeitung) und Buch. Und alle drei waren I sie und fühlte» sie sich als Jutien! Grund gen jg für uns, abgesehen von ihrer Wertigkeit als gu e Menschen und gute Deutsche, ihrer und ihrer Leistung mi( Stolz und Dankbarkeit zu gedenken. t K. 90

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