Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 86 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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t» ist lediglich für die graphische Kunst, auf der die modernen jüdischen Klassiker vertreten sind, und den modernen jüdischen Buchdruck reserviert. So gewährt denn die Jüdische Sonderschau einen Ueberblick über die in Vergangenheit und vor allem in der Gegenwart wirkenden Kräfte des Judentums. Sie zeigt, daß das Judentum lebt, und die jüdische Presse ein nicht zu unterschätzender Faktor des Weltgewissens ist. Daß daher die jüdische Sonderschau mit Recht auf das allgemeine Interesse rechnen kann, darauf hat nicht nur der Kölner Oberbürgermeister bei der Eröffnung derselben hingewiesen; auch der bisherige Besuch hat dies gezeigt. Daß die Brüder unseres Ordens an ihr nicht Vorüber gehen werden, dafür dürfte wohl ihre geistige Einstellung bürgen. Daß aber unser Ofden an der Jüdischen Sonderschau ein ganz besonderes Interesse nehmen wird, geht aus der von allen Rednern bei der Eröffnung der Pressa betonten Tendenz des Werkes hervor, das im Kern seines Wesens den höchsten Menschheitsidealen gewidmet ist. J Möge darum dile Jüdische Sonderschau mit ihren bescheidenen Gaben, aber mit qem Enthusiasmus, der aus dem ausgestellten Schrifttum spricht, dazu beitragen, jenes prophetische Ideal der Völkerverbrüderung ein y Stück seiner Verwirklichung näher zu bringen. j Jüdische Zeitungsgründer. *) Von Br. 'Dr. Richard Elb, Dresden. Wir kennen alle das antisemitische Schlagwort von der »Verjudung der Presse«, aber wir kennen auch die einzig richtige Antwort, die es darauf gibt und die in dem zahlenmäßig-statistischen Nachweis beruht, wie viele oder vielmehr wie wenige Blätter sich eigentlich in jüdischen Händen befinden bezw. von jüdischen Begründern stammen und in sozusagen jüdischem Geiste geleitet werden. Nun muß man allerdings hier hinzufügen, daß gerade im vorliegenden Falle sehr wesentlich die Qualität der in Frage kommenden Zeitungen mitspricht, mit anderen Worten: es ist kein Zufall, daß diese wenigen »jüdischen« Blätter die geistig höchststehenden und zugleich die verbreitetsten sind. Die Erkenntnis dessen sowohl als auch der im gute'h Sinne jüdischen Eigenschaften, die dem zu Grunde liegen, (wie rasche Auffassungsgabe — Intelligenz, Unternehmungs- -geist — Energie u a. m.) hat zweifellos jenes Maß von Neid, Mißgunst und Verleumdung erzeugt, das ja im großen und ganzen überhaupt die Wurzel des Antisemitismus ist. Aber noch ein anderes sei. vorausgeschickt, nämlich daß es sich hier nicht darum handeln soll, abzuwägen, welchem Blatt wir als Juden den Vorzug zu geben haben, ob z. B. dem »Berliner Tageblatt« oder der auch viel von Juden gelesenen »Vossischen Zeitung«. Dies ist zumeist *) Von den Verlagsfirmen 'ist .dem Verfasser dieses Aufsatzes freundlichst entsprechendes Material zur Verfügung gestellt worden. eine Sache der Gewöhnung. Hier geht es nur um die großen Gesichtspunkte, die uns klar machen sollen, was die betreffenden jüdischen Männer auf dem Gebiete des Zeitungswesens Großes geleistet u!nd zu dauerndem jBestehen hinterlassen haben. ' 1 Hierzu ist es nötig, als ein drittes wicklung der Presse in den letzten die Ent- 100 bis 200 Jahren, seit es überhaupt eine Zeitung etwa im heutigen Sinne gibt, zu streifen. Ursprünglich diente sie nur der Nachrichtenv^rmittlung und erfüllte diese Aufgabe so schnell oder vielmehr so langsam, wie es eben in einer Zeit, die weder Dampf noch Gas oder gar Elektrizität kannte, möglich war. Bereits unsere Klassiker aber unterhielten Blätter mit ausgesprochen gelehrter Tendenz und dieser huldigte von jeher die scho'n ervyähnte »Tante Voss«,-die seit 1704 erscheinend; noch heute den bekannten Untertitel führt: »Von Staats- und gelehrten Sachen«. Als aber dann Deutschland, abgesehen von der Kleinstaaterei, in jenes Parteiwesen zerfiel, wie wir es ähnlich und vielleicht ärger heute noch besitzen, wurden <jlie Zeitungen mehr und mehr in den Dienst einer bestimmten Partei gestellt, zu deren Sprachrohr in politischen und anderen Dingen sie sich machten. Es war im Jahre 1856. Berlin, damals eine Stadt von noch nicht einer halben Million Einwohner, hatte noch nicht die ihm heute eigene Vormachtstellung als sozusagen deutsches Kulturzentrum. E ne um so größere Rolle spielte damals Frankfurt, und wir müssen uns einer-, i S6 -