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Der Orden Bne Briss · 1928-06-01 · Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1928) · p. Seite 78

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 78 (sequence 2)
Language
German
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Umschmelzungsprozesse durch die geistige Struktur unserer Gemeinschaft, zwangsläufig gesetzt sind. . . II Um wenigstens in groben Umriss;n, wie es der zur Verfügung stehende Platz al ein ge? stattet, den bisher zurückgelegten Weg zu verfolgen, ist es erforderlich, einen kurzen, Rückblick aufdieGründungsgeschichte unseres Ordensdistriktes zu werfen und abseits von depipmgmatisch-historischen Verlauf fiie psychologischen Ursachen zu ermitteln, welche zu seiner Entstehung geführt haben. Wir wissen, daß sich in den a:htziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, in einer Zeit der Hochflut des Antisemitismus, einige wenige Männer, die teils selbst dem Freimaur srbunde angehört hatten, teils seinem Ideenkreise nahestanden, zusammenfanden, um eine Biudergemeinschaft jüdischer Männer zu bilden, in welcher diese ohne Furcht vor Zurücksetzung wegen ihres Glaubens und ihrer Abstammung ihren ethischen Idealen leben konnten. Wir wissen i auch aus unserer Or'densgeschichte, (laß die Pioniere die Anlehnung an einen bereits b< ‘stehenden Weltbund suchten, dafür den U. 0. B. B. für geeignet fanden und nach Uebervrindung großer Schwierigkeiten erreichten, daß di :ser die Patenschaft über die neu ins Leben zu rufende Loge übernahm. Unbekannt ist uns i|agegen ob dieses uns überlieferte dringende Bestreben .nach Ueberführung des Ordens aus Amerika nach Deutschland lediglich auf äußere 1, sozu-' sagen technischen, Egwägungeh beruh e, oder einem innerlichen, geistig und seelisch bedingten Bedürfnisse entsprang. Aus der Art, wie die Gesetze gebildet und in der Logenarbe t angewendet wurden, lassen sich indessen gewisse Schlüsse dahin ziehen, daß die Gründer unseres Distriktes bewußt auch in ihren Zielen von der Ideenwelt des Freimaurertumsabrücklen und innerlich den Bestrebungen des Unabt ängigen Ordens Bne Briss zuneigten, wie ihn Amerika geschaffen hatte. Jede Loge verkörpert das Streb« n nach menschlicher Vollkommenheit. Allen Logen ist auch die Forderung nach enger Verbünde lheit der Brüder zu gegenseitiger Hilfe, nach Pf ege der Wohltätigkeit und die Aufstellung ethischer Ziele allgemeiner Art gemeinsam. Darüber hinaus hjit der Freimaurerbund, wenn auch dieses Ziel in den rationalistischen Zeiten der Aufklärung und des Positivismus des 19.Jahrhunderts zurücktrat, aus den Bedingungen seiner En stehung heraus die Neigung, das Logenziel in der seelischen Betrachtung, ja sogar in der Steigerung zum mystischen Erlebnis zu suchen. Die Freimaurerbünde versprechen ihren Mitgliedern den Besitz von Mitteln, durch welche eineErhöhung oder Vervollkommnung oder Erlösung oder Vergottung, oder wie es der einzelne Bund ausdrücken mag, erzielt wird. Sie wollen mehr sein als eine ethische Gesellschaft. Die zurZeit in der maurerischen Bewegung herrschende Richtung, die damit aber nur auf alte Ueberlieferungen zurückgreift, erblickjt den Vorgang der Erhöhung nicht bloß im mor ralisehen Besserwerden, er ist ihr auch kein Erziehungsvorgang auf Orund rationeller Zucht] und Unterrichtsmittel, sondern j ein geheimnis-t voller Akt, ein Wunder. Durch Symbolik und Weihehandlung, durch Aufsteigein von Grad zuj Grad, mit dessen Verleihurig die Erschließung tieferer Bundeswahrheiteri verknüpft ist, wird der Freimaurer allmählich in den Zustand deri Befreiung, Erhöhung und schließlich der Verwandlung seines Ich versetzt und so zlu dem höchsten Erlebnis geführt, das der Bund! ihm verheißt.1) Im Gegensatz hierzu, und dieser mußte den deutschen Gründern als früheren Freimaurern sicherlich bewußt sein, verfolgte!der U.O. B. B. in Amerika von vornherein praktische Ziele: Abstreifung ng des Makels, und Tyrannei tte.*) erlag anderen igen, denen er Sammlung der Eingewandertei provinzieller Vorurteile, Beseitigu den jahrhundertlange Verfolgung in Körper und Seele gedrückt ha Der deutsche Distrikt un sozialen und politischen Bedingu seine Ziele anpassen mußte. Er stellte sich neben den selbstverständlichen Pflichten der Bruderhilfe im weitesten Sinne und der Wohltätigkeit die Aufgabe der Stärkung des (geistigen und sittlichen Charakters der Stammesgenossen sowie die Unterstützung von Kunst und Wissenschaft. Wie unsere Logengesetze und Vorschriften klar erkennen lassen, jgalt also das Streben der Begründer unserer Gemeinschaft in erster Reihe der Pflege der edlen, menschlich wertvollen Oesinnung im Bewußtsein, damit die höchsten und edelsten Güter der Menschheit zu fördern und dadurch dem einzelnen Bruder und dem Bunde selbst eine Erhöhung zu gewährleisten, die über den Weg der Wohltätigkeit zur Bruderliebe und übjsr diese zum Ziele des Ordens zur Eintracht führen sollte. *) vgl. Hömeffer, Symbolik der Mysterienb&nde S. 41 f. J) vgl. Goldschmidt, der Deutsche Distrikt des Ordens Bne Briss S. 15 > — 78 —

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