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Der Orden Bne Briss · 1928-04-01 · Nr. 4 - April (4.1928) · p. Seite 62

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 4 - April (4.1928)
Date
1928-04-01
Page
Seite 62 (sequence 14)
Language
German
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Bficherschau. Laqiparter, Eduard, Stadtpfarrer a.D.: »DasJudentum in seiner kultur- und religionsgeschichtlichen Erscheinung»« Verlag Leopold Klotz, Ootha, 1928. Preis Mk. 8.-, geb. M. 10.-. Der Kampf gegen die völkische Gefahr wird seit dem Kriegsende mehr unter dem Zeichen der Aufklärung als unter . dem der Abwehr geführt. Wir deutschen Juden sind verpflichtet, dafür zu sorgen, daß von geeigneten Organisationen aus über unser wahres Sein in ruhiger, sachlicher und unantastbarer Form unserer nichtjüdischeri Umwelt Aufklärung zuteil wird. Es ist begrüßensweft, daß von evangelischer Seife her einneues buch über das Judentum jetzt ver- .öffentlich! wird, nachdem vor einer Reihe von Jahren der katholische Arzt Dr. Weigl ein vortreffliches Buch über das Judentum (Das Judentum. Philo-Verlag, Berlin SW. 68, 1924j uns geschenkt hat. Der württembergische Stadtpfarrer E. Lamparter in Stuttgart behandelt in seinem. 340 Seiten umfassenden Buche zuerst die »Rassenfrage und das Judentum« und dann »Die Entstehung-des Judentums und seine Stellung in Oegenwart und'Zukunft«, dann »Die Kulturarbeit des Judentums« — diese besonder» eingehend —, sodann »Die Religion des Volkes Israel«, darauf »Die Religion des Judentums bis zur »Zeit Jesu«, »Das Judentum und Christentum« und endlich »Der Talmud und -die jüdische Sittlichkeit«. Wer von einem streng wissenschaftlichen # Standpunkte an den Inhalt des Buches herangeht’ wird hier und da Ausstellungen machen können Es kommt aber auf das Ganze an, und es kommt auf die Leser anr für die das Buch bestimmt ist. So wird man ohne jedes Bedenken sagen können: Jeder Nichtjude wird aus dem Buche reiche Belehrung schöpfen, und auch viele unserer Glaubensbrüder werden vieles Nützliche aus dem Buche lernen können. In erster Linie ist das Buch für Nichtjuden bestimmt, und wer dafür sorgt, daß es möglichst viele lesen, der nützt dem ludentum und fördert die Erkenntnis von ihm, die gar nicht genug -im deutschen Vaterlande verbreitet werden kann. ‘ Alfred Wiener (Jehuda Halevi-Loge). Arnold Zweig: »Der Streit um den Sergeanten Griacha«. Roman« Potsdam 1928. Gustav Kiepenheuer Verlag. Als Br. Arnold Zweigs »Novellen um Claudia« erschienen, empfanden und ahnten wir, daß dieser Dichter viel versprach. Bei allen Schönheiten des Werkes verließ uns freilich nicht das Gefühl einer Ueberkultur, einer Ueberspannung der Seelenzergliederung, ein Hauch von Dekadenz. ’ Mit seinem Kriegsroman »Der Streit um den Sergeanten Orischa« bat sich Arnold Zweig aber jetzt in die erste Reihe der europäischen Schriftsteller und Dichter gestellt Die Kunst der Sprache ist offensichtlich an Thomas Mann geschult, ohne daß Zweig in die bei seinem Vorbilde zuweilen störende Breite verfällt. Bei allem liebevollen Eingeben auf Einzelheiten wird niemals aie Geschlossenheit des Aufbaus und das Fortschreiten der vom enten bis zum letzten Augenblick spannenden Handlung beeinträchtigt, da von jeder Einzelschilderung neues Licht auf die .Hauptpersonen nnd auf das im Mittelpunkt stehende Problem ausstrahlt. Jede Gestalt des Romans steht lebendig und plastisch vor uns: der kraftvolle, gutmütige, stets hilfsbereite russische Sergeant Orischa lljitsch Paprotkin, der aus einem deutschen Gefangenenlager ausbricht, als Ueberläufer Bjuschew, dessen Erkennungsmarke er erhalten hat, wieder eingefangen und unter diesem Namen wegen angeblicher Spionage zum Tode vqrurteilt wird; der von Unbeugsamem Willen zur flacht beseelte Oeneralmajor Albert Schieffenzahn, der dazu verurteilt ist, in der Öffentlichkeit als »der ausgezeichnete Mitarbeiter« eines berühmteren Namens zu erscheinen, der für Deutschlands Größe über das Geschick von Völkern und Ländern hinwegschreitet und der aus militärpolitischen Gründen zur Abschreckung bolschewistischer Propaganda den unschuldigen Orischa erschießen läßt; der prächtige «Itpreußische Junker General von Lychow, der sich mit allen Kräften gegen Schieffenzahns Rechtsbruch und den Eingriff in die Militärgerichtsbarkeit seiner Division wehrt; sein Adjutant Oberleutnant Winfried dem das Leben im vordersten Schützengraben nicht den Sinn für Menschenwürde und Menschlichkeit geraubt hat; der Kriegsgerichtsrat Posnariski, im bürgerlichen - Leben Rechtsanwalt , in Berlin, ein strenggläubiger Jude, unterdessen Vetnandlunjf«- leitung Grischa zum Tode verurteilt wird und der dann, als sich die Schuldlosigkeit des Gefangenen herausstellt, für seine Rettung eintritt; der Schriftsteller Bertin. ebenfalls Jude, der nach aufreibenden Wochen vor Verdun als Schreiber bei Posnanski ufltergekommen ist und den erschütternden Kampf um Grischa miterleb!;' der Rittmeister von Brettschneider, der Großindustrielle, der Jm Falle Grischa nur einen Ressortstreit und ein Auflehnen gegen den von . ihm vergötterten Schieffenzahn sehen kann; die Litauerin Babka, deren Vater und Brüder wegen verbotenen Waffenbesitzes von den Deutschen erschossen worden sind, die ein wildes Räuberleben in den Wildern führt und Grischa, voh dem sie ein Kind unter djsm Herzen trägt, befreien will; die Krankenschwestern Bätbe Osann und Sophie von Oorse, .die ihren schweren Dienst bis zum letzten versehen, den Sterbenden die letzten Stunden erleichtern, in ständiger Ansteckungsgefahr schweben und mit dem Lebenshunger der Jugend sich dem Geliebten ergeben. Der Feldwebel Spierauge, <)cr Oefreite Hermann Sacht aus Berlin O., die Laadsturmleute aus Eberswalde, die Merwinsker Juden, sie stehen alle so vor uns, als wären wir ihnen selbst begegnet. ■ Die Flucht Grischas durch die Wälder, das Lebten der Offiziere und Mannschaften, die Arbeitsamkeit jm Hauptquartier Ober-Ost, die Gegensätze zwischen Dfvisionsstab und Ortskommandantur, das Talmudstudiifm der Juden, alles wird.uns mit der gleichen Meisterschaft vor Augen geführt. Und dabei ist dieser Roman, der das Leben bejaht und selbst Schieffenzahn zu verstehen sucht, im edelsten Sinne des Wortes ein Tendenzroman. Qer jüdische Schreiner Täwje, mit dem Grischa zusammen Särge hobelt, sieht in dem Streite um das Leben eines offenbar Unschuldigen einen Prüfstein der Welf Schieffenzahns. »Führen sie ein Urteil aus«, meint er, »von dem alle wissen, daß es falsch ist, dann, Orischa, sind nicht zwanzig Gerechte in Sodom, und nicht zehn und nicht fünf, und der Zorn Gottes wird Feuer und Schwefel herunterregnen lassen, und das große Sodom mit seinen Kaisern und Fürsten und Generälen wird zerstört werden ....«, Der Roman Arnold Zweigs ist nicht nur ein Kunstwerk eines deutschen Dichters; er ist von jüdischem, vcjn wahrhaft menschlichem Geiste erfüllt. , Dr. Fritz Ooldschmidt (Spinoza-Loge): Dr. Adolf Jacobus: D e r Gottesstaat. Die Prinzipien des mosaischen Gesetzes. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. Main 1926. Die Absicht des Verfassers scheint nicht zu sein, in der Form der Staatsutopie eine Darstellung des alte» theokratischen Staatswesens der Juden zu geben. Seine Arbeit ist nichts anderes als eine bewußte Verteidigung üdischer Tradition gegen die moderne Minderbewertung der Halacha und der Theokratie, die sogar von einet» so begeisterten Juden wie Theodor Herzl im einschlägigen Kapitel seiner Schrift »Der Judenstaat« sich scharfe Ablehnung gefallen lassen muß. Dem gegenüber versucht der Verfasser der vorliegenden Schrift den großen Staatsplan der Thora, des jüdischen Gesetzes, in seinen systematischen Grundlagen und in seiner ewigen Jugendlichkeit so geschlossen darzustellen, daß vor dem Leser die auf der Religion der Thora beruhende Verfassung dds Gottesstaates ewiger Dauer und ihre nohen Grundgesetze lebendig werden. »Die Ordnung des israelitischen Staates ist das Gesetz Gottes.« Diese These durchzieht die fü^f Kapitel des Buches^’ welche von den Erkennlnisgrundlager I — 62 — I i

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