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Der Orden Bne Briss · 1928-04-01 · Nr. 4 - April (4.1928) · p. Seite 58

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 4 - April (4.1928)
Date
1928-04-01
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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Ueber die Arbeitsweise des Künstlers unterrichtet uns das einzige erhaltene Original eines Medaillenentwurfes, das sich in der Kunstsammlung der Jüdischen Qemeinde zu Berlin befindet. Auf. Schiefer hat er in hellem Wachs das Brustbild des Fürsten von Hessenstein modelliert. Ein Vergleich mit der Prägemedaille zeigt, mit welch minutiöser Kunstfertigkeit zu Werke gegangen ist, und welch künstlerische Feinheiten Abramson zu entwickeln vermochte. Von besonderem Wert sind sodann 30 Schwefelpasten von bisher unbekannten Portraitmedaillons, die, vor kurzem im Joachimsthalschen Gymnasium aufgefunden, alle anderen Leistungen des Künstlers übertreffen und erstsein^ wahre Grüße erkennen lassen. Unter den Dargestellten finden sich Friedrich! der Große und ländere Mitglieder des Königshauses, Zieten :und der Minister Heinitz, der Chef, und Gönner Abramsons, Ramler, Chodowiecki, Tassaert, Leibniz und Lessing. i j Man muß diese Werke gesehen haben, '.um zu ermessen, welch künstlerische Potenz dieser bescheidene »Münzjude«, der zwar den Titel eines königlich preußischen - Medailleurs trug, war. In der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde sind alle 278 Arbeiten in Gipsabgüssen gesar^melt, hier kann man das Oesamtwerk, von deni auch hervorragende Originale vorhanden sind, studieren und wird zu der Ueberzeugung gelangen, daß Abraham Abramson als ein'Stück Zeit- und Kulturgeschichte Berlins weitestgehendste Beachtung verdient. i 1 -I Expräsident Dr. David Grünbaum, gestorben 26. März 1928. I I Vor wenigen Tagen ist unser Ib. Bruder Dr.,David Grünbaum seiner Familie, dem großen Kreis seiner Freunde und unserer Maimonides- Loge entrissen worden. Mitten im tätigen Leben hat ihn eine tückische Krankheit überfallen, derer die Kunst und die aufopfernde Hilfe der befreundeten Aerzte, die sich Tag und Nacht um die Erhaltung des ihnen und uns allen so treuen Freundes eifrig bemühten, nicht Herr werden konnte. In allen Kreisen unserer Stadt und unserer Gemeinde wird das so frühe und jähe Ableben David Grünbaums aufs tiefste bedauert, denn David Grünbaum hatte sich in weiten Kreisen einen bedeutenden Namen zu schaffen gewußt. Man verehrte in ihm den Arzt,'dem gediegene wissenschaftliche Kenntnisse und eine sichere, geschickte Hand einen großen Kreis von Patienten zuführten, aber was noch viel mehr sagen will, ein großer Kreis seiner Verehrer und Freunde schätzte in ihm den gütigen Menschen, der voller Hilfsbereitschaft immer, zu helfen wußte. Wir kannten ihn als einen Mann von vielseitigen geistigen Interessen, der neben seiner angestrengten Tätigkeit immer noch Zeit hatte für die verschiedensten Bestrebungen der Kunst. und der Wissenschaft, wir kannten ihn als den treueti'Juden, dem es ein tiefes Bedürfnis des' Herzens war, sich zu uns zu bekennen. Ein Mann von so hervorragenden Qualitäten des Geistes und des Gemütes; muß einer Loge zur Zierde gereichen. Und wir Brüder der Maimonides-Loge bekennen es mit Gefühlen der Trauer und der tiefsten Wehmut: Wir haben einen unserer Besten verloren, 'j Zwanzig Jahre etwa gehörte unser Br. Dr. Grünbaum der Loge und dem Orden atr. Eine Fülle von Anregungen .hat in diesen Jahren die Loge von ihm empfangen, manchen Gedanken, der seinem Kopf und Herz entsprungen ist, hat sie zur Tat werden lassen. Unser Grünbaum hat in seinen Mußestunden, die er I immer wieder seiner ärztlichen Praxis abzugewinnen .wußte, sich ganz besonders dem Studium künstlerischer Probleme und der Geschichte der Kunst gewidmet. Die reichen Früchte dieser Studien dürften wir in ausgezeichneten Vorträgen genießen, die er bald vor den Brüdern oder in' offener Loge hielt. Er war auch mit einem reichen jüdischen Wissen ausgezeichnet Diese seine Kenntnisse waren eine innige harmonische Verbindung eingegangen; so waren seine Vorträge, die auf ausgezeichneten Kenntnissen des allgemein menschlichen und kulturellen Lebens aufgebaut waren, alle noch durch den jüdischen Einschlag betont. Genau vier Wochen vor i — 58 —

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