Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 4 - April (4.1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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abspielt, sondern auch durch die vielen Besuche, die bei 104 Logen von den — verhältnismäßig wenigen — Brüdern des Oeschäftsausschusses ausgeführt werden. Diese Tätigkeit ist stellenweise so groß, daß nicht viel freie Sonntage für die Familie übrig bleiben. Dankbar muß dabei der Oeneralkomiteemitglieder gedacht werden, die die Verbindung innerhalb-- ihres Bezirks aufrecht erhalten. Tausende von Mark werden aus den Etatsmitteln der Qrößlogc für Besuchszwecke jährlich ausgegeben. Im letzten Termin ca. 6—7000.— Mk. Dauernd fließen die Ströme geistigen Lebens zwischen der- Großloge und den Logen: da wird Material für Vorträge zur Verfügung ge: stellt, da Aufklärung gegeben über eine Auffassung, die im Zweifelsfalle richtig zu stellen ist, über eine Oeschäftsordnungsfrage, über eine gesetzliche Auslegung, über eine traditionelle Anschauung. Da muß eine schwere Augen- 1 blicksnot einer Loge, eines Bruders, einer Familie — unter schwerster Verantwortung — behoben werden. Stärkste Sorgen werden vorgetragen der stellungslosen Brüder, der bedrängten Geschäftsleute, der ringenden Künstler, der ihren höheren Beruf entdeckenden aufwachsenden Jugendlichen der Familie, die aus tiefster Behinderung in die Höhe wollen. Da kommen die Sorgen der Erholungsbedürftigen und Kranken. Was gibt es doch alles in einer Familie von 15 000 — mit Anhang 70 000 — zu tun! Alle diese an die Qroßloge herantretenden Dinge müssen mit der größten Diskretion, der größten Dezenz behandelt werden. Absichtlich ist bei diesem U^bereichtsbilde fast völlig von der Wiedergabe von Zahlen Abstand genommen worden. Von Zahlen kahn leicht auf Personen geschlossen werden. Zur Erläuterung ein Beispiel: in'einer sehr gut‘arbeitenden Berliner Loge ist kürzlich in einer Logensitzung die Summe genannt worden, die in einem Termin für Brader- ' - und Familienhilfe ausgegeben worden ist. Auf Anfrage aus der Mitte, auf wieviel Personen sich die Summe verteile, antwortete der Vorsitzende des Wohlfahrtsausschusses.- er bitte # von der Beantwortung absehen zu dürfen. Sofort war das Verständnis dafür gegeben. Darüber hinaus breiten sich die Beziehungen, die mit den benachbarten Distrikten" gepflogen werden: die Besuche der Generalkomiteesitzungen und Großlogentagungen deräuswärtigen Distrikte. Wie wichtig und wertvoll das Verständnis für~ die Verhältnisse der anderen Distrikte zum Nutzen der Gesamtheit ist, hat die Arbeitstagung der europäischen Distrikte im Dezember 1927 ergeben. Aus den Berichten der Vertreter der auswärtigen Distrikte ergab sich ein Einblick in Leben und Sein, in Sorgen und Leid des Judenschicksals der Länder und Logen, aber auch in Erwartungen und Hoffnungen, in schöne Hilfstätigkeit. Das schwerste Leid tragen Rumänien und die Türkei. Die freieste Luft atmen England und die Schweiz.' Polen ist nicht so düster, wie es von außen scheinen könnte. Dazwischen stehen mit ihren Schicksalen: Deutschland, die Tschecho- . Slowakei, Oesterreich. Es ist gut, Kenntnis und Einsicht zu haben, um zu rechter Zeit, an rechter Stelle den Hebel zur Abhilfe ansetzen zu können. ‘ j Aus den Gemeinschaftsbeziehungen des j jüdischen Lebens ergeben sich Notwendigkeiten, die sich nicht abweisen lassen, Unterstützungen ( von Instituten, die für die Gesamtheit von fun-1 damentaler Bedeutung sind, Verpflichtungen zur! Beseitigung von Schädigungen, die die Zeit mit sich gebracht: es sei u. a. nur an die beiden i Fragenkomplexe gedacht, die in der vorigen j Nummer (März 1928) kurz behandelt 'worden sind, an die gemeinnützige Eheberatung, an den Boykott jüdischer ' Angestellten. In so j vielen Fragen richten sich die Blicke auf uns und unsere Gemeinschaft:• was tut die Großloge, was tun die Logen? j *! I Es gilt, alle Kräfte anzustrengen: Vornehm-1 heit der geistigen Auffassung verpflichtet] * 1 , In ständig stattfindenden Sitzungen des engeren Präsidiums werden von vier Brüdern — Baeck — Walter — Bach — Ooldschmidt — alle die Oesuche, Wünsche und Anforderungen behandelt, die entweder Diskretion erfordern oder der Vorbereitung zur Vorlage fQ^ den Oeschäftsausschuß dienen. | ♦ i Der naturgegebene Kreis erweitert! sich, indem auch Wünsche für die’ Verwandtschaft des Logenkreises vorgebracht werden, die beiden vielfachen Beziehungen der Großloge eben nur durch sie als erreichbar geschildert werden. Es gibt aber auch Hilfesuchende ohne alle. Beziehungen.- j ' Die Wünsche richten sich vielfach über die Grenzen des Deutschen Distriktes, über den Ozean hinaus. Nicht alles kann aus starren grundsätzlichen Erwägungen abgelehnt werden. Es gibt Menschheitliches, wo einzugreifen Pflicht ist — so wie der Schwimmkundige einen mit den Wellen Kämpfenden nicht untergehen lassen, darf, wenn er es verhüten kann, 50 4'