Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- Beilage 1927 (1927)
- Issue
- April (4.1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- Seite 18 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Leitsätze zu Punkt 7 der Tagesordnung des Sonderausschusses für die geistigen Interessen am 18. Februar 1927. Handfertigkeltsunterricht. Von Br. Dr. Ludwig O r o s s (früher Kissingen). , .1. Eugenische Orönde verlangten . schon längst die übertrieben einseitig geistige Xieberzüchtung unseres Stammes durch Ueberleitung in »Muskelberufe« zu entlasten. Die bittere Notwendigkeit unserer Zeit, die antisemitische Verdrängungswelle, fordert jetzt solchen Berufswechsel oft gebieterisch schon aus materiellen Gründen. Derjenige wird ihn leichter vornehmen können, dem Lebenskampf besser gewachsen sein, der seine geistigen und körperlichen Kräfte harmonisch entwickelt hat, praktische Intelligenz der intellektuellen beigesellt, manuell geschickt sich erweist. 2. Solche Geschicklichkeit kann der Handfertigkeitsunterricht vermitteln. Er entwickelt die Muskeln, entlastet das Nervensystem, diszipliniert das Affektleben, stärkt den Charakter, fördert den Ordnungssinn und gewöhnt an zielbewußtes Arbeiten. Er bewahrt yor hypochondrischen und Verkleinerungsideen, indem er den »Ausgleich gegen andere minderwertige Leistungen ermöglicht und Vertrauen zu Augen, Ohren, Hand und Vei stand schafft. Die Erkenntnis des »poch Könnens« leistet für die ^rziehung oft Erstaunliches, fördert die Selbstachtung. Der Handfertigkeitsunterricht ermöglicht aber auch die Entdeckung schlummernder Anlagen. 3. Seine Förderung ist daher Pflicht der Gesamtheit. Die Gemeinden müssen in ihren Schulen ihn obligatorisch machen. An Orten, wo dies nicht der Fall ist und in den sogenannten »gehobenen Kreisen«, die ihre Kinder auf reine Geistesschule schicken, hat freiwillige Förderung diese Aufgabe zu erfüllen. Hier ist ureigenstes Gebiet für die Schwesternvereinigungen und Logen. 4. Der Vorwurf, daß damit neue »Ueberbürdung« geschaffen würde, ist leicht zu entkräften, besonders für Orte mit kleineren Entfernungen. Es besteht auch die Möglichkeit, ihn im Freien, in Ferienheimen usw. zu erteilen. Voraussetzung ist natürlich, daß sonst keine örtliche Gelegenheit besteht. Ist dies aber der Fall, so muß von Logen wegen immer wieder der Wert der Teilnahme betont werden. 5. Besondere Vorschläge: Der Sonderausschuß empfiehlt die Besprechung des Referates als Pflichtthema für die Logen und ISchwesternvereinigungen und verlangt Bericht ßber die allgemeinen und örtlichen Wünsche und Anregungen. Dieser Bericht soll auch genaue Angaben enthalten über die Möglichkeit offiziellen Handfertigkeitsunterrichts tn den betreffenden {Städten, ob Pflichtunterricht besteht und für welche Kinder; ob nur t aus weniger bemittelten oder aus bemittelten Schichten. Die einlaufend^n Berichte sind durch e:nen Sonderreferenten, der auch weiter den Schriftwechsel führen und Auskunft erteilen-muß, zusammenzustellen upd zu bearbeiten. Der Sonderausschuß empfiehlt ferner den Logen, ihre Bibliotheken durch eine größere Anzahl diesbezügl. Bücher zu erweitern. (Gemeinsamer Bezug ist zu erstreben, da er die Anschaffungskosten herabsetzt.) Der Sonderausschuß beantragt, ihm einen Betrag von Mk. 300.— zwecks Beschaffung geeigneter Lichtbilder zu bewilligen, damit in Vorträgen den Logen das Gebiet näher gebracht werden kann. Es wird Aufgabe des Sonderreferenten sein, solche Vorträge zusammenzustellen. Der Sonderausschuß empfiehlt den Logen und Schwesternvereinigungen, durch Aussetzen von Prämien usw. den Eifer zu fördern. Es müssen event. Logen Werkstätten, Schüler-Obstgärten eingerichtet werden. Die betr. Gemeinden sind zu interessieren und wegen Bereitstellung von Räumen und Gelände anzugehen. Der Sonderausschuß, empfiehlt, den neuen Beruf einer »Logenpflegerin« bezw. eines »Logenpflegers« zu schaffen. Die Kosten der Ausbildung sind gering, da der »Berliner Hauptverein für werktätige Erziehung« bereitwilligst voraussichtlich fördern dürfte. In den nächsten Jahren, .bevor die Pläne ausreifen, sollen die Ferienheime, Jugendvereine usw. auf die Wichtigkeit des Werkunterrichtes wiederholt hingewiesen und zu Versuchen angeregt werden. ,