Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- Beilage 1927 (1927)
- Issue
- April (4.1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Lektüre unverstandener Bücher fort Es kann sich aber nur um i di,e Erziehung der Jugend zu Handfertigkeit handeln. 1 Die, Versuche zur Umschichtung der Juden haben ni^r geringe Erfolge gezeigt. In dien groben Städten kann die jüdische Gemeinde die Durchführung der Aufgabe übernehmen, nicht dagegen in den kleinen Orten, wo sie bereits zu stark belastet ist. Hier müßten die Logen die Träger sein. Sie sollen für die Aufgaben nicht durch die Zusendung eines Referates* sondern durch die Entsendung geeigneter Bruder gewonnen werden. Br. Schindler führt aus, daß die ausdrückliche Einrichtung von Sonderdezernenten sich erübrige, da die Bearbeitung der Angelegenheit dem Arbeitsausschuß und Br. Groß! übertragen werden könne. Es würde sich also nur darum handeln, bet der Großloge zu beantragen, 300 M. für Propagandareisen zur Verfügung zu stellen und die Anträge Groß-Sommer und Cahen der Großloge zu übermitteln. Br. Rosenthal, Köln: Handfertigkeitsunterricht spielt in dem modernen Unterricht eine solche Rolle, daß es unbegreiflich ist, daß für diese Dinge, die bereits vorhanden sind, die Logen! aufgerufen werden solle*. Hier dürfte es genug sein, in die Gemeinden den Leitsatz hineinzutragen, daß sie an ihiren Schulen Handfertigkeitsunterricht einrichten. Die ganze Frage aber kann nur interessieren vom Standpunkt der Berufsumschichtung 'aus, die jetzt nach den Erfahrungen der Kriegszeit und der Nachkriegszeit vielleicht leichter zu bewirken ist. Ein Mittel hierfür ist die Förderung des Handfertigkeit unter der jüdischen Jugend. Br. Sjommer, Pforzheim, spricht sich gegen die nur gelegentliche Beschäftigung der Schwestern mit dieser Frage aus. da nur eine intensive ernste Betätigung in Frage kommt. Die Befassung der Gemeinden mit der Angelegenheit kann nur durch die Logenbrüder, die führend in der Gemeinde mitarbeiten, erfolgen. Für Baden kommen, wie. er bereits ausgeführt hat, jüdische Schulen für die Einführung des Handtertigkeitsunterrichfs nicht in Frage. Br. Mittwoch, Berlin: Es ist bereits ausgeführt worden, daß der Handfertigkeitsunterricht in den Lehrplan der öffentlichen Schulen aufgenommen worden ist. Auch der Lehrplan der jüdischen Schulen wird vom Staat geregelt. Danach ist es nicht notwendig, daß seitens der Logen etwas geschieht. Nur in den jüdischen Anstalten, wie Kindergärten, Waisenhäusern etc. -käme eine Einführung durch jüdische Stellen in Frage und hier könnten die Logen aniregend wirken. Br. Cahen, Köln, stimmt Br. Mittwoch zu. Er meint aber, daß es Aufgabe der Loge ist, darauf hinzuwirken, daß der Handfertigkeitsunterricht ah den höheren Schuleil auch von. den jüdischen Kindern besucht wird, und daß er da, wd er noch nicht eingeführt ist, erteilt wird. Br. Groß, Schierke: Es kommt darauf an, die sog. geistigen Kreise davon zu überzeugen, daß es notwendig ist, ihre Kinder dem Handfertigkeitsunterricht zuzuführen. Hier .liegf die Einwirkung der Logen auf ihre Brüder. ßr. Priedländer, Berlin, führt aus, daß an allen Schulen Handfertigkeitsunterricht eingeführt ist, daß im Anschluß an den Zeichenunterricht auch das Buchbinden gelehrt wird, daß chemische Apparate hergestellt werden, und daß das Prinzip des modernen Unterrichts der Arbeits”- unterricht ist. In den Grundschulen soll überall die Montessori-Methode eingeführt Werden. Beachtenswert ist freilich, daß es noch viele alte Lehrer gibt, die sieh der neuen Methode nicht anpassen können. -Br. Rosin, Berlin: Zweck und Ziel des Unternehmens ist es, den Juden Neigung für Handfertigkeit beizubringen, die ihnen in dem Ghetto verloren gegangen ist. Das ist Aufgabe der Logen. Er weist auf Beispiele aus -seiner Umgebung hin, um zu beweisen, wie notwendig es ist, die jüdischen Kreise für die körperliche Ausbildung zu gewinnen. Br. Kahn, Berlin: Falls im Schulunterricht Handfertigkeitslehre fn genügendem Maße betrieben wird, soll die Loge nifht ebenfalls .unnötigerweise einzuwirken suchen. Man soll sich dann beschränken, an den spezifisch jüdischen Schulen, Internaten, Erziehungsheimen etc. den Flaiidfertigkeityunterricht zu fördern. Br. Groß! möchte sich auf die Einrichtung des Handfertigkeitsuntefrichts an Schulen, Internaten etc. nicht beschränken, sondern in die jüdischen Kreise das Bewußtsein hineingejragen haben, daß durch die körperliche Ausbildung der Kinder zugleich die Ausbildung dfes Charakters vervollkommnet wiid. Der Handfertigkeitsunterricht gehj&rt zu den eugenischen Bestrebungen, er bedeutet eine' Erziehung zum Willen. Er nimmt aber auch dem Kind, das in den geistigen- Fächern der Schule nicht mitkomdnt, bei guten Leistungen auf manuellem Gebiet das Gefühl der Minderwertigkeit. Er würde;eine Besprechung der Frage in den Logen für sehr wertvoll halten. Br. Rosepfeld, Hannover, führt aus, daß die Berufserfahrung zeigt, daß bei den Juden begriffliches Denken die bildhafte 'Vorstellung überwiegt. Hier würde die Beschäftigung;mit Handfertigkeiten eine Korrektur herbeiführen. Br. S c h i a d I e r bittet, darüber abzustimmen, ob die Leitsätze Groß-Sommer mit .den Anregungen Cahen, Köln, und der: Begründung in den schriftlichen Referaten sowie dem heutigen Protokolle empfehlend der Großloge zur tVeitergabe an die Logen übermittelt werden sollen. Demgemäß wird beschlossen ' Es wird ferner beschlossen, 300 M. für Propaganda- Zwecke, Vorträge in den Logen zur Verfügung |zu Mellen und die Logen anzuregen, einschlägige Literatur für die Logenbibliothelcen zu beschaffen. Den Logen soll die Verpflichtung auferlegt werden, im nächsten Termin die Frage zu diskutieren. Geschichte des Ordens. Br. Leszynski berichtet, daß die Absicht besteht, die von Br. Mkretzki, Berlin, für die ersten 25 Jahre des Bestehens des Ordens geschriebene Geschichte des Ordens neu herauszugt ben. Gegen die Absicht spricht, daß es nicht möglich ist, ohne stilistische Aenderung das Buch abzudrucken, üs ist 'deshalb beschlossen worden, zum 50. Bestehen d :s Deutschen Distrikts — im Jahre 1932 — eine neue Oes chichte des Ordens zu schreiben, ob in Anlehnung an das Maretzkische Buch, ist erst eine Zweite Frage. Die einzelr en Gebiete des Ordenslebens, wie Stellung des Ordens zu den einzelnen Bewegungen, zur Frauenfrage usw. mü äsen nebeneinander gestellt werden. Die Vorarbeiten für diese Arbeit müssen schon heute beginnen, es müssen die O rundlagen und Mitarbeiter bestimmt werden. Der Arbeilsausschuß des Sonderausschusses hat geglaubt, daß er an die-einzelnen Logen mit dem Ersuchen herantr :ten soll, ihre Geschichte zu schreiben, 12