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Der Orden Bne Briss · 1927-12-01 · Nr. 12 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 12 - Dezember
Date
1927-12-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Hervctoetens solcher jüdischer Ziele und Inhalte, insbesondere in Palästina, die nkht eigentlich religiöser Natur sind. Er sieht darin, daß auch politische und wirtschaftliche Aufgaben zum Inhalt des Judentums gehören, nicht sowohl eine moderne Verweltlichurg, als eine Wiederherstellung des alten, zwar religiös gefärbten, kber nicht auf religiöse Inhalte beschränkten Begriffes des Judentums und setzt sich mit gegenteiligen Auffassungen im Zionismus, Liberalismus und Agudismus in streng sachlicher Würdigung auseinander. Einer der bekanntesten jüdischen Bibelforscher, Harold M. Wiener in Jerusalem, unterzieht die herrschende' Meinung, daß die bücher Exodus und Deuteronomium verschiedene Anschauungen » hinsichtlich der Opferstätten vertreten, einer eindringenden Kritik tfnd gelangt zu dem Ergebnis, daß beide Bücher sowohl i ein Zentralhqil gtum, wie kunstlose Steinhaufenaltäre, ietz'ere aber nur für bestimmte Opfer, kennen. Der gretse Gelehrte M. Weisberg setzt seine Darstellungen aus der) Oesch chte der galizischen Juden fort, indem er die bahjibrecbenden Persönlichkeiten eines Rapoport und Krochmll behandelt. I V Weirner Jansen: Die Kinder Israel, Mose- Roman. j — Veilag Georg Westermann, Braunschweig, Berlin, Hamburg. »Scjmüffler mögen Tendenz wittern — , so lauten die einleitenden Worte des Autois. Weitgehende Benfühung; sich von »Schnüfflerwesen«- fernzuhalten, ermöglicht dem Le-er eine gewisse Einschränkung des vom Verfasser befürchteten Urteils: Das) Buch kann — Ehrlichkeit der Einleitung vorausgesetzt 4—.als Beweis dafür dienen, wie schwach ein Versuch zu ujitendenziöser Beleuchtung jüdischer Probleme -liqh aus wirkt, wenn der Schilderer gegen das Vordringen ererbter^ anerzogener, ihm schon in Fleisch und 'Blut iibergegan(gener Vorurteile zu kämpfen hat. Das) Buch geht aus von der . Voraussetzung der absoluten | Andersartigkeit der Juden gegenüber anderen Völkern] wobei es — bei Bejahung der Rassen stärke alle Qualitäten des jüdischen Volkes in solchem Grade negiert, so völlig auf Handelsbegabung reduziert, wie das nur bei Menschen möglich ist, die Juden und Judentum nur durch die Brille voreingenommener Umwelt kennen. Aus der Einwirkung eines so ganz in materieller Einstellung gesehenen Volkes auf das idealistisch gesinnte qea- Aegypter, unter denen es wohnt, entstehen für Jansen Schädigungen des »Wirtsvo|kes<^ als deren Ausweg) ihm die Rückkehr der Juden in ihre Heimat erstrebenswert erscheint., Die! äußere Handlung des Buches/das Erwachen des Moses tim Bewußtsein seiner Führerpflicht zur Rückführung der Kinder Israel nach Palästina, ist als ermunternde Parallele für uns heutige Juden zu werten und keimte als von der Gegenseite aus gesehener Zionismus bezeichnet werden, wäre nicht die völlig verschiedene Motivieiurg allen Geschehens. Nie lt Würdigung idealistischer Selbstaufopferung, wie sie Voraussetzung heutigen zionistischen Schafiens ist, läßt de* Verfasser die Rückwanderung der Juden billigen, sondern: dje Ueberztugung von deren Vorteil für die Aegypter, wobei es — unter Berücksichtigung der beabsichtigten Analogie — von Interesse ist, daß Jansen den König' Meneptah als Vorbedingung der Ueberlassung Palästinas das Zurücklassen aller irdischen Güter vonden Juden fordern läßt. Und es wird schwer, nicht trotz bestem Willen Tendenz zu »schnüffeln«, wenn man liest, daß dann die Reichen den guten König Meneptah um diese Schätze betrügen und allein die Armen, Aussätzigen, Verstoßenen der Gosener Fron, die mchts zu verlieren, al'es zu gewinnen haben, dem Rufe Moses freudig folgen. Moses selbst, heimlicher Sohn der Königin und ihres jüdischen Wesirs, unkundig seiner Herkunft, als Königssohn, Thronerbe Aegyptens erzogen, erwacht aus Eigenstem zu plötzlicher Bewußtheit seines Judentums. Gesct ildert als Jude der Rasse, Aegypter der Seelentiefe nach, zeigt die Gestalt des Moses in keiner Weise Inhalte jüdischen Wesens. Das Buch, das von der Wesensart der Nichtjuden manches Liebevolle zu, sagen weiß, hat sich so wenig' mit der Seele der* »Fremden« befaßt, daß es keinerlei inneres Ziel zu zeigen vermag, zu dem sich die in ihre Heimat. Wandernden hin- oder zurückentwickeln müßten, um mit dem Heimatland auch ihr Selbst auf zufinden. Während der Verfasser so der Meinung zu sein scheint, ein tendenziöses Werk geschrieben zu haben schuf er, vielleicht ohne es bewußt zu wollen, antisemitisches Rüstzeug. Dr. 'E r n a G o I d s c h m i d t Gestalten und Momente aus der jüdischen Geschichte. Herausgegeben von Prof. Dr. J. EI b og em.- 1927. Verlag Der Heinebund. Drei Jahrtausende jüdischer Geschichte in 17 Bildern von David, dem altisraelitiscen Könige, bis Theodor Herzl umfaßt die Sammlung von Aufsätzen und Doku-' menten, die Elbogen in diesem Werke vereinigt und durch einen kurzen Rückblick und Ausblick mit einander verbunden hat. Bald läßt er unsere besten Autoren zu Worte kommen — Graetz, Dubnow, Dillmann, Qregorovius u. a. —, bald sprechen die Quellen direkt zu uns — das erste Makkabäerbuch, ein Briefwechsel zwischen einem spanisch-jüdischen Minister und dem König der Chasaren. der Ukas Ferdinands und Isabellas, der die Juden aus Spanien vertrieb, die Glückei von Hameln — um nur einiges zu nennen. Also nicht ein Quellenwerk liegt hier vor, das vielfach an den wichtigsten Stellen versagen müßte, weil die Quelle erst gefaßt werden muß, um trinkbares Wasser zu liefern — wie könnten z. B die. zerstreuten Notizen über den Barkochbakrieg einen Nichtfachmann interessieren? — und doch wiederum nicht nur eine Sammlung von Darstellungen aus der jüdischen Geschichte. In dieser glücklichen Zusammenstellung und in der Beschränkung auf weniges zeigt sich die Hand des Meisters,! sowohl de? Kenners der Materie, wie det Erfordernisse unsrer Zeit. Denn die heutige Zeit, und vor allem die heutige Jugend, will schnell interessiert sein, nicht durch langatmige Werke, deren Ausführlichkeit sie ermüdet, deren Breite sie schreckt, sondern durch die gewandte Skizze, die auf weniges Wesentliche Nachdruck legt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben Uns fehlt in der jüdischen Wissenschaft diese Art von Anthologie, wie uns überhaupt ein Werk fehlt, das etwa in der Art von Wells Orundideen der Weltgeschichte in mächtigen monumentalen Bildern und unter Zugrundelegung einer zusammenfassenden Idee die jüdische Geschichte darstellL In eine dieser Lücken tritt das Buch Eibogens ein. Vorläufig wird fast nur die po- — 226

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