Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 12 - Dezember
- Date
- 1927-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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so Starfc bemerkbarvwie hier. Der Jude ist durch jahrhundertelange Uebung zu intellektueller Spekulation mehr geneigt, die Dinge zu durchdenken, als sie sinnlich, d.- h. visuell, zu empfinden. Es bedurfte daher eines langen Weges, um schließlich in die Probleme dieser ihm neuen Welt einzudringen und nicht nur als Mitläufer zu wirken, sondern sich einen beachtenswerten Platz zu erringen. . Elkan war der erste in Deutschland, der dieses Ziel erreicht hat. * Um so staunenswerter,' da er $ich fast ganz als Autodidakt gebildet hat. Von seinem Vater zum Kaufmann bestimmt, war er erst mehrere Jahre in Handlungskontoren. Schließlich drängte „ es ihn zur Kunst, er besuchte die Münchener und Karlsruher Akademie, studierte an ihnen Malerei und wandte sich nach fünf Jahren der Plastik zu, in der er ganz ohne Lehrer seinen Weg weiterging.“Nach zweijährigem Aufenthalt in Paris und Rom erhielt er den Michael-Beer- Preis der Berliner Akademie. * Sein künstlerischer Weg ist jbei aller Selbständigkeit durchaus folgerichtig. Von der Malerei kommend, wendet er sich zunächst der Medaille zu. In Frankreich sah er deren Wiederbelebung, in Italien die reifen Werke des Qjattrocento. Nach dem Vorbild der Florentiner beginnt er seine Arbeiten in Originalgröße in Wachs 'zu modellieren, ln schneller Folge entstehen Medaillen des Großherzogs von Baden, von Hans Thoma, Eugen d’Albert, Fälliges, Loubet, Clemenceau u. a. Diese Arbeiten erregen Aufsehen, da sie etwas Neues für Deutschland bedeuten. Die Medaille wächst wieder organisch aus dem Innern heraus, sie beschränkt sich auf die plastische Bindung und vereinheitlicht die Komposition von Figur, Ornament und Schrift. Man findet diese Werke, heute in den meisten größeren Münzkabinetten als Beispiele der modernen Medäillenkunst. Einen weiteren Schritt vorwärts auf dem Gebiete der Plastik bedeuten die vielen Grabdenkmäler und Gedenktafeln. Hier gilt es, Architektur mit plastischer Form in Einklang zu bringen. In den meisten Fällen ist das Relief — der Medaille im Wesen verwandt — der bildnerische Ausdrucksfaktor. Die beiden Kriegergedenktafeln der Dortmunder Synagoge werden von großen Medaillons bekrönt. Kampf und Kriegersende sind in zwei biblischen Motiven vei sinnbildlicht. Diese reifen Werke der letzten Jahre veranschaulichen Elkans Kompositionstalent. Vielleicht noch deutlicher erkennbar an dem Sockelrelief des Orabmals in Wickrath, in dem alle seelische Erregung, Schmerz, Trauer, Resignation in rhythmischen Formen gebunden sind. Die große bewegte Linie in d|er Kontur des Ganzen wie in den Einzelformen, das Spiel, von Armen und Beinen, ist reine Plastik; Inhalt und Form sind ganz in dem Material des Steines gedacht. Seine vitalste Kraft aber äußert sich in den Freiplastiken. Von der I . spielerisch zarten Form des Kinderkörperchens, die z. iB. in der Bronzestatue »Vorfrühling« klingt, zu dem gewaltigen Menument, da ein kauerndes Weib »Den Opfern« des Weltkrieges nachtiauert, begegnet man in die ■<" dem umfangreichen Werk Elkans den verschie- Alfred Flechtheim. densten Äußerungen seines Formtalents. In weser Beschränkung ist er von der polychromen »Persephone«, die aus verschiedenen Marmorsorten, Onyx und Alabaster, zusammengesetzt ist, zu der ihm am meisten zusagenden Bronze zuiückgekehrt. Und diese Beschränkung wirkt sich immer mehr zur Vereinheitlichung aus. Vergleicht man die Büsten eines Eugen'd’Alberts und Trübners mit denen Walther Rathenaus und 216 —