Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 12 - Dezember
- Date
- 1927-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gefahrdrohender noch als die Ueberheblichkeit des Besitzes ist die -Ueberheblichkeii des Oeistes. Wir wollen die geistigen Kräfte unseres Ordens nicht mißachten, wir wollen sie wecken, aber nicht, um sie auszubauen zu einer geistigen Verstiegenheit in Worten, sondern uni sie auszuwerten als klingende Münze im sozialen Streben unseres Ordens. Den Worten sollen und müssen Taten folgen, sonst bilden und bleiben sie leerer Rauch einer Flamme, die aufleuchtet und erlischt, ohne Wert und Nutzen, ein bildloses Bild, das unseren Augen entschwindet. Sind nun den Worten in unserem Ordensleben Taten gefolgt? Rückhaltlos können wir die Frage bejahen, wie die zahlreichen sozialen Institutionen unseres Ordens zeigen, die, aus eigener Kraft entstanden, das Endziel haben, soziale Not zu lindern, zur Menschheitsliebe zu erziehen. Das Wort »Meine Brüder suche ich*-ist für den Orden der große Ruf des Lebens geworden, der auch die Stunden des Alltags durchwebt. Was ist weiter .das Ziel des Ordens? Es ist durch die Worte »Bne Briss« gegeben, Söhne des Bundes, ein Mahnruf an den alten Bund, den. unser Erzvater Abraham geschlossen, des Bundes, der die Grundlage einer sittlichen Weltanschauung geworden ist, deren Prinzip die Unterordnung des eigenen Willens und der eigenen Persönlichkeit gegenüber hohen Weiten der Menschheitbedeutet. Der Name Bne Briss ein Gelöbnis, dessen uralte durch Tradition von Jahrtausenden vererbte Devise Liebe zur Menschheit und Treue zum Judentum heißt. Nicht Trotz gegenüber den kleinlichen Zurücksetzungen des Lebens führt uns in die Reihen des Ordens, sondern Liebe zum Judentum, Adel der Gesinnung, dem die Vorteile des täglichen Lebens nichts bedeuten gegenüber dem Wunsch, das Judentum zu bewahren und zu erhalten und einem, kommenden Oeschlecht I zu vererben. Es gab eine Zeit, wo der Oedanke der Treue zum Judentum eine selbstverständliche Forderung war, wo jeder Zweifel vor der Wucht der Tatsachen verstummte, wo zwei feste Pfeiler das. Leben des jüdischen Hauses begründeten: ein tiefinneres religiöses Empfinden und die tiefe Einigkeit des jüdischen Familienlebens. Eine neue Zeit hat diese festgefügten Pfeiler ins Wanken gebracht. Mit den Segnungen der neuen Zeit sind uns Werte verloren gegangen, die uns stark gemacht haben, die unseren Bestand gesichert haben. Mitten in einer von materialistischen Anschauungen erfüllten Welt haben wir es nicht immer verstanden, die Oemütswerte in uns auszubifden, wir sind abhängig geworden von den Erscheinungen der Außenwelt, von der Wertung durch die Außenwejt. In dieser Epoche des Materialismus hat sich der Orden Bne Briss erhoben, um den Juden der Welt zu geben, wa£ verloren^zu gehen drohte: das Gefühl der Zusammengehörigkeit*, das Gefühl der Liebe und Treue zum Judentum. — Mögen religiöse oder politische Anschauungen unsere jüdische Gemeinschaft entzweien, mag die religiöse oder politische Richtung eines Jeden von seinem Denken und seinem Gewissen bestimmt sein, auf dem Boden des Ordens haben sich alle diejenigen getroffen, denen ein bewußter Wille zum Judentum innewohnt. Ein Wille, der nicht auf dem Gefühl trotziger Abwehr beruht, sondern auf' dem Gefühl der Liebe. ,‘ In diesem Sinne eines bewußten Willens zum Judentum hat der Orden gewirkt, er hat gelehit, auch eine gegnerische Anschauung zu achten, undhat die Gemeinsamkeit des Denkens zu wii Etlicher Bruderliebe erhoben. Dies eine Tat, die den Worten gefolgt ist. Benno 1 ' Von Dr. Karl S Unter der kleinen Schar unserer jüdischen Bildhauer hat wohl keiner bisher soviel Aner-, kennung gefunden wie Benno Elkan. Sein Schaffen ist stets von Erfolg gekrönt gewesen. Nur wenige moderne Plastiker — geschweige Der Künstler ist Bruder der Frankfurt-Loge. Red. Elkan. c h w a r z, Berlin. denn Juden — sind in so vielen Museen vertreten, kaum ein anderer kann eine solche Galerie bedeutender Persönlichkeiten aufweisen, die- 0 , * durch ihn porträtiert wurden. In mehreren Städten zieren seine Denkmäler und Brunnen öffentliche Plätze. Sein Name wird überall da genannt, wo von moderner Medaillenkunst ge- 214