Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 6/7 - Juni/Juli
- Date
- 1927-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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[ Aus dem Bür< ‘i ’ Das neu konstituierte Pro-Falascha-Komite:, I♦ dem unser Großpräsident und andere prominente; Brüder ängehören, versendet einen Aufruf, den wir die wesentlichsten Stellen entnehmen: i Seit 20 Jahren ist der Blick der Judenhe t wieder auf dieA Falaschas gerichtet, jenen Stamri im schwer zugänglichen abe^sinischen Hochland,. der mit vorbildlicher Treue an der jüdische 1 Religion festhält. Um die Lehrtätigkeit intensiver und wenige r kostspielig gestalten zu Können, ist neuerdings in Addis Abeba unter Leitung eines gut vorge* bildeten Falascha ein Lehrerseminar eingerichte . Es ist geplant, einen tüchtigen Fachmann au > Deutschland dorthin zu schicken, der insbeson- ' dere den Jiebräischen Unterricht übernehmen sol Großloge. Im Ghetto von Venedig. Trotzdem daß ich in der Synagoge von Venedig nach allen Seiten umherspähte, konnte ich das Antlitz des Shylocks nirgends erblicken! Und doch war es mir, als halte er sich dor verborgen unter irgend einem jener weißen Talare, inbrünstiger betend als seine übriger i Glaubensgenossen, mit stürmischer Wildheit, j« mit Raserei hinaüfbetenct zum Throne Jehovas des harten Gottkönigs.' Ich sah ihn nicht Aber gegen Abend, wo nach dem Glauben de1 Juden die Pforten des Himmels geschlossen werden und kein Gebet mehr Einlaß erhält hörte ich eine Stimme, worin Tränen rieselten wie sie nie mit den Augen geweint werden \ Es war .ein Schluchzen, das einen Steir in Mitleid zu rühren vermochte. Es warer Schmerzlaute, wie sie nur aus einer Brus kommen konnten, die all das Martyrium welches ^in . ganzes gequältes Volk sei achtzehn Jahrhunderten ertragen hat, in sich verschlossen hielt. ‘ Es war das Röcheln einer Seele, welche - todmüde niedersinkt an den Himmelspforten Und diese Stimme schien mir wohlbekannt : '’und mir war, als hätte ich sie einst gehört, wie der i — Die Hauptkosten des jüdischen MisSionswerks unter den Falaschas werden von Amerika getragen. Für uns in Deutschland ist es ein£ Ehrenpflicht, diejenigen Beträge aufzubringen, die zur Erhaltung der Falaschas in Deutschland und?ur Entsendung 'des deutschen Lehrers erforderlich sind. Sie sind nicht sehr groß, und wii müssen unserer Religion zuliebe dieses Opfer bringen. Nichts fordern jene Glaubensgenossen von uhs als religiöse Festigung und Belehrung, wir dürfen ihnen diese nicht versagen! | Geldsendungen für das Falaschawerk nimmt die Fa. G e b r ü d e r O pp 1 Cr, Bankj^ommandite, Berlin W. 15, Kurfürstendarnm 167 168) Postscheckkonto 11 038, Berlin,- entgegen. sie ebenso verzweiflungsvoll jammerte: >Jessika mein Kindk< { (Heine, Shakespeares Frauen und Mädchen. * » * Venedig — ein Märchen, das Wirklichkeit ' geworden ist — und trotz der Wirklichkeit ein — Märchen! * I Vor einiger Zeit war ich in Venedig und besuchte das Ghetto, sah in der Märchenstadt die ärmlichen Gassen,- die kein Märchen sind,, die dürftigen Bewohner, Männer, Frauen und Kinder, 'die dauernd die Hände offen halten, sah zwei von den fünf Synagogen, die von dem Hauch der Jahrhunderte umwittert sind, hörte die Erklärungen der Synagogendiener und dachte an den Strom der jüdischen Italienreisenden und ihren Besuch in den prächtigen katholischen Kirchen und empfand, daß die Bewohner des Ghetto ein wenig mehr Freude haben könnten, wenn die jüdischen Reisenden ein wenig mehr Interesse für den jüdischen Teil Venedigs aufbringen würden. Ein Stückchen Anteilnahme und ein paar Lira sollten auch für die Aermsten der Wunderstadt abfallen. ’• Odt. Br ider denkt bei der Darreichung von Spenden auch an die G r o ß 1 o g e. Es gibt wohl kaum eine Stelle, von der aus so vielfach die Möglichkeit gegeben ist, Not würdiger Menschen zu lindern. Es gibt Menschen, welche sich, wenn alle Hilfsmittel versagen, in ihrer letzten Not an die -