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Der Orden Bne Briss · 1927-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 3 - März
Date
1927-03-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Ideen, ihsj Tätige verschlagen, doch auch hipr mehr mit dem hirirepßenden Worte fechtend, den Blick in die Zukunft gejri^htet. Jener war ganz jaus der Scholle empor? gediehen, Vorkämpfer seiner Klasse, nach einer Abenteurerjugend zii den geschlossenen Formen des Lebens und Besitzes zurückgelangt, aus denen er stammte, und doch als Staatsmann gefühllos, bereit, mit jedem Volk und jeder Staatsform zu gehen, wenn sie der seinigen nutzte; dieser, als Jude und Bürger ohne Heimat, in zäher Jugendarbeit emporgeklettert, bekämpfte seine Klasse und sein Erbe, entzündete das^ leichtbewegte Herz an dem Aufschwung ' der Nation, zu der er rassenmäßig nicht, und an demj Aufschwung der Klasse, zu der er klassenmäßig ’ nicht gehörte. Bismarck opferte nichts, als er begann, Lassaile gefährdete alles, jener festigte Stand un<$ Stellung, dieser verlor in Oefängnissen Freiheit und Qesundheit. und wenn jener mit 32 begann,! im Stil seiner Kreisg zu konkurrieren, so hatte der jüngere gleichzeitig mit 22 hegonnep, den Stil der<seinigen in allem zu verleugnen. Undj doch wurden beide von gleichen Impulsen bewegt: Stolz, Mut und Haß hat den jüdischen Sozialisten wie den| pommerschen Junker zum Handeln getrieben, in j beiden Haben diese Motive den Willen zur Macht erzeugt, keiner hat sich * gefürchtet, keiner den übergeordneten Menschen ertragen, keiner im Grunde geliebt. Wie Bismarck das mächtige Oesterreich stärker haßfe, als er Preußen liebte, so Tiät auch Lassalle weniger mit dem vierten|Stand gefühlt als gegen den dritten; deshalb hat jener uhter preußischen Junkern, dieser unter heraufgekomriienen Führern keine Freunde gesucht oder gar gefunden, jener lebte nicht höfisch, dieser nicht voikstümlich, beide waren von Galle voll gegen die Beschränktheit ihrer Stände und ähnelten einander auch in A. Odt t Befremdend. Jist,1 daß der . Verfasser diese Etsasser Juden äüßerlich so häßlich darstellt. Ironie und Zynismus. zu w ein verfallenes Fabrikgeb und l^egel. Die Art, w stand« besondere sind träge, schwammige Fleiischmassen ohne Die Frauen ins- Wv die jüdische ein müßiges Haein strenger Blick hinfällig, hemmte Simler 8> Co., Roman von-J ean Richard Bloch l Rotapfel-Verlag, Zürich und Leipzig) mit einleitendem Vorwort von Romain Ro'lland. Wenn Romain Rolland das Begleitwort zu einem Werke schreibt, bedarf es noch einer weiteren Besprechung? Doch!; Wie wirkt der Roman auf den Leser, der nicht, wie Romain Rolland, von höchster Warte auf Menschengestaltung herabschaut? I Ein jüdisches Milieu!— Elsässer Juden leben, hasten, schaffen, reden, handeln, streben, wachsen vor uns in kaleidoskopischer.Buntfarbigkeit. Die Familie Simler aus B. im jElsaß entschließt | sich in der Nachkriegszeit von. 1870 7fl nach Frankreich! zu siedeln, um nicht preußisch j-den. In einem kleinen Fabrikdorf erstehen Simlers äude und ziehen dahin mit Kind b der Kauf des Grundstücks zukommt, charakterisiert Simlers als gewiegte Geschäftsleute. Wie auf einem Kampfplätze bewegen sich die Parteien. Schon dieses Kapitel zeugt von tiefer Menschenkenntnis. Wir fühlen, wie die Pulse der Menschen schlagen, wir sehen die Personen lebendig vor uns. Geniale Kleinmalerei in naturwahren Farben. — Cas Treiben in der französischen Kleinstadt, die souveränen Fabrikanten, Idie in ihren engherzigen bigotten Anschauungen jede Annäherung^ der »Juden« ablehnen, sind Sittenbilder der damaligen Zeit. Oleichwohl sind die S mlers Typen, d|e allenthalben in der Welt* zu fir den sind, ebenso wie ihre Oegenspieler, im Unterschiede etwa zu einem ujörn Uhl«, der in Norddeütschland an der Wasserkante wurzelt! innere Wert«, ohne Trieb nach oben. Frau von 18’’0/7I so indolent, daß ihr remsleben in seiner Isoliertheit zusagte: Wie konnte Sie aber andererseits im Hause einen solchen Einfluß ausjüben? Ein »Nein« der alten Mutter, ags ihren Augen machte Entschlüsse Wünsche im Herzen der sonst, selbständigen energischen Männer. Die Familie Simler zeigt in ihren Zusammenleben das dem jüdischen Stamme eigene Ge.fiihl der-Solidarität. Zielbewußtei Ineinandergreifen aller Kräfte beim Aufbau der Existenz. Sie rackern und schaffet abends, bauen auf, nutzen günstige K rojunkturen, leben aber selbst anspruchslos, einfach. Arbeit und wieder Arbeit ist ihre Losung. Wahrend ,andere Fabrikanten in den Krisen zugrunde gehen, fügen si< h Simlers den geschäftlichen Bedürfnissen ein und-gelargen zu Wohlstand. Die Geschichte dieser Familie Sinder, die wir pochenden Herzens m terieben, rüttelt an unse efn Gefühle; wir könneh 'sic nichtabschütteln, wir verwachsen'förmlich mit ihnen. Wir fühlen uns aber auch gehoben durch' diese Elsas! er Juden, die tief unten ihren Aufstieg beginnen und in vornehmer Reserve, Achtung und Anerkennung de' stofzen Fabrikherren' errjigen. Diese kleinbürgerlicher Juden, die sich trotz Eteforiiirq; ihres Judentums in dem Rahmen der andersgläubige! i Großindustriellen unbeirrt zuiechtfindes, sich würdig Örwegeri, großzügig helfend eingreifen, zwingen urik Bewu iderung «ab. Diese einfachen Juden, die-an den Satzung« n' ihrer Väter nicht rütteln und sie in *dem Banne der'ererbten und anerzogenen Traditionen als selbstyerständl ch irrhalten wollen! Kein Wunder aber, daß Josef Simler dem Zauber einer schönen, geistig und sittlich hochstehenden Christin verfällt, dpren Vorzüge doppelt klar durch den Vergleich mit seiner eigenen weiblichen .Umgebung hervortreten. Der Hinweis jedoch auf Pflichtgebun« etiheit, Ueberliefe- rung, führt ihn zurück zur'Fabrik, zur Kaste, zur Familie. Dieserdurcli Blutsverwandtschaft, Interessen und Tradition zusammengesehweißte Famjlieriring st die ' Stärke, der jüdischen S ppe, trägt aber hier den Keim zum Verfall der Simlers :hen Organisation in sich. Die Abhängigkeit untereinander gibt dem Individuum nii:ht genügend Spielraum und Entwicklungsmöglicbhert, 1 alt es vielmehr in der Masse ’urück. Der Modernisiert! ig verlangende Fabrikgeist, diefm sie, verständnislos geg«nüberstehen, droht sie zu verdrängen. Die jüngste Genei ation Simlers atmet zwar schon den Oeist der neuen Zeit, aber ohne mit ihm alle Traditionen und die Vorzüge ihres Stammes verbinden zu köhnen. ’ Romain Rolland stellt den Roman Simler & Co. den Werken Balzacs zur Seite.’ In der 7at! Die plastische Darstellung der Gestalten, die mafkigi: Figur des Hippolyt Simler, der buntfarbige ^Dialog der Personen in_ seinem Wechsel zwischen Ernst und Komik, die wuchtige und zugleich au: das Milieu harmonisch ä »gestimmte Sprache, die drastische Schilderung einzelne! Familienvorgänge, insbesondere — etwas karikiert der-müßig im Kreise der Sippe da hinlebenden Frauen, sindfa rbenpräcbtige Bilder auf tiefem fjfintergrunde. Drastisches mit tragisch-ernstem 'Unterton. j .. ,, Welche] Probleme wollte der Verf; sser hier aufrollen? Wollte er jdartun; daß der Jude — wfo auch immer —- 49 -

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