Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1927-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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»J so daß die Jud Süß-Literatur mehr als 50 Nummern enthält*) | Auf Oruna emsiger archivarischer Studien und unbeschränkter Benutzung der Prozeßakten, die bisher nur unter bestimmten Bedingungen zugängig w^ren, $at es vor kurzem unser Verfasser unternommen, die menschliche Persönlichkeit Oppenheimers mit ihren Schwächen und Vorzügen zu zeichnen. Das tragische Ende des Jud Süß ist nach der Darstellung Etwenspoeks nicht auf seine betriebsame und vielleicht j auch skrupellose'Tätigkeit als Finanzrat, auf seine Hoffart und sein Liebesieben zurückzuführen,^ sondern auf die geschichtlichen und'politischen Verhältnisse jener Zeit, Bereits unter der Herrschaft des Herzogs Eberhard Ludwig, der infolge det Maitressen- Wirtschaft in steter» Geldverlegenheit war, seufzte das württembergische Volk unter den drückendsten Steuerlasten; es war erbittert und gereizt’und hoffte, von dem' Nachfolger, dem Prinzen Carl Alexander, eine Erleichterung dieses Druckes. Als aber der neue Herzog die Oeißeln seines Vorgängers in Skorpionen wandelte und das Volk durch seinen Geheimen Finanärat hetVimungslos’auspreßte, da steigerte sich die Erbitterung. Dazu kam noch, daß die Landstände sich gegen die Reformpläne und die Großmachtpolitik des neuen Herzogs auflehnten, unld daß das stockprotestantische Volk gegen den herzoglichen Renegaten — er war 1712’zum Katholizismus übergetreten — von Mißtrauen erfüllt war, einen Staatsstreich und die Katholisierung des Landes befürchtete. Der angesammelte Groll drängte zur Entladung und richtete sich schließlich nur gegen einen — und nicht einmal gegen den Schuldigsten — gegen den landfremden.Jud Süß; er wurde bald nach dem Tode des Herzogs im Mai 1737 verhaftet,- vor Gericht gestellt, als Staatsverbrecher verurteilt und in einem eisernen Käfig aufgehängt. * j Der Prozeß, der fast dreiviertel Jahr dauerte, weil die Richter, die ansehnliche Honorare aus dem-Süß’schen Vermögen erhielten, ein Interesse daran halfen, jhn in die Länge zu ziehen, hat für keinen der erhobenen, zehn Anklagepunkte irgend einen Beweis erbracht. Der drste Jurist des Landes Prof. Haarpprecht aus Tübingen, .hät infolgedessen auch gegen eine Verurteilung gestimmt,| trotzdem wurde Süß verurteilt, denn das Volk raste und wollte ein Opfer haben. Und zu diesem Opfer hatte man ,den landfremden Juden ausersehen; er, der Jude, hat,j wie der Herzog-Administrator Carl Rudolph beim Unterschreiben’ des Todesurteils bemerkte, »für Christenschelme die Zeche bezahlt«. (Fast dieselben Worte läßt auch Hauff, der nichts weniger als Sympathie für Süß besitzt, den alten Landschaftskonsulenten Lanbek sprechen. Jud Süß Kap. 15.) i - So sehr wir das tragische Geschick dieses' in mehr als einem Sinne außergewöhnlichen -Mannes bedaaern, önnen wir ihn weder als Mäityrer, noch als Heiligen an- ■f ) Die bekanntesten sind: die Novelle von Wilhelm tfauff; die Schrift von Manfred Zimtnermann, j die Abhandlung von Adolf Kohut im Jahrbuch f. jüd, Gesch. und Literatur 1902; die Skizze von Kirchenrat Dr. Kroner in der Zeitschrift >Im deutschen Reich« 1903, das Sjchauspiel non Fritz Runge und der Roman von Liori Feuchtwanger. In einer vorzüglichen Abhandlung im letzten Korrespondenzblatt der Akademie f. d. Wissenschaft 4. Judentums kündigt die Verfasserin Selma Stern eine umassende Biographie über Jud Süß an, die demnächst erscheinen soll. i Go tti sprechen. Seine Verl in den Tagen seines selbst bezeichnete s!ch Erst in den Tagen de Jisroel, betete zum Jacob und verlangte im somit höchstens als B i. gekehrter, gelten. Air Vorbild dienen und fassung von Elwenspoek, Vorkämpfer für. die feiern. (S. 82). Seine Ehrgeiz, seine Genu seine galanten Abentei| sind keineswegs Ausfl Sittenreinheit Wohl jüdischen Zeitgenossen wollen wir rühmend a Qualen beim Vätergl. scbiedenen Bekehrung: klugen und schönen ändern ist eine Sache einem Gefangenen steh wir .uns die beherzigen^ Seele merken: »Meidet, Israeliten, die Israeliten erhalte.« Das %uch von schaftliche Arbeit, aber Beitrag. Der Verfasser Tatsachen auih Legen dji zu verwerten. Durch anschauliche Sprache, der Roman ohne Ern interessiert, wird in niedrigen Preises geschijr angenehme und anreg« ß sucht, 2 US Sa t: EIwe tiundenheit mit dem Judentum wär Glückes und Erfolges sehr lose; er als e nen »Volontär aller Rieligionen«. Not erinnerte er sich an das Schnia e seiner Väter Abraham, Isaak und Gefängnis rituelle Speisen Er kann al Teschuwa, als Reuiger, Zurückallerwenigsten kann uns Süß als haben, im Oegensatz zu der Aufgar keinen Grund, »ihn als einen (pleichberechtigung der Juden« zu Skrupellosigkeit, sein krankhafter seine grenzenlose Eitelkeit, er, seine Wollust, und dgl. mehr ß jüdischer Ethik und jüdischer dem Orunde haben ihn seine mit Mißtrauen beobachtet. Jedoch nerkennen, daß er trotz Folter und aiben verharrte und <auf die ver- :versuche im Gefängnisse mit dem ze antwortete: »Seine Religion zu für einen freien Menschen, aber das übel an.- Und ferner wollen werten Mahnworte dieser reuigen alle Hoffart, damit der Allmächtige li;st: nspoek ist keine streng wissenein wertvoller kulturhistorischer versteht es, neben den historischen res und Anekdotenhaftes mit Takt cjen fließenden Stil, die lebendige sich sein Buch wie ein spannenüdung Wer sich für Jud Süß esem trotz des verhältnismäßig ackvoll ausgestatteten Buche eine ehde Lektüre finden. E. Finkei. Dezember 1926. Jüdische Familien-Forschung. Jahrgang II. Nr. 4. Privatdozent Dr. f ritz Schiff schreibt über »Die sogenannten Blutgruppen des Menschen und ihr Vorkommen bei den Juden . Er berührt.die Entdeckung des österreichischen Forsch« rs. Landsteiner, daß es besondere Merkmale des Blutes gibt, die sich nur bei einem Teile aller Menschen finden. Digse Merkmale ergeben sich in Reagenzglas-Versuchen bei Mischung der klaren Blutflüssigkeit, des Blutser im s eines Menschen mit den Blutkörperchen anderer Menschen. Darauf baut sich die Einteilung der Menschen in Blutgruppen auf. Es haben sich bis jetzt 4 Blutgruppen ergeben, die in der praktischen Medizin auf dem Gebist der Bluttransfusion große Bedeutung haben. Diese Entdeckung kann nach mannigfachen Richtungen hin — auch kriminalistisch — große Auswirkungen haben. Auf der Grundlage solcher Forschungen ist bereits eine >Vö!kerkarte* aufgestellt worden. Ueber die Blutmerkmale der Juden kann zunächst nur eine vorläufige Mitteilunf gemacht werden. Im allgemeinen haben die einzelnen ji dischen Oruppen ihren Platz in nächster Nähe der nichl jüdischen Bewohner des gleichen Landes. Die Juden des Eialkans zeigen etwas abweichende Werte. EsNst zunächst noch nicht imgebracht, weitgehende Schlüsse zu ziehen. Rabbiner Dr. Max 3 r u n w a 1 d , Wien, beschäftigt sich mit den Deszendenten'Simson Wertheimers. 16 —