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Der Orden Bne Briss · 1927-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1927-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Alltag und Feierstunde, und dieser Vorhang .trägt die magischen Zeichen jenes gesteigerten Daseins, das wir Kunst nennen. Feierliche Orgelklänge begrüßen den in das Gotteshaus eintretenden. Aufsteigende Pfeiler entführen seine“ Seele zur Höhe. Goldglanz der Bilder spiegelt ein fernes Gottesreich. Das Hellbewegte klingt ab, Gestalten aus ahnungs^ reicher Tiefe treten hervor, und reden ihn an: wir wissen von Deinem Lebensgrunde mehr, als der helfe Tag! Den Logenbruder empfängt im Tempel der vertraute Rhythmus der Hammerschläge, Symbole und Handlungen voll tiefen, dichterisch deutbaren Sinnes, Kettenlieder und Sprüche. Nicht die vernunftbeherrschte Form parlamentarischer- Rede und Gegenrede vermag die Seele zu beflügeln, uns aus dem grauen Bereich des zweckgebundenen Lebens zu entfernen. Wir müssen stärker beschwören! Die Tempelhalle darf nicht ein beliebig gestalteter, irgendwie ausgemalter Raum sein, Alle äußere Form muß Zeichen werden für die innere Bedeutung. Was an Baugliedern und Raumformen, an Gefühlsgehalt der Farbe, an abgestimmter Beleuchtung zum Träger der Logenstimmung gestaltet ist, das setzt sich in unbewußte seelische Bewegung des Bruders um, es wird zu dem Gefühl: tretet ein, hier iist heiliger Boden! Es ist dem fühlenden Bruder eiiT Grauen, in einen Logentempel zu weilen, der einem profanen Gasthausraum gleicht, roh, kalt und gleichgültig in Form, Farbe und Licht. Wer vermöchte wohl die Andacht zum Gebet aufzubringen bei den trivialen Klängen eines Leierkastens? - Und doch1 celebrieren viele unserer Logen ihre Feier in Räumen, die künstlerisch nicht höher stehen. Der große Stimmungswert der Kunslform, das Erfühlen eigener Raum- und Farbwerte für die besondere Art unserer Loge ist für uns noch ein Neuland, wert der vollen Beachtung unsere^ Ordens und seiner Künstler. Beim Eintritt in eine Bne Briss-Loge sollte das gesamte. Raumbild, jede Form und Farbe davon künden: hier werden Menschheitswerte in_ der besonderen Form des Judentums gepflegt; ein Inhalt, wohlgeeignet, zur Kunstform zu werden. Der äußeren Gestalt, die bereits ein stark innerliches sein niuß, soll der innere Rhythmus entsprechen: Erhebung des ganzen Vorgangs Jirf eine künstlerische Sphäre, ln den ehrwürdigen Rahmen unseres Rituals füge sich < der Ablauf der Loge wohlgegliedert ein. Kurzes Vorspiel und Nachspiel umgrenze die festliche Stunde. Gew ählt und über den Alltag erhoben sei die Form ierRede. Wer das Wort-ergreift, muß sich jener ermüdenden Weitschweifigkeit enthalten, weiche der Gegensatz von Schwung und Rhythmus Ist und jede festliche Stimmung niederhält. E ie Stunde ist kurz und zu kostbar, um mit selbstgefälligem Geschwätz vertan zu werden, kurz und prägnant kann die einfachste Meinung zum Wort kommen. Die hochgestimmte Bruderschaft ist stets empfänglich lür Werte, die der Alltag nicht zu geben vermag. Ethische Gedanken in dichterischer Form, wie sie die Literatur aller Völker enthält, lassen sich leicht dei Rede einflechten und entrücken den Vorgang c er nüchternen prosaischen Handlung, ohne ihr deshalb dem wirklichen inneren Leben zu entf:rnen. Das notwendig Geschäftliche, das in einer Loge stets das Nebensächliche blehen sollte, findet in den Ausschüssen reichlichen Raum. Einer besonderen Pflege bedürfen die regelmäßig wiederkehrenden Festlogen — Einführung, Ordensfest, Trauerlöge und Brudermahl. Hier miß die Kunstförm, Raumschmuck, Musik, Dichtu lg, gesteigerte Rede das durchaus vorherrschende und gestaltende Element sein. Es ist die Au:gabe des Meisters — bei uns weniger schö i -Präsident* genannt —, aus diesen Elemer ten eine sinfonische Dichtung zu gestalten Von der C rundstimmung ausgehend, muß der Raum durch Blumen und Lichterschmuck in ein ernstes )der ein festlich heiteres Gewanld gekleidet wercen. Es sei an das Johannisfest der Freimaurer erinnert, dessen Symbol dir blühende Rose ist, die jeder Bruder trägt, und die an diesem Hochsommertag den Tempel schmückt. Ai ch bei uns wäre reicher Blumen* und Lichterschmuck an Ordensfesten angemessen. Bild .mg musikalischer Gruppen aus Brüdern verm »g jedem Fest Glanz und Weihe zu geben. Meisterworte der Dichtung, feinfühlig den Vorgängen eingefügt, spenden Erhebung und Belehrung. Sinngemäß geändert, kann die Einführung, die Trauerloge, unsere Gefühle und Gedanken in eine höhere Lebenssphäre führen. Da, wo die leitende Persönlichkeit versagt, muß ein festgelegtes Ritual eintreten, so w e eine kirchliche Feier sich durch ihre Form se bst trägt. Besonders stark auf das Gemeinscnaftsgefühl wirkt es, wenn die Brüder, wie e> hier und da bereits geschieht, unter Musikklängen gemeinsam den Tempel 2

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